Der österreichische Dirigent Nikolaus Harnoncourt, gestorben am 5. März 2016 (Quelle: dpa)

Nikolaus Harnoncourt gestorben - Die Musik als Verbindung zum Göttlichen

Der österreichische Dirigent Nikolaus Harnoncourt ist tot. Nach Angaben seiner Familie starb der in Berlin geborene Künstler bereits am Samstag im Alter von 86 Jahren. Harnoncourt gilt als einer der großen Musiker der Nachkriegszeit. Der Dirigent, der ohne Taktstock arbeitete, leitete auch die Berliner Philharmoniker.

Der österreichische Dirigent Nikolaus Harnoncourt ist am Samstag im Alter von 86 Jahren gestorben. Das gab die Familie des weltbekannten Musikers am Sonntag bekannt. Harnoncourt hatte sich erst vor wenigen Monaten aus dem Konzertleben zurückgezogen. Der Cellist war einer der Pioniere der historischen Aufführungspraxis für Alte Musik.

In Berlin geboren, in Graz aufgewachsen

Als Gastdirigent zahlreicher Spitzenensembles zählte Harnoncourt zu den weltweit angesehensten Orchesterleitern. So dirigierte er wiederholt das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker und arbeitete auch mit den Berliner Philharmonikern.

Der gebürtige Berliner kam aus einem katholischen Elternhaus und wuchs in Graz auf. "Wir Musiker", sagte er einmal, "haben eine machtvolle, ja heilige Sprache zu verwalten. Wir müssen alles tun, dass sie nicht verloren geht im Sog der materialistischen Entwicklung." So nannte Harnancourt die Musik auch "die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet". Der Spross eines luxemburgisch-lothringischen Adelsgeschlechtes studierte Cello in Wien und wurde 1952 bei den dortigen Symphonikern aufgenommen. Kurz darauf gründete er mit seiner Frau und Orchesterkollegen den Concentus Musicus Wien.

Auf der Spur des ursprünglichen Klangs

Das Ensemble verschrieb sich einer Aufführungspraxis, die auf Originalinstrumenten dem ursprünglichen Klang von Renaissance- und Barockmusik so nahe wie möglich kommen wollte. Mit diesem Ansatz gelangen Harnoncourt herausragende Interpretationen bei Plattenaufnahmen und Konzerten auf der ganzen Welt.

Einen Zentralpunkt bildet dabei das komplette Kantatenwerk Bachs, das gemeinsam mit Gustav Leonhardt im Rahmen eines fast 20 Jahre dauernden Projektes aufgenommen wurde. 1972 begann Harnoncourt auch zu dirigieren. 1975 startete die langjährige Zusammenarbeit mit dem Concertgebouw Orchester in Amsterdam. 1983 debütierte er am Dirigentenpult der Wiener Symphoniker, 1984 bei den Wiener Philharmonikern, 1987 an der Wiener Staatsoper und 1992 bei den Salzburger Festspielen.

Seit den 90er Jahren trat Harnoncourt regelmäßig auch als Gastdirigent der Berliner Philharmoniker auf. Zwei dieser Konzerte sind in der "Digital Concert Hall" der Philharmoniker als Audiostream verfügbar (kostenpflichtig).

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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