Das größete Fassadenbild Berlins in der Uhlandstraße verschwindet (Quelle: imago/IPON)

Fassadenkunst am Savingnyplatz muss Neubau weichen - Wandbild adé: Schade drum oder Lauf der Dinge?

Berlins größtes Wandgemälde wird bald nicht mehr zu sehen sein. Vom S-Bahnhof Savignyplatz aus waren Politiker aller Coleur im Parlament zu sehen. Jetzt entsteht dort ein Wohn- und Geschäftshaus und das Bild verschwindet. Gehören die Wandmalereien unter Denkmalschutz? Unter Umständen schon, sagt der Berliner Wandmaler Werner Brunner.  

Auf 1.200 Quadratmetern prangert das auf mehrere Häuser verteilte Bild den Kapitalismus an. Vom S-Bahnhof Savignyplatz aus waren Politiker und der Alte Fritz ebenso zu sehen, wie Rudi Dutschke und Charlie Chaplin. Nun müssen sie einem Wohn- und Geschäftshaus weichen. Viele Berliner bedauern das, obwohl es längst nicht das erste Fassadenbild ist, das dem Städtebau weichen muss.   

Viel Konkurrenz für die Fassadenkunst

Wandmalereien sind in Berlin an vielen der vom Krieg zerstörten Hauserwände zu sehen, an Feuerwänden und auch an restaurierten Fassaden. Verliert Berlin nicht nur Kunstwerke, sondern auch seinen eigenen Charme, wenn seine Wandmalereien verschwinden? Der Berliner Wandmaler und Autor Werner Brunner sagte im rbb Kulturradio, dass Wandbilder sowieso nicht für die Ewigkeit gedacht sind. Es gebe viel Konkurrenz für die Fassadenkunst durch die "verschiedenen Moden, Begrünungskonzepte, Wärmedämmung und dann der Baudruck, der durch die städteplanerische Dynamik entsteht", so Brunner.  

Das 500 Quadratmeter hohe Fassadenbild des Künstler-Duos JBAK in Berlin Lichtenberg (Quelle: dpa)
Die US-amerikanischen Künstler Addison Karl und James Bullough haben als Künstler-Duo JBAK eine Wand in Berlin-Lichtenberg bemalt

Nicht alle Wandbilder sollten bleiben

Der Künstler freut sich durchaus über die öffentliche Empörung, dass das Bild in der Uhlandstraße verschwindet. Allerdings schränkt er ein, dass nicht jedes Wandbild von der künstlerischen und auch nicht von der handwerklichen Qualität auf Zeit gedacht sei. Bei einigen sei er aber schon traurig, wenn sie verschwinden. "Es ist ja auch ein Stück Identität in diesem Stadtgebiet und hat Aussagekraft, mit denen sich viele verbinden", so Brunner weiter.

Er selbst hat mehrere Wandbilder in Berlin gemalt. Seine Werke in der Pritzwalker Straße, in der Flughafenstraße und in der Donaustraße seien allerdings kaum mehr zu erkennen, weil ein Supermarkt oder eine Häusereihe davor gebaut worden sind, auch Bäume wuchern den Blick auf seine Kunst zu.

Politik hat Fassadenkunst einst gefördert

Wandbilder, die nach dem Krieg entstanden sind, sollten zunächst erstmal die Bombenlücken kaschieren. Von Künstlerseite her reiche die Tradition jedoch weiter, erklärte Brunner. Auch seitens der Politik herrschte bis in die 80er Jahre hinein ein anderer Geist. Es habe Wettbewerbe gegeben, um Farbe ins Stadtbild zu bringen, so Brunner. Das sei nun endgültig vorbei. Viele Außenwandbilder seien ohnehin durch Wärmedämmung, Neubauten oder Begrünung verschwunden.

Die Wand eines Wohnhauses in Berlin-Lichtenberg ist mit dem Bild eines Fußballspielers im Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft bemalt (Quelle: dpa)
Ebenfalls im Stadtteil Lichtenberg ist die Wand eines Wohnhauses mit dem Bild eines Fußballspielers im Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft bemalt

Nach Ansicht von Brunner sind einige historische Wandbilder aus der Zeit um 1900, aber auch aus den 80er Jahren durchaus erhaltenswert. Sie hätten für die Umgebung einen starken Imagefaktor. Das wolle die Stadt heute aber leider nicht mehr erkennen.

Zum Bild am Savignyplatz hat Brunner noch keine abschließende Meinung. Womöglich sei es witterungsbedingt ohnehin nicht mehr sehr gut in Schuss gewesen. Vielleicht müssten Baulücken auch einfach irgendwann geschlossen werden. Ihm sei eine Diskussion darüber wichtig, welche Fassadenkunst es Wert ist, gerettet zu werden. "Vielleicht hilft das ja, dass die Medien jetzt so eingestiegen sind."

Das größte Fassadenbild Berlins

Das Wandgemälde im Hinterhof der ehemaligen Tankstelle an der Uhlandstraße 187 an der S-Bahntrasse zwischen Bahnhof Zoo und Savignyplatz in Berlin Charlottenburg ist Geschichte. Auf dem Gelände zwischen Haus und S-Bahn wird ein siebenstoeckiges Haus gebaut, das die Fassadenkunst verdecken wird. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen, der Neubau soll 2017 fertig sein. Die drei Wandgemälde, mit 1.200 Quadratmeter Fläche das größte Fassadenbild Berlins, wurden 2004 von den Berliner Graffiti-Künstlern Lake Lamprecht Gino Fuchs geschaffen und thematisieren Politik mit Marionetten im Parlament. Friedrich Engels und Karl Marx sitzen daneben - auf einer Wolke.  

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

Das könnte Sie auch interessieren