Buch-Release-Party im Kreuzberger Club - Das SO36 feiert Klassentreffen

37 Jahre gibt es den legendären Kreuzberger Club SO36 schon. Höchste Zeit, ein dickes Buch mit Konzert-Fotos, Erinnerungen und Interviews über den berühmten Alternativ-Laden herauszubringen. Am Montagabend feierte das SO36 Buch-Release-Party - mit vielen Kreuzberger Weggefährten. Von Magdalena Bienert

Die Toten Hosen spielen hier im März '83 ihr zweites Konzert überhaupt - im SO36. Auch DAF, Bauhaus, Dead Kennedys, Fehlfarben und Einstürzende Neubauten sind die Bands der ersten Jahre eines Ladens, der am Ostermontag - nach fast 40 Jahren - zum Klassentreffen einlädt.

Die Leute sitzen, typisch für diesen Ort, oft draußen, verteilen sich rund ums Scherengitter auf den Treppen und auf dem schmalen Bürgersteig der Oranienstraße nach rechts und links. Ein Grund mehr für die vielen Anwohner-Beschwerden, die es schon seit den 80ern gibt - als der Laden selbst noch eine Ruine und Gentrifizierung noch ein Fremdwort war. Und wenn wieder ein teurer Lärmschutz hermusste, sprangen treue Musiker-Fans ein. "Fürs Esso war das genial, weil Die Ärzte da den Laden mal wieder mit sehr viel Geld vor der Pleite gerettet haben. Sie haben damals öfter 'Eine Stunde mit Die Ärzte – Drei Konzerte an einem Abend' gegeben: Eine Stunde gespielt, dann wurden alle rausgeschmissen und mussten neu Eintritt zahlen", so Nanette Fleig.

SO 36 legendärer Auftrittsort vieler Bands in der Kreuzberger Oranienstraße, rbb/Thomas Zimolong
Das SO36 in der Kreuzberger O-Straße

Interviews, Artikel und Bilder aus jeder Epoche

Fleig gehört seit acht Jahren zum Team des "Esso" und hat auch am Buch mitgearbeitet. Herausgekommen ist ein knapp 500 Seiten starkes Coffeetable-Buch namens "SO36 – von 1978 bis heute". Ein herrlich schwerer Band mit Erinnerungen, Interviews und vor allem mit unzähligen Fotos von unzähligen Konzerten.

Über zwei Jahre hat sich die Redaktion durch Bild-Archive gewühlt und Förder-Anträge gestellt. Das mit den Fotos hat besser geklappt, als das mit den öffentlichen Förderungen - das Buch konnte nur durch Crowdfunding entstehen. Robin Jahnke ist einer der Autoren. "Wir haben versucht, vier Hauptepochen auszumachen. Es gibt die Anfangszeit der Siebzigerjahre, mit den Künstlern und den Punks und dann gibt es diese harte politische Phase in den Achtzigerjahren. Und dann die Neunzigerjahre, die sich hauptsächlich mit der Queer-Szene und den Hardcore-Leuten beschäftigen. Wir haben es eigentlich ganz gut geschafft, aus jeder Epoche Interviews, Artikel und Bilder zu finden."

Das SO36 ist sich immer treu geblieben

Viele Wegbegleiter kommen bei der Buch Release-Party am Montagabend zur Wort. Ehemalige Macher oder Betreiber, wie der türkische Sozialarbeiter, der in der O-Straße 191 eine Begegnungsstätte für Deutsche und Türken schaffen wollte.

Es ist ein bisschen ermüdend allen en block zuzuhören, aber eigentlich geht es eher um den Anlass und das Zusammentreffen der alten, linken Kreuzberger Szene, den inzwischen artig angezogenen Punks, dem bunten Nachwuchs, den neuen Kreativen und der queeren Feiermeute. Denn auch nach fast 40 Jahren mit Höhen und Tiefen und sogar fast dreijähriger Schließung ist sich das SO36 mit seiner Politik treu geblieben: Es ist ein geschützter Ort. Für alle.

Beitrag von Magdalena Bienert

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