Helen Feng (Nova Heart) © Ren Hang, Promo
Audio: Inforadio | 07.03.2016 | Henrik Schröder

Konzertkritik | Nova Heart in Berlin - Was Chinas Pop-Ikone aus der Berghain-Kantine gemacht hat

Hinter dem Projekt Nova Heart steht Pekings Pop-Ikone Helen Feng. Die Ex-MTV-Moderatorin trat am Sonntag in der Berliner Berghain-Kantine auf. Hendrik Schröder fand den Auftritt der einzigen chinesischen Popmusikerin, die als international bekannt gilt, allerdings eher enttäuschend.  

Mit einer Bierflasche in der Hand kommt Helen Feng auf die Bühne und bittet erst mal alle Anwesenden fünf Meter weiter nach vorne zu kommen. Das ist auch dringend nötig, denn mit nur 80 Zuschauern ist die Berghain Kantine eher mäßig gefüllt und wenn alle so verteilt im Raum stehen, sieht das natürlich doof aus. Das Publikum folgt und los geht’s. Doch die folgende knappe Stunde soll ein Beweis dafür werden, dass eine kluge Künstlerin, gute Songs und eine gute Band noch keine Garanten für ein gutes Konzert sind.

Das Berghain in Berlin bei Nacht (Bild: imago/Jakob Hoff)

"Ich hatte bisher nur zwei Bier und viel zu wenig Drogen, glaubt mir, ich bin immer so"

Die Bühne ist nur spärlich beleuchtet, ein bisschen rotes Licht, ein bisschen blau, dazu so viel Trockeneisnebel, dass Helen Fangs Aura von der so viele Presseberichte schwärmen, irgendwo im düsteren Dunst verloren geht. Sie gibt sich alle Mühe den verrückten Vogel zu mimen. Greift sich immer wieder leidend ins Gesicht, schaut mit irrem Blick an die Decke, dreht wie im Rausch den Mikroständer im Kreis, schüttelt berserkerhaft die langen schwarzen Haare.

"Ich hatte bisher nur zwei Bier und viel zu wenig Drogen, glaubt mir, ich bin immer so", sagt sie nach ein paar Songs. Das Publikum lächelt höflich über den Witz. Viele Berliner Chinesen sind da, Nova Heart sind nicht zuletzt berüchtigt dafür, ihre kritischen Texte so zu verschwurbeln, dass sie es an der chinesischen Zensur vorbei schaffen - das macht interessant. Die ersten Reihen schaukeln ordentlich mit, aber eine echte Verbindung zwischen Band und Publikum will nicht passieren.

Zu unmotiviert seltsam kommt die Sängerin rüber, zu aufgesetzt, zu fahrig. Ihre Band aus drei dünnen, schüchternen Hipsterjungs mit coolen Frisuren groovt ordentlich, der Drummer bedient zusätzlich Synthis und Laptops, die Songs sind super, düster, wavig, aber auch laut, rockend. Trotzdem, irgendwas fehlt, das Publikum will ja, findet aber offensichtlich keinen rechten Bezug zu dem was da vorne passiert.

Helen Feng (Nova Heart) © radioeins/Melzer
Helen Feng (Nova Heart) © radioeins

Nova Hearts Debutalbum international gefeiert - Live-Auftritt eher enttäuschend

"Jetzt möchte ich, dass ihr euch alle umdreht und beim nächsten Song mit dem Rücken zu mir steht", sagt sie nach einer Weile und bittet den Lichtmann etwas Licht aufs Publikum zu machen. Niemand dreht sich um, es kommt auch kein Licht aufs Publikum. Entweder hat keiner, inklusive Lichtmann, das rasante Englisch von Helen Feng verstanden oder die Leute haben keinen Bock auf solche Mätzchen.

Vielleicht ist der Sound zu undifferenziert, die Stimme geht bei den lauten Passagen manchmal regelrecht unter, vielleicht ist das Licht zu spärlich und falsch gesetzt. Vielleicht ist es einfach zu sehr Sonntagabend, um sich auf das alles einzulassen. Nach nicht mal einer Stunde ist ohne Zugabe Schluss und die Band setzt sich bestens gelaunt ins Foyer, um Autogramme zu geben. Nova Hearts im Oktober erschienenes Debutalbum ist ein Meisterwerk und wird zu Recht international gefeiert. Den Erwartungen kann die Band aber live zumindest an diesem Abend nicht gerecht werden.   

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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