Der Moderator und Publizist Roger Willemsen im Zuschauersaal des Kinos Babylon in Berlin (Quelle: Sören Stache/dpa)

Publizist und HU-Honorarprofessor mit 60 Jahren gestorben - Berlin trauert um Weltbürger Roger Willemsen

Er war einer der bekanntesten Intellektuellen Deutschlands, in Berlin lernten ihn viele Studierende als Professor kennen: Roger Willemsen. Nun ist der Bestseller-Autor und Moderator an einer Krebserkrankung gestorben. Er hatte fünf Jahre lang an der Humboldt-Universität gelehrt.

Der Bestsellerautor und frühere Fernsehmoderator Roger Willemsen ist tot. Das bestätigten am Montag sein Büro in Hamburg und der Verlag S. Fischer in Frankfurt. Willemsen starb den Angaben zufolge am Sonntag im Alter von 60 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung in seinem Haus in Wentorf bei Hamburg.

Die Krebserkrankung war bei Willemsen im vergangenen August  - wenige Tage nach seinem 60. Geburtstag - festgestellt worden. Nachdem er seine Erkrankung öffentlich gemacht hatte, sagte er alle Veranstaltungen ab.

Deutscher Intellektueller mit Format

Willemsen gehörte zu den bekanntesten deutschen Intellektuellen. Der studierte Literaturwissenschaftler arbeitete als Autor, Moderator, Übersetzer, Produzent und Regisseur. Der breiten Öffentlichkeit wurde er vor allem durch seine mehr als 2.000 Interviews bekannt, die er im Laufe seiner Karriere für verschiedene Medien führte. Viele davon wurden im Fernsehen ausgestrahlt - einige auch in Buchform veröffentlicht.

Bekannt wurde er auch mit essayistischen Reisebüchern wie "Die Enden der Welt". Zuletzt landete er mit seinem Buch "Das Hohe Haus" (2014) einen Bestseller. Dafür hatte er ein Jahr lang das Geschehen im Bundestag von der Tribüne als Zuhörer verfolgt.

Im Fernsehen machte sich der Autor vor allem in den 90er Jahren mit der ZDF-Talksendung "Willemsens Woche" einen Namen. Im Schweizer Fernsehen moderierte er den "Literaturclub".

Willemsen wirkte fünf Jahre an der Humboldt-Universität

In Berlin hatten Studierende der Humboldt-Universität fünf Jahre lang die Gelegenheit, Roger Willemsen persönlich zu treffen: Er unterrichtete als Honorarprofessor und außerplanmäßiger Professor am Institut für deutsche Literatur, wie die Hochschule auf Anfrage von rbb online bestätigte. Noch im Sommersemester 2015, vor seiner Krebsdiagnose, bot Willemsen ein Seminar mit dem Titel "Die knappe Form. Kurzprosa des 20. und 21. Jahrhunderts" an. Angetreten war er 2010 mit einer Vorlesung mit dem Titel "Der kleine Horizont. Zur Poetik des Fortfahrens".

Die Humboldt-Universität äußerte am Montag ihr tiefes Bedauern über den Tod des Publizisten.

Musikwelt trauert

Auch für die Stiftung der Berliner Philharmoniker setzte sich Willemsen ein: Im Rahmen einer Konzertreihe präsentierte er seit 2012 Weltmusik. Stiftungsintendant Martin Hoffmann zeigte sich am Montag bestürzt vom Tod Willemsens. "Als kluger Kurator und Moderator  hat er uns allen die vielfältige Welt anderer Kulturen erfahrbar gemacht und gezeigt, welch großer Gewinn und welche Einsicht, gerade in der heutigen Zeit, in der anhaltenden kulturellen Neugier liegt", sagte Hoffmann der "Berliner Morgenpost". "Wir werden ihn sehr vermissen."

Staatsoper-Intendant Jürgen Flimm würdigte Willemsens "seltenes Gespür für Geist und Witz".

Bestürzung im politischen Berlin

Auf die Nachricht von Willemsens Tod reagierten auch Spitzenpolitiker betroffen. "Deutschland verliert einen brillanten Intellektuellen, einen Weltbürger im besten Sinne und eine bedeutende Stimme unseres Kulturlebens - intelligent, pointiert, streitbar", schrieb SPD-Chef Sigmar Gabriel auf Twitter.

Der Berliner Linken-Politiker Gregor Gysi würdigte Willemsen als einen der herausragenden Journalisten und Publizisten Deutschlands. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erklärte, Willemsen werde in den großen gesellschaftlichen Debatten des Landes als intelligente Stimme sehr fehlen.

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