Nicola Galliner bei der Eröffnungsgala vom 20. Jüdischen Filmfestival Berlin & Potsdam im Hans Otto Theater. Potsdam, 30.03.2014 (Quelle: imago/Future Image)

Hauptstadtkulturfonds zahlt schon in diesem Jahr nicht mehr - Jüdisches Filmfestival verliert die Hälfte seiner Fördermittel

375.000 Euro soll das Jüdische Filmfestival Berlin und Brandenburg bis 2018 kosten. Die Hälfte davon hatte sich die Veranstalter vom Hauptstadtkulturfonds erhofft. Der hatte 20 Jahre lang stets gefördert - doch nun strich er die Förderung komplett. Leiterin Galliner versteht die Welt nicht mehr. Sie bangt um die Zukunft ihres Festvals. Von Alexander Soyez

Zur Film- und Kinokultur Berlins gehören natürlich auch die vielen Festivals, die in der Stadt stattfinden. Eines der erfolgreichsten ist das Jüdische Filmfestival, das in den mehr als zwei Jahrzehnten seit seiner Gründung zur Institution geworden ist.

In diesem Jahr aber bekommt es keine Förderung mehr aus dem Hauptstadtkulturfonds, wie das Festival kürzlich bekannt gab. Die Entscheidung darüber fiel schon im Januar - und alle Versuche, doch noch etwas daran zu ändern, scheiterten.

"Das war schon ein großes Schock"

Für das Filmfest bricht damit ungefähr die Hälfte des Etats weg. Die Kulturverwaltung des Landes Berlin, bei der der Hauptstadtkulturfonds angesiedelt ist, bestätigte die Streichung der Mittel. Es gebe keine Dauerförderung, sondern die eingereichten Anträge werden von einer Jury stets neu geprüft. Der Antrag des Jüdischen Filmfestivals für die Jahre 2016 bis 2018 über jährlich 160.000 Euro (bei Gesamtkosten von jährlich 353.700 Euro) wurde von der Jury nicht zur Förderung empfohlen.  

Das größte Problem dabei ist aus der Sicht von Festival-Leiterin Nicola Galliner, dass diese Fördergelder entscheidend und natürlich auch eingeplant waren. "Der Hauptstadtkulturfonds war mit mehr als 50 Prozent der Hauptförderer", sagt sie. Zu keiner Zeit vor oder nach der Antragstellung im Sommer vergangenen Jahres habe sie einen Hinweis darauf erhalten, dass er nicht positiv beschieden werden könnte. Ungefähr im Winter 2014 hätte ein Mitarbeiter der Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) noch Wohlwollen signalisiert, wie immer bisher. "Wir bekommen schon immer Geld vom Hauptstadkulturfonds, mal ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger – und dann heißt es auf einmal: Nein, nichts mehr." Eine Kürzung hätte sie ja noch verstehen können, sagt Galliner, "aber dass man gleich die ganze Summe wegnimmt, war schon ein großer Schock."

"Wir wollen nicht als Rumpffestival eröffnen"

Auch die Suche nach anderen Lösungen oder überhaupt nach einem Gespräch darüber blieb einigermaßen erfolglos. Eine Finanzierung aus der Fondsreserve war beispielsweise auch nicht möglich - weil sie erschöpft sei, heißt es in der offiziellen Erklärung des Hauptstadtkulturfonds. Galliner sagt, sie habe sich gleich nach dem Bescheid an Grütters gewandt. "Wir wollten mit ihr darüber sprechen, ob es vielleicht andere Möglichkeiten gibt." Doch nach dreieinhalb Wochen sei eine Antwort gekommen, in der auf ihre Vorschläge mit keinem Wort eingegangen worden sei. "Darin stand eine Bemerkung, dass wir sicher auch mit den Mitteln, die wir noch haben, gut zurechtkommen."

Am Ausblieben der Unterstützung vom Haupstadtkulturfonds scheint nichts mehr zu rütteln. Die anderen Unterstützer dagegen bleiben glücklicherweise treu. "Der Berliner Senat unterstützt das Festival wunderbar, durch die Lottostiftung", sagt Galliner. Er habe ihnen im Dezember 2015 eine dreijährige Förderung zugesichert. "Diesen Beitrag von Berlin finde ich sehr schön und ganz wichtig." Auch die Partner in Brandenburg seien sehr hilfsbereit, sagt sie, ebenso das Medienboard Berlin-Brandenburg – nur der Hauptförderer eben nicht mehr. "Dass der einfach wegbricht, ist sehr hart." Das Festival werde zwar am 4. Juni eröffnet werden – doch sie wolle es "nicht als ein Rumpffestival eröffnen, sondern weiterhin in der gehabten Größe."

Beitrag von Alexander Soyez

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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