Stephanie Eidt spielt in der Theater-Version von Borgen die Ministerpräsidentin Brigitte Nyborg (Quelle: Schaubühne/Arno Declair)

Kritik | "Borgen"-Premiere an der Berliner "Schaubühne" - Dann doch lieber Fernsehen

Die Fernsehserie "Borgen" um die fiktive Ministerpräsidentin Brigitte Nyborg und ihre Anfechtungen hat Kultstatus. Seit Sonntag ist an der Berliner "Schaubühne" die Theateradaptation des dänischen Politkrimis zu sehen. Ute Büsing hat sich das Experiment angeschaut - und ist nicht begeistert.

Fast vier Stunden quält Nicolas Stemann das Publikum mit einem Polit-Parcours auf weitgehend offener Bühne. Vier Schauspieler, die im Laufe des langen Abends mit Hilfe von Brillen, Bärten, Perücken und Kleidungsstücken blitzschnell in verschiedene Rollen schlüpfen, sitzen an einem Tapeziertisch mit Mikrophonen und Telefonen. Nacherzählend führen sie in "Borgen" und die gefährlichen Seilschaften rund um die fiktive erste Premierministerin Dänemarks ein. Flankiert werden sie von vier Bildschirmen, auf denen die Darsteller der Fernsehserie zu sehen sind, später auch Live-Aufnahmen des Bühnengeschehens. Außerdem fungieren sie als Teleprompter, von denen wie bei Politikerreden üblich, abgelesen werden kann.

Sehr nah an der Fernsehserie

Lange wirkt es so, als würde hier das Seriengeschehen um Macht und ihren Missbrauch, um die Premierministerin Brigitte Nyborg, ihren Mann und die zwei Kinder, ihren Spin Doctor und eine wahrheitsvernarrte Fernsehreporterin bloß - verkürzt - wiedergegeben. Das Original ist immerhin drei zehnteilige Staffeln lang.

Es sei ein noch nie zuvor gewagtes Experiment, eine Fernsehserie für die Bühne zu adaptieren, hatte der Regisseur gesagt. Gelungen ist es nicht. Stemann schlägt wenig Funken aus dem immens politischen und populären, allerdings auch pragmatisch erzählten Stoff. Er zeigt zwar den Zynismus der Macht und wie sich die Premierministerin durch ihre Machtfixiertheit die Hände schmutzig macht, laviert, ihre Familie vernachlässigt, sich selbst und ihren aufrechten Maximen untreu wird.

Das Positive kommt zu kurz

Aber das mittransportierte Idealbild der Rest-Möglichkeit demokratischer Politik reflektiert er kaum. Bei der Haushaltsdebatte werden Pappschilder mit "Bildung und Soziales" und "Umweltsteuer" hochgehalten. Die politischen Gegner von ganz links bis ganz rechts werden nur karikaturhaft angerissen. Es dauert, bis sich die Inszenierung mit eigenen Spieleinfällen von der Fernseh-Vorlage löst. Da trägt das Ensemble im besten Brecht-Weill-Stil Politlieder vor. Da fliegen die Schneefetzen, wenn in Grönland Guantanomo-Häftlinge in orangenen Overalls zwischengelandet werden. In anderen Szenen tragen diese Männer blaue Overalls mit den Buchstaben von "Borgen" oder grölen im Volkschor nach Pegida-Manier die Politikerin nieder. Die Flüchtlingsdebatte schiebt sich in den Fokus, und die halbwüchsigen Kinder der Politikerin tragen fundierte Kapitalismus-Kritik vor.    

"Borgen" am heimischen Fernseher zu verfolgen, wäre vermutlich das größere Vergnügen gewesen...

Beitrag von Ute Büsing

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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