Baustelle direkt an der Friedrichswerderschen Kirche in Berlin (Quelle: imago/Thomas Lebie)

Debatte um Friedrichswerdersche Kirche Berlin - "Welcher Schaden ist einem Baudenkmal zuzumuten?"

Schwer beschädigt wurde die Friedrichswerdersche Kirche durch Bauarbeiten in der unmittelbaren Nachbarschaft. Wie soll man künftig bauen in Berlins historischer Mitte? Diese Frage sollte zwischen Architekten, Planern und Ingenieure diskutiert werden. Heraus kamen vor allem Fragen und Vorwürfe. Sabrina Wendling war dabei.

Zwei Stunden saß Jürg Sulzer geduldig auf seinem Stuhl, lauschte den detaillierten Vorträgen zum schwierigen Berliner Baugrund und zu Verfahren, wie man eine Baugrube richtig aushebt. Dann brach es aus dem emeritierten Professor für Stadtplanung heraus: "Ich bin überrascht, dass in dieser Stadt keiner Verantwortung übernimmt. Dass ein Landeskonservator nicht Verantwortung übernimmt, dass eine Senatsbaudirektorin keine Verantwortung übernimmt. Man schiebt das alles auf irgendwelche Zustände ab. Und das hat diese Stadt nicht verdient."

Tatsächlich ist vom Landeskonservator und der Senatsbaudirektorin nur wenig zu hören. Beide vertreten nach außen die Politik ihres Stadtentwicklungssenators. Und der steht nach wie vor zu den Baustellen rings um die Friedrichswerdersche Kirche. Allen Schäden zum Trotz.

"Pure politische und wirtschaftliche Gier"

Auf der Gegenseite: Der Vorsitzende des Architekten- und Ingenieurvereins, Wolfgang Schuster. Er kritisierte: Wenn Bauflächen wie die neben der Friedrichswerderschen Kirche bis auf wenige Meter Abstand ausgereizt würden, sei die Schuld ganz klar beim Senat zu suchen. "Es ist nichts anderes als pure politische und wirtschaftliche Gier, die an so einem Ort durchschlägt. Und deshalb sind die Politiker an der Stelle verantwortlich, die das auf Biegen und Brechen durchsetzen als Senatsbaudirektor und dadurch einfach mehr für die Stadt an Penunzen erwirtschaften können." Architekten dürften nicht zu Claqueuren dieser Politik werden, forderte Schuster.

Ein Abend also voller Fragen und Vorwürfe. Die meisten davon an den Senat gerichtet. Schade nur, dass es keine Antworten gab. Das Landesdenkmalamt schickte eine Vertreterin des zuständigen Kollegen. Und Sabine Schulte äußerte sich nur extrem vorsichtig, weil sie für Äußerungen in den Medien die Erlaubnis der Senatspressestelle braucht.

Die zentrale Frage wurde nicht diskutiert

Dabei warf Schulte immerhin eine spannende, wenn nicht die zentrale Frage auf: "Welcher Schaden ist einem Baudenkmal zuzumuten? Reicht es, alleine seine Standsicherheit zu gewährleisten? Ist der Zustand, in dem ein Kulturdenkmal über lange Zeit dasteht, so hinnehmbar? Was ist mit dem ideellen Schaden?"

Zu der eigentlichen Diskussion darüber, was einem Denkmal wie der Friedrichswerderschen Kirche zuzumuten ist, kam es nicht. Das lag unter anderem an den sehr ausführlichen Fachvorträgen. Aber: Der Architekten- und Ingenieurverein hat erkannt, dass der Diskussionsbedarf zum Thema enorm ist. Er will mit einer zweiten Veranstaltung nachlegen. Die politisch Verantwortlichen sollen dann zumindest gefragt werden, ob sie kommen.

Beitrag von Sabrina Wendling

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