Der Filmproduzent Artur Brauner und Cilly Kugelmann, Programmdirektorin des Jüdischen Museums Berlin (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 07.03.2016 | Arndt Breitfeld

Thementag im Jüdischen Museum - Artur Brauner stiftet 21 Filme

"Die Spaziergängerin von Sans-Souci" war ein bewegender Film, nicht nur, weil er der letzte mit Romy Schneider war. Nun hat der Filmproduzent Artur Brauner 21 seiner Schätze dem Jüdischen Museum geschenkt, neben "Spaziergängerin" etwa auch den Klassiker "Hitlerjunge Salomon", der 1992 mit dem Golden Globe ausgezeichnet wurde.

Der Filmproduzent Artur "Atze" Brauner hat dem Jüdischen Museum in Berlin am Montag 21 seiner wichtigsten Filme geschenkt. Thematisch widmen sie sich der Geschichte des Holocaust und seinen Opfern. Zu den Werken zählt auch "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" aus dem Jahr 1981. Die deutsch-französische Koproduktion wurde auch deshalb ein Klassiker, weil sie Romy Schneiders letzter Film war.

Außerdem gehört der "Hitlerjunge Salomon" zur Schenkung. Der Film aus dem Jahr 1992 handelt von einem Juden, der für einen "Volksdeutschen" gehalten wird und in einer HJ-Eliteschule landet. 1992 erhielt er den Golden Globe als bester fremdsprachiger Film.

Zunächst nur wenig Interesse an Holocaust-Stoffen

Der heute 97-jährige Brauner, der von seinen Freunden "Atze" genannt wird, hatte den Holocaust überlebt und nach dem Zweiten Weltkrieg in Berlin die CCC-Filmgesellschaft aufgebaut. Mehr als 500 Filme hat Brauner produziert, darunter auch viel Seichtes. An Werken, die sich mit den Verbrechen der Jahre 1933 bis 1945 auseinandersetzten, zeigte das Publikum in der Nachkriegszeit jedoch nur wenig Interesse.

Bereits kurz nach dem Krieg hatte Brauner "Morituri" produziert, der in einem Konzentrationslager spielte, doch die Zuschauerzahlen waren bescheiden. Brauner verzichtete in den folgenden Jahren auf das Thema, engagierte aber immer wieder Regisseure, die Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus verlassen mussten, etwa Fritz Lang oder Robert Siodmak.

Erst in den 70er-Jahren als sich das gesellschaftliche Klima in der Bundesrepublik zu ändern begann, hatten auch Filme, die sich mit der Vergangenheit auseinandersetzten, Chancen auf ein größeres Publikum. So kam es, dass sich Brauner sich wieder mehr auf das Thema Holocaust konzentrierte.

"Man muss was Gutes tun im Leben"

Weitere 21 Filme seiner persönlichen Sammlung sind seit 2009 im Visual Center der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem zu sehen. Die Gedenkstätte ehrt Brauner damit für seine Verdienste um die deutsch-israelische Aussöhnung und für die Arbeit seiner 1991 gegründeten Stiftung, mit der Brauner die Verständigung zwischen Juden und Christen sowie die Toleranz zwischen den verschiedenen Kulturen und Religionen fördert.

"Man muss was Gutes tun im Leben, insbesondere wenn man wie durch ein Wunder an
diesem blieb", sagte Brauner am Montagabend. Aus seinen Filmen solle man mitnehmen, dass jeder Mensch gleich sei.

Szenenbild aus "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" mit Romy Schneider und Helmut Griem (Quelle: imago)
Romy Schneider und Helmut Griem in "Die Spaziergängerin von Sans-Souci"

Brauner wurde 1918 in Lodz in Polen als Abraham Brauner geboren. 1940, als die deutschen Truppen einmarschierten, flüchtete er in die Sowjetunion und siedelte nach dem Kriegensende nach West-Berlin über. Zusammen mit seinem Schwager Joseph Einstein gründet er 1946 die Filmgesellschaft "Central Cinema Compagnie" (CCC). Ab 1950 baute er auf dem Gelände einer ehemaligen Versuchsanstalt für chemische Kampfstoffe in Haselhorst einen Studiokomplex auf.

Die beiden bekanntesten Filme Brauners, die sich mit dem Thema Holocaust beschäftigen, wurden am Montag im Jüdischen Museum gezeigt: "Hitlerjunge Salomon" und "Die Spaziergängerin von Sans-Souci". Zwischen den beiden Aufführungen fand ein Zeitzeugengespräch mit Artur Brauner und Schülern statt. Der Eintritt war frei.

#Filmab!Gerade mal Freitag, aber schon heute könnt ihr euch auf den nächsten Wochenstart freuen, denn dann haben wir...

Posted by Jüdisches Museum Berlin | Jewish Museum Berlin on Freitag, 4. März 2016

Das könnte Sie auch interessieren