Jonas Kaufmann am 03.08.2014 beim Peralada Castell Festival in Spanien (Quelle: dpa)
Audio: Inforadio | 22.03.2016 | Jens Lehmann

Frühkritik | Jonas Kaufmann mit der Staatskapelle - Das öde Defilee eines Weltstars

Die Festtage der Staatsoper Berlin sind in vollem Gange: Am Montag war der zweite Konzertabend - und der erste für den Gastgeber, die Staatskapelle Berlin. Zu diesem Anlass hatte man sich einen absoluten Weltstar eingeladen: den Tenor Jonas Kaufmann. Doch die Traumkombination Barenboim-Kaufmann versagte. Von Jens Lehmann

Kaufmania. Die Philharmonie ist randvoll mit Fans des smarten Opernstars. Dabei ist Jonas Kaufmann an diesem Abend in eher ungewohnter Rolle zu erleben. Keine Heldentenor-Arien, sondern die Seelenmusik eines Gustav Mahler. "Die Lieder eines fahrenden Gesellen" sind so etwas wie Mahlers eigene Winterreise, ein hochemotionaler Zyklus - wenn er denn gut musiziert ist.

Doch das ist er nicht. Die Traumkombination Barenboim-Kaufmann versagt - oder sagen wir es freundlicher: Die Probenzeit hat wohl nicht ausgereicht. Kein Wunder, bei dem vollen Termin-Kalender der beiden Protagonisten. So gehen beide kein Risiko ein, wählen zu langsame Tempi, kommen oft nicht von der Stelle oder musizieren hörbar nebeneinander her.

Dabei lässt die Staatskappelle Kaufmann viel Raum - doch der nutzt ihn nicht, färbt die tiefen Lagen dunkel ein, schnellt in die hohen Lagen hell hinein, gibt jedem Lied einen neuen Stimmcharakter und verfehlt so die herzzerreißende Wirkung dieses Zyklus um Kilometer. Dennoch Jubel, Trubel, Heiterkeit, Blumen und Geschenktüten für den Star des Abends.

Musikalische Entdeckungsreise nach der Pause

Dabei gebühren diese Geschenke doch einzig der Staatskapelle unter Daniel Barenboim, die nach der Pause Edward Elgars Erste Symphonie zum Ereignis machen. Elgar schrieb sie 1908, 20 Jahre nach Gustav Mahlers Liedern - und doch findet sich all das Sehnen, all der Schmerz auch in dieser Musik. Das Programm macht Sinn - und Barenboim macht sich mal wieder zum leidenschaftlichen Anwalt einer Musik, die in Deutschland noch viel zu wenig zu hören ist. Dabei hat Elgar neben schmachtenden Last-Night-of-the-Proms-Themen so viel mehr zu bieten.

Sei es im sturmgepeitschten Scherzo oder im unfassbar schönen, ersterbenden Adagio: Bei Elgar zeigt die Staatskapelle all das, was sie im Mahler nicht zeigen konnte oder durfte, vor allem die Streicher wachsen über sich hinaus. Und Barenboim macht aus diesem so kitschanfälligen Briten, diesem manischen musikalische-Ideen-im-Überfluss-in-ein-Werk-Stopfer zu einem legitimen Nachfahren der deutschen Spätromantik.

Gäbe es doch mehr von solchen musikalischen Entdeckungsreisen statt des immer gleichen öden Defilees der Klassikstars.

Beitrag von Jens Lehmann

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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