Der Intendant der Berliner Philharmoniker, Martin Hoffmann (Quelle: dpa)
Audio: Maria Ossowski | 29.02.2016

Intendant der Berliner Philharmoniker scheidet aus Amt - "Aufhören, wenn es am schönsten ist"

Was lange Gerücht war, hat sich nun bestätigt: Der Vertrag des Intendanten der Stiftung Berliner Philharmoniker wird nicht verlängert. Martin Hoffmann scheidet auf eigenen Wunsch zum Sommer 2017 aus dem Amt – es sei "ein idealer Zeitpunkt". Von Maria Ossowski

Es ist einer der glanzvollsten Berufe im Kulturbetrieb der Hauptstadt – aber auch einer der schwierigsten. Denn es braucht Nerven, Intendant eines Orchesters zu sein, das neben dem Chefdirigenten einen mächtigen Orchestervorstand und einen ebenso starken Medienvorstand hat, und das vor allem aus mehr als 120 Spitzensolisten besteht. Der 56-jährige Jurist und Medienmanager Martin Hoffmann hat sechs Jahre lang starke Nerven bewiesen.

Ein idealer Zeitpunkt

Er kam aus dem Privatfernsehen, war Geschäftsführer bei Sat1 und hatte als Quereinsteiger zunächst keinen leichten Stand. Denn die Aufgabe der Intendanz ist bei diesem – vor Selbstbewusstsein strotzenden – Orchester immer wieder neu zu definieren. Böse Zungen nennen den Intendanten deshalb einen "gehobenen Hausmeister". Das weist Hoffmann verständlicherweise zurück. Er spricht von einem Mythos: "Den kann man gar nicht wiederlegen, sondern man muss dagegen an arbeiten. Es ist, wie es immer ist, mit plakativen Schlagzeilen: Sie sind normalerweise falsch.“

Auch wenn im vergangenen Sommer in der "Welt" zu lesen war, dass das Orchester sich von ihm trennen wolle, betont Hoffmann nun, er scheide auf eigenen Wunsch aus dem Amt. Er habe eine "wunderbare Zeit" bei den Philharmonikern, die noch anderthalb Jahre weiterlaufe: "2017 sind es dann sieben Jahre, das ist eine schöne Amtszeit. Wie mein Großvater es immer sagte: Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören."

Die Zukunft sieht er gelassen

Martin Hoffmann hatte den Deal der Philharmoniker mit Baden-Baden statt Salzburg eingefädelt. Nach 45 traditionellen Jahren Osterfestspielen im Karajan-Windschatten an der Salzach hieß es im Jahr 2013: Neuanfang im Festspielaus der Kurstadt. Hoffman brachte das berührende Konzert mit den "Violins of Hope" nach Berlin: eine Aufführung mit Geigen und Celli von Holocaust-Überlebenden und –Opfern. Zu seinen Verdiensten zählt auch, dass die Philharmonie sich noch stärker nach außen geöffnet hat, zum Beispiel mit einer Open-Air-Veranstaltung vor dem Gebäude. Was er ebenfalls verändert hat ist die Kommunikationskultur: Offen und gesprächsbereit hat er sein Amt gestaltet.

Martin Hoffmann geht zu einem Zeitpunkt, wo auch Sir Simon Rattle im Aufbruch ist. 2018 wechselt Rattle zum London Symphony Orchestra. Die Berliner Philharmoniker bereiten sich indes auf die Amtszeit des neuen Dirigenten Kirill Petrenko vor. Die Suche nach dem neuen Intendanten hat damit begonnen. Martin Hoffmann sieht seine Zukunft gelassen, schließlich sei er ja noch eine Weile dabei: „Mir hat die Arbeit großen Spaß gemacht. Aber wenn man noch mal etwas Neues machen will, dann ist das ein guter Zeitpunkt."

Zur Person

  • Geboren 1959 in Nussloch/Heidelberg
  • Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Saarbrücken, Lausanne und Hamburg
  • wissenschaftlicher Referent am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht sowie Rechtsanwalt in Hamburg
  • 1994 bis 1996 Leiter Business Affairs beim Fernsehsender Sat.1
  • 1997 bis 1999 Geschäftsführer der Sat.1 Boulevard TV GmbH
  • 2000 bis 2003 Geschäftsführer der Sat.1 Satelliten Fernsehen GmbH
  • 2004 bis Anfang 2010 Vorstandsvorsitzender der TV-Produktionsfirma MME MOVIEMENT A
  • seit Saison 2010/2011 Intendant der Stiftung Berliner Philharmoniker

 

Quelle: Berliner Philharmoniker

Beitrag von Maria Ossowski

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