Konzert der Berliner Philharmoniker (Quelle: imago/Hoch Zwei/Angerer)
Audio: Kulturradio | 29.02.2016 | Britta Bürger

Interview | Intendant Martin Hoffmann - Berliner Orchester geben Konzert für Geflüchtete

Es war ein Dankeschön und Willkommen in einer Sprache, die alle verstehen - der Musik. Unter dem Motto "Willkommen in unserer Mitte" luden gleich drei Berliner Orchester Flüchtlinge und Helfer am Dienstag in die Philharmonie ein. Doch es gehe auch um einen kulturpolitischen Auftrag, sagte vorab Martin Hoffmann, der Intendant der Stiftung Berliner Philharmoniker.

rbb: Herr Hoffmann, die Berliner Philharmoniker, das Konzerthausorchester Berlin und die Staatskapelle Berlin werden am Dienstag gemeinsam auftreten. Was erhoffen sich die Orchester von diesem Abend?

Für uns war es wichtig eine Geste der Solidarität und des Willkommens zu zeigen. So entstand der Gedanke, gemeinsam mit den Kollegen vom Konzerthaus und der Staatskapelle ein Konzert zu geben. Drei Orchester an einem Abend - das war in den letzten Wochen auch organisatorisch eine richtige Herausforderung. Aber es war getragen von dem gemeinsamen Geist und der Idee, wirklich etwas tun zu wollen.

Wie war die Resonanz?

Die Resonanz auf die Idee war überwiegend positiv. Als wir die Gäste, also die Flüchtenden und Helfer, eingeladen haben, war es überwältigend mitzukriegen, wie hoch die Zahl all derer ist, die sich engagieren.  Da hat man doch das Gefühl, dass in der öffentlichen Diskussion manches falsch ist, wenn man die Clausnitz-Ereignisse mit etwa 100 Leuten in den Vordergrund stellt und gleichzeitig sieht, wie viele Menschen sich engagieren. Das war für mich eine schöne Erkenntnis.

Wie haben ihre Musiker die Idee aufgenommen?

Viele von ihnen haben sich bereits im Vorfeld engagiert, sind eigeninitiativ geworden und mit ihren Instrumenten in die Flüchtlingsheime gegangen. Wir haben die Initiative ergänzt durch unser Projekt "Vokalhelden", wo wir Flüchtlinge einladen, bei uns im Chor mitzusingen. Das ist wirklich auch eine wunderbare Erfahrung: Denn über Musik und über das gemeinsame Singen, das keine sprachlichen Barrieren hat, gibt es ganz wunderbare Formen des Miteinanders, des Austausches und auch der Neugier aufeinander. Diese Initiative wollen wir auch fortsetzen.

Es gab bei herausragenden Ereignissen schon öfter kostenlose Sonderkonzerte. Ist das für Ihr Orchester auch ein solcher historischer Moment?

Es ist natürlich für uns alle eine Herausforderung und eine Situation, die wir nicht erwartet haben. Da ist jeder von uns aufgerufen, das zu tun, was er tun kann, zu helfen, wo er kann.  Es ist das zweite Mal, dass drei Orchester gemeinsam auf der Bühne sind, das erste Mal war unmittelbar nach 9/11 in Amerika.

Wie versteht Ihr Orchester seinen gesellschaftlichen Auftrag?

Wir sind in erster Linie ein exzellentes Orchester, viele - auch ich - sagen, es ist das beste Orchester der Welt. Aber natürlich hat man darüber hinaus im eigenen Selbstverständnis einen kulturpolitischen Auftrag in diesem Land und in dieser Stadt. Wir haben das vielfältig gezeigt, beispielsweise mit unserer Tournee anlässlich des 25. Jahrestags des Mauerfalls nach Warschau, Prag, Budapest und Halle. Es gibt immer wieder politische und kulturpolitische Ereignisse, die wir begleiten, beispielsweise 50 Jahre Deutsch-Israelische-Beziehungen oder 70 Jahre Befreiung von Auschwitz. Das sind auch Akzente, die wir im kulturpolitischen Umfeld setzen wollen.

Das Interview ist ein Auszug aus einem Gespräch, das Britta Bürger, Kulturradio, mit Peter Hoffmann führte. Das vollständige Interview ist im Header des Artikels als Audio hinterlegt.

Infos im Netz

Di, 01. März 2016 18 Uhr - "Willkommen in unserer Mitte"

Sonderkonzert für Flüchtlinge und Helfende

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