Video: Abendschau | 12.02.2016 | Florian Eckardt

Entwürfe für Berlins "Museum der Moderne" - Das M20 nimmt viele verschiedene Formen an

Für das in Berlin geplante Museum der Moderne sind am Freitag die ersten Entwürfe präsentiert worden. Am Ideenwettbewerb haben sich mehr als 400 Büros aus dem In- und Ausland beteiligt. Der Auftrag lohnt sich auch, sollen für den Bau doch 220 Millionen Euro ausgegeben werden. Die ersten zehn Kandidaten durften deshalb liefern.

Berlin bekommt ein Museum der Moderne. Für das Großprojekt hat der Bundestag 200 Millionen Euro bereitgestellt. Kein Wunder also, dass sich 460 Büros aus dem In- und Ausland am Ideenwettbewerb beteiligt haben. Eine Jury hatte den Reigen der Interessenten auf 20 Kandidaten eingegrenzt und die ersten zehn haben am Freitag als frisch gekürte Gewinner ihre Vorstellungen für das Museum der Moderne - kurz M20 - präsentieren können.  

An dieser Stelle soll das Museum der Moderne entstehen

Besonders viel architektonische Konkurrenz

Die verantwortlichen Büros können damit an dem entscheidenden Realisierungswettbewerb teilnehmen, der Mitte des Jahres starten soll. Die Sieger kommen zur Hälfte aus dem Ausland, bleiben aber - wie bei Wettbewerben üblich - anonym. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte am Freitag bei der Vorstellung der ersten Ergebnisse in Berlin: "Wir können zuversichtlich sein, dass wir fantasievolle Entwürfe bekommen, die sowohl städtebaulich wie auch funktional überzeugen".  

Der Museumsneubau gilt als besonders ambitioniert, weil er zwischen zwei Architektur-Ikonen geplant ist - der Neuen Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe und der Berliner Philharmonie von Hans Scharoun. Die zehn Entwürfe haben gemein, dass sie alle versuchen, gegen die architektonische Konkurrenz von Mies van de Rohe und Scharoun sachlich und zurückhaltend zu bleiben. Die Formen sind quadratisch oder rechteckig, keine ausufernden asymmetrischen, runden oder spiraligen Entwürfe sind dabei. Einige Höfe sollen zum Wandeln einladen, in einem Falle soll eine Wasserstraße, genannt Herbert von Karajan Kanal, das Gelände begrenzen.  

Besonders ambitioniertes Projekt - der Museumsneubau inmitten der Stadt

Oberirdisch, unterirdisch oder ganz ausbreiten?

Der Vorsitzende des Preisgerichts, der Stuttgarter Architekturprofessor Arno Lederer sagte dem rbb, dass die Vorschläge unterschiedliche Ideen haben, wie der Platz gefüllt werden könne. Die einen planten viel unterirdisch und möchten ganz wenig oben bauen. Andere wollten die Fläche oben auch in die Höhe füllen. Ein Vorschlag erstrecke sich gar entlang der Potsdamer Straße, so Lederer.

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, sagte dem rbb, dass die jetzt prämierten Vorschläge für den Realisierungswettbewerb auf jeden Fall noch einmal wesentliche präziser ausgearbeitet werden müssten – auch die Frage der Funktionalität. "Die Ergebnisse haben uns alle sehr optimistisch gemacht", so Parzinger. 

Ideenwettbewerb für den Museumsneubau am Kulturforum in Tafeln (Quelle: SPK/photothek.net/Thomas Koehler)
Die Entwürfe, die die Jury in der näheren Auswahl sieht, sind auf Tafeln zu sehen

Auf diesen Bau schaut die ganze Welt

Alle Architekturbüros, die am Freitag ihre Entwürfe präsentiert haben, erhalten jeweils 26.000 Euro. Am Realisierungswettbewerb, für den sie sich damit automatisch qualifiziert haben, sollen insgesamt etwa 40 bis 60 Büros  teilnehmen. Der endgültige Entwurf für den Museumsneubau gegenüber der Berliner Staatsbibliothek soll Ende des Jahres feststehen. Auf dieses Bauvorhaben schaue "die ganze Welt", sagte Grütters. "Hier werden wir daran gemessen, wie Deutschland mit Architektur umgeht, mit dieser so öffentlichen Kunst."

Alle 460 Entwürfe können besichtigt werden

Stiftungspräsident Hermann Parzinger sprach von einer einmaligen Chance, "an dieser Stelle nicht nur ein wunderbares Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts zu erhalten", sondern auch das Kulturforum endlich zu vollenden. Alle 460 Entwürfe des Ideenwettbewerbs können zwischen 26. Februar und 13. März im Kulturforum besichtigt werden.

Das Museum soll von 2022 an erstmals ausreichend Platz für die renommierte Sammlung der Nationalgalerie bieten. Die Nutzfläche wird mit etwa 14.700 Quadratmetern angegeben, von denen etwa 9.200 Quadratmeter als Ausstellungsflächen genutzt werden können.

Mit Informationen von Maria Ossowski