Blick auf die Kunstwerke der Transmediale 2016 im Haus der Kulturen der Welt (Quelle: dpa)

Transmediale im Haus der Kulturen der Welt eröffnet - Keine Angst vorm Relaunch

Das Digital-Festival Transmediale hat aufgeräumt: Nach Jahren der Wiederholungen soll jetzt alles anders und publikumsorientierter werden. Und auch die Promis der Szene wie der US-Internetaktivist Jake Appelbaum und der virtuelle Popstar Hatsune Miku aus Japan sollen es richten.

Ängste und Unsicherheiten im digitalen Spätkapitalismus ist das Thema der diesjährigen Transmediale in Berlin. Die bereits 29. Ausgabe hat den Titel "Conversation Piece". Der Begriff stehe dafür, ein Interesse für etwas zu entwickeln, um sich mit anderen darüber zu unterhalten, erklärte Kurator Kristoffer Gansing im Gespräch mit der rbb-Welle Radioeins. "Wir präsentieren ja jedes Jahr ungewöhnliche Objekte in Form von digitalen Kunstwerken", so Gansing.

Dieses Jahr hätten sich die Macher gedacht, einfach das ganze Festival zu einem "Conversation Piece" zu erklären. Eröffnet wurde es am Mittwochabend im Haus der Kulturen der Welt (HKW).

Der künstlerische Leiter der Transmediale 2016 Kristoffer Gansing (Quelle: dpa)
Kristoffer Gansing, im fünften Jahr künstlerischer Leiter des Festivals, hat mit seinem Team ein neues Format entwickelt

Mehr Teilhabe des Publikums

Bei der diesjährigen Festivalausgabe sollen die foren-artigen, partizipativen Aspekte in den Vordergrund treten. Es gehe um mehr Teilhabe des Publikums. Auch die Präsentation soll neu sein - statt der klassischen Formen wie Ausstellungen, Konferenzen oder Performances. Diskussionen, Installation und Filme sollen sich jetzt mischen, wie Gansing ankündigte. Von Veranstaltung zu Veranstaltung würden sich dann nur die Räumlichkeiten ändern.

Gansing stellt fest: "Es ist kein Medienbranchen-Festival, es ist kein pures zeitgenössisches Kunstevent, sondern ein einzigartiger Treffpunkt für Leute aus der Film- und Medienbranche, aus der Kunstszene und von allgemein Kulturinteressierten." Die Transmediale wolle für die rasante Entwicklung der digitalen Kultur eine forschungsbasierte und eine künstlerische Perspektive liefern.


Hass-Kommentare statt arabischer Frühling?

Mit der 29. Transmediale möchten die Kuratoren zudem einen kritischen Blick auf die Konversation an sich werfen. Thematisch haben sie sich für vier Sektionen entschieden, so genannte "Streams": "Anxious to Act", "Anxious to Make", "Anxious to Share" und "Anxious to Secure".

In "Anxious to Act" etwa wird über den Medienaktivismus diskutiert. Vor dem Hintergrund des arabischen Frühlings vor fünf Jahren und der so genannten Twitter- und Facebook-Revolution solle darüber debattiert werden, warum die Öffentlichkeit aktuell fast ausschließlich über Hass-Kommentare im Netz oder Pegida spricht. Die Veranstaltung hat den Titel "Five years after" und läuft am Samstag (ab 20 Uhr).

Fragen per Twitter ans Podium

Ebenfalls am Samstagabend (20 Uhr) gibt es "Let’s talk about whistleblowing". Zuhörer können vorher Fragen an die Teilnehmer schicken. Auf dem Podium sitzt etwa der US-amerikanische Internetaktivist und Spezialist für Computersicherheit Jake Applebaum, der Gründer von Netzpolitik.org, Markus Beckedahl, und Menschenrechtsanwalt Wolfgang Kaleck. Fragen sollen per Twitter unter #tm16whisteblowing an @transmediale oder direkt über die Website geschickt werden.

Zudem zeigen die "Snowden-Archive" einige der Dokumente, die von dem ehemals beim amerikanischen Nachrichtendienst NSA beschäftigten Edward Snowden geleakt und in Teilen bereits von großen Tageszeitungen und Nachrichtenmagazinen veröffentlicht wurden. Die Enthüllungen führten zu einer globalen Debatte rund um die Rolle von Geheimdiensten in Demokratien und um Bürgerrechte im Zeitalter digitaler Netzwerke.

Kritik: Wiederholung und Austauschbarkeit

Gansing hatte die Aufgabe, das Festival neu aufzustellen. In der Vergangenheit hatte es Kritik von Teilnehmern gegeben - an den Formaten und der Selbstbezogenheit der Transmediale. Der Künstler Maurice de Martin sagte dem Berliner Stadtmagazin Zitty, dass sich das Festival von dem weltweit einzigartigen, unberechenbaren Medienkunst-Konglomerat weit entfernt habe, das es bis Ende der 2000er-Jahre gewesen sei.

De Martin kritisierte, dass eine immer gleiche Kuratoren-Familien und eine immer größer werdende Zahl an Künstlern für ein immer diffuseres Publikum immer ähnlichere Events ausrichtete. "Hier werden Strukturen reproduziert, gegen die man einst eigentlich einmal angetreten war", wird er zitiert.  


Virtueller Musiker aus Japan

Die Transmediale 2016 liefert auch wieder viel Musikalisches. Spannend dürfte es werden, wenn etwa der Musiker "FM Einheit" am Sonntag (21:30 Uhr) sein Berliner Klangarchiv der 80er-Jahre öffnet.

Einen Vorgeschmack auf Konzerte der Zukunft gibt es am Freitag und Samstagabend, wenn der virtuelle Popstar Hatsune Miku Konzerte gibt. Miku ist eine 2007 in Japan von großen Firmen veröffentlichte 3D-Projektion, die mehr als 100.000 Songs weltweit auf den Markt geworfen hat. 

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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