Szenenbild "Der Vampyr" in der Komischen Oper (Quelle: imago/DRAMA-Berlin.de)

Frühkritik | "Der Vampyr" in der Komischen Oper - Man muss nicht alles wiederbeleben

Der Mythos vom Vampir als untoten Blutsauger schreckt und fasziniert die Menschheit seit Jahrhunderten. Unzählige Male trieb er als Graf Dracula oder Nosferatu auf der Leinwand sein Unwesen. Am Sonntag suchte er die Komische Oper heim. Heinrich Marschners selten gespielte Oper "Der Vampyr" feierte Premiere. Von Barbara Wiegand

Düster dräut und grummelt es zur Ouvertüre aus dem Orchestergraben, mit Pauken und Trompeten, vibrierenden Violinen-Seiten. Die Bühne ist nachtschwarz und verlassen, im Hintergrund erkennt man die Silhouette eines aufgerichteten Sarges. Dann Auftritt: Der Vampyr.

Statt im schwarzen Mantel mit bloßem Oberkörper und unvorteilhaft figurbetonter Hose bekleidet, wirft er Spinnen ins Publikum und greift sich dann eine junge Frau aus der ersten Reihe. Er zerrt sie auf die Bühne, beißt ihr in den Hals und holt neben Blut auch noch allerlei Gedärm aus ihr heraus, was er triefend rot dem Publikum präsentiert.

Parodistisches Splatterspektakel

Regisseur Antu Romero Nunes macht aus Marschners romantischer Schaueroper um einen Vampir, der - um sich noch ein wenig mehr Überlebenszeit zu erkaufen - drei Frauen zum Opfer machen muss, ein parodistisches Splatterspektakel. Besser gesagt, er versucht es. Denn das Ganze geht nicht auf. Zum einen, weil er vor keinem Gag und Effekt zurückschreckt, aber dabei - statt dann konsequent zu sein und richtig zu überdrehen  - über schlicht alberne Plattitüden und allzu plumpe Zitate selten hinaus kommt. Zum anderen passt Nunes Idee vom Stück schlicht nicht zu diesem Stück, nicht zur Musik.

Heinrich Marschners Anfang des 19. Jahrhunderts mitten in die damals herrschende Vampirmode hineingeschriebene Oper ist mit ihren volkstümlichen Anklängen einerseits zu bieder, mit ihren an Karl Maria von Webers Freischütz anklingenden düsteren Zwischentönen andererseits zu abgründig. Abgründe, die das Orchester der Komischen Oper unter dem Dirigat des Niederländers Antony Hermus durchaus anklingen lässt - allerdings geben die Musiker dabei manchmal dermaßen undifferenziert Vollgas, dass die Sänger schon mal Mühe haben mitzuhalten - oder zu dick auftragen.

Kein neuer Clou

Heiko Trinsinger in der Titelpartie mit seinem wohltönenden Bariton überzeugt da noch am meisten. Nichole Chevalier, die fast sein Opfer wird, klingt anfangs etwas schrill, Zoltan Nyari als ihr geliebter Edgar findet keinen richtigen Bogen und darum nicht immer die richtige Betonung, so dass man den gespreizten Schwulst des Librettos noch deutlicher hört.

Von drei auf anderthalb Stunden haben Antu Romero Nunes und Ulrich Lenz diesen Vampyr gekürzt, was die Sache auch nicht rettet. Und wenn am Ende - welch ein noch nie da gewesener Clou - die guten schon lange auch Vampire geworden sind, dann ist eines klar: auch oder gerade weil diese Oper "Der Vampyr" heißt - man muss nicht alles wiederbeleben!

Beitrag von Barbara Wiegand

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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