Volker Koepp; Foto: Gregor Baron
Audio: Kulturradio | 03.03.2016 | Shelly Kupferberg

Interview | Volker Koepp zu seinem neuen Uckermark-Film "Landstück" - "Da wird eine Landschaft plötzlich schlecht behandelt"

Die Uckermark ist eine Gegend, die Volker Koepp berührt. Kein Wunder, lebt er doch seit zwanzig Jahren selbst dort. Sein neuer Film "Landstück" zeigt lange ruhige Naturbilder, und Menschen, die der Filmemacher empfehlen möchte - ganz unbeabsichtigt wurde der Film auch politisch, denn die Landschaft der Uckermark ist bedroht.

Der Filmemacher Volker Koepp hat sich mit seinen zahlreichen preisgekrönten Filmen einen ganz eigenen Stil erarbeitet. Sein neuer Dokumentarfilm heißt "Landstück" und hatte auf der Berlinale Premiere. Es geht um einen Landstrich, mit dem er sich filmisch schon anderweitig auseinandergesetzt hat: die Uckermark. Und es geht um das, was die Schönheit dieser Landschaft bedroht. Ab dem 3. März ist der Film in Berlin den Kinos zu sehen, ab 21. März in Templin.

Herr Koepp, Sie selbst leben in der Uckermark. Ihr neuer Film ist eine Liebeserklärung an diesen dünn besiedelten Landstrich im Nordosten. Was lieben Sie an dieser Landschaft?

Volker Koepp: Was mich verbindet, reicht weit zurück. Ich habe seit meiner Kindheit die Erinnerung an diese Landschaft, an diese Endmoränen, an diese Hügel, die manchmal richtige Berge werden können. Das merkt man, wenn man mit dem Fahrrad fährt. Von daher war mir die Uckermark immer sehr nah. Dann war ich eine Zeit lang woanders und als ich dann vor zwanzig Jahren wieder kam, dachte ich, dass es schön wäre dort mehr Zeit zu verbringen. Seitdem bin ich da. Ich habe dann, ich glaube vor fünfzehn Jahren, mit "Uckermark" das erste Mal einen Film gemacht in der Gegend. Ich lebe allerdings nicht nur dort, sondern bin zur Hälfte meiner Zeit auch in Berlin. Das lässt sich auch nicht anders einrichten, wenn man Filme macht.

"Landschaftsbild ist auch Weltbild" ist ein Zitat aus ihrem neuen Film – was heißt das für Sie genau?

Als ich einmal mit Einar Schleef in den 70er Jahren durch die Uckermark wanderte und wir an das dritte zusammengefallene Gutshaus kamen, sagte er: "Es wäre doch schön, wenn die Gutsbesitzer noch da wären. Dann stünden die Häuser noch." Aber wir erinnerten uns beim Weiterlaufen an einem See, dass man nach Fontane ja in jedem märkischen Tümpel die ganze Welt sehen kann. Das war dann immer auch so: Ich habe ja schon vor dem Uckermark-Film eine ganze Reihe Filme im nördlichen Brandenburg und immer gemerkt, dass da mehr ist. Auch wenn man in den kleinen Dörfern unterwegs ist … 

…bildet sich immer die Weltgeschichte ab. Es sind ja immer die Landschaften und die Menschen, die Sie interessieren. Sie zeigen auch hier in ruhigen langen Einstellungen wunderbare Bilder der Uckermark. Es geht um das Bewahrenswerte, aber auch um das Bedrohte. Denn in der Uckermark wird durch Großinvestoren und konventionelle Landwirtschaft viel zerstört. Ist "Landstück" auch ein politischer Film?

Mein Ansatz war so, wie ich es immer mache. Ich zeige Menschen, die ich kenne und in irgendeiner Form gern habe. Ich möchte sie gewissermaßen anderen empfehlen. Ich habe erst einmal nicht daran gedacht, dass es ein politischer Film sein könnte. Aber – und das war beim ersten Uckermark-Film noch nicht so – in den letzten zehn, fünfzehn Jahren hat der Aufkauf von großen Landflächen große Ausmaße angenommen. Man kennt es ja international als "Landgrabbing". Das hat viele Ebenen. Das Land ist ja Grundlage für die Ernährung der Menschheit und dieses nicht vermehrbare Gut wird jetzt meistbietend verkauft wird und es wird ohne Rücksicht auf Verluste produziert. Da wird also eine Landschaft, die über Jahrtausende landwirtschaftlich genutzt wurde, plötzlich schlecht behandelt. 

In einer Kritik heißt es, 'Koepps Mikrophone sind immer offen für die Geräusche des Windes, der Bäume, der Vögel und Insekten. So genau hat der Kinozuschauer nicht mehr hingehört, seit er Kind war'. Wollen Sie mit Ihren Filmen auch die eigene Kindheit wieder auferstehen lassen?

Nun, wenn man dort wohnt und die Jahreszeiten mitbekommt und darauf wartet, dass die Schwalben kommen und man den Wind hört – der immer anders ist, merkt man, dass all das zum Leben dort und zur Landschaft dazu gehört. Ich finde das schön. Ich weiß nicht, ob ich jedes Mal an die Kindheit denke. Aber ich habe daran gedacht, als wir jetzt gedreht haben. Daran dass das, was Natur und Landschaft ausmacht, wichtig ist für das menschliche Leben.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Shelly Kupferberg, Kulturradio

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

Studio Frankfurt

Vom Landkreis Oder-Spree bis zur Uckermark: Das rbb-Regionalstudio Frankfurt (Oder) mit Nachrichten, Reportagen und Hintergründen aus der Region.  

Das könnte Sie auch interessieren