David E. Scherman: Lee Miller in Hitlers Badewanne, München, Deutschland, 1945 (Quelle: Lee Miller Archives, England 2016)
David E. Scherman: Lee Miller in Hitlers Badewanne, München, Deutschland, 1945 (Quelle: Lee Miller Archives, England 2016)

Lee Miller im Gropius Bau - Die in Hitlers Badewanne planschte

Lee Miller war Top-Model, Künstlermuse, Kriegsreporterin, Meisterfotografin und sie ließ sich in der Badewanne von Adolf Hitler fotografieren. Jetzt widmet der Berliner Martin Gropius Bau der 1977 verstorbenen US-Amerikanerin eine Ausstellung. Sie zeigt ein schillerndes und außergewöhnliches Leben. Von Barbara Wiegand

"Lee Miller hat eine faszinierende Biografie, die von massiven Brüchen durchzogen ist. Sie wurde von Man Ray fotografiert und von Picasso gemalt. Sie war mit surrealistischen Künstlern befreundet - das sind sehr faszinierende Aspekte. Das Problem ist aber, dass die Biografie ihr fantastisches Werk immer verdeckt," sagt Walter Moser. Er ist der Kurator der Miller-Schau, die seit Freitag im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen ist.

So blickt man in der Ausstellung vor allem auf das Werk der Meisterfotografin, aber auch auf das Leben der Frau hinter und vor der Kamera. Es fängt an mit den Fotos, die Man Ray - ihr Lehrer und Lebensgefährte - von ihr machte. Es folgen erste eigene, experimentelle Aufnahmen; Standbilder aus einem Cocteau-Film, in dem sie als lebendig gewordene Skulptur auftrat, makellos und doch auch zerbrechlich. "Sie sagte immer: Ich sah aus wie ein Engel, aber innerlich war ich ein Teufel. Und sie sah aus wie ein Engel. Aber hinter dem perfekten Äußeren gab es viele Probleme, viele Selbstzweifel", sagt ihr Sohn Antony Penrose.

Lee Miller: Befreite Gefangene auf ihren Schlafpritschen, Dachau, Deutschland, 1945 (Quelle: Lee Miller Archives, England 2016)
Lee Miller: Befreite Gefangene auf ihren Schlafpritschen, Dachau, Deutschland, 1945 (Quelle: Lee Miller Archives, England 2016)

Erst nach ihrem Tod 1977 erfuhr Antony Penrose, dass seine Mutter als siebenjähriges Mädchen von einem nahen Verwandten vergewaltigt wurde. So wuchs Penrose bei einer Mutter auf, die unumwunden zugab, Kinder gar nicht leiden zu können - und ihn doch beschützte wie eine Löwin. Bei einer Frau, die für führende Magazine Mode, aber auch den Krieg fotografierte: die Ruinen von London, Deutschland zur Stunde Null. "Wir zeigen zum Beispiel ein Bild, das im Zusammenhang mit dem befreiten Konzentrationslager Dachau entstanden ist", sagt Kurator Walter Moser. "Miller fotografiert eine Aufnahme, bei der sie sich auf die Beine eines ehemaligen Gefangenen konzentriert. Die fotografierte Person präsentiert mit spielerischer Pose die selbstgefertigten Schuhe. Der Blick Lee Millers ist hier der Blick einer Surrealistin oder einer Modefotografin - und eben nicht einer Kriegsfotografin."

Spannender Einblick ins Archiv der Fotografin

Voll provokanter, schockierender Ironie ist auch ihr berühmt gewordenes Bad in Hitlers Badewanne, bei dem sich die US-Kriegsreporterin 1945 in seiner Privatwohnung in München ablichten ließ. Im Martin Gropius Bau zeigt man nicht nur jenen berühmt gewordenen Abzug, sondern den ganzen Kontaktbogen.

So gewährt die Schau einen spannenden Einblick ins Archiv der Fotografin, das der Sohn im englischen Sussex betreut. Hierhin - in das Cosy Cottage - hatte sich seine Mutter zurückgezogen im vergeblichen Versuch, die Schrecken des Krieges, den sie fotografiert hatte, zu vergessen. Es sind die Schattenseiten eines schillernden, außergewöhnlichen Lebens, die Lee Miller immer wieder unter die Oberfläche blicken ließen mit ihrer Kamera. "Wenn wir etwa ihre Kriegsfotografien betrachten, dann sehen wir Dinge, die andere Kriegsfotografen nicht sahen", sagt Anthony Penrose. "Diese Aufnahmen sind mehr als nur Dokumente, sie sind sehr teilnahmsvoll und damit tief beeindruckend."

Lee Miller: „Fashion for factories“, Vogue UK, London, England, Juni 1941 (Quelle: Lee Miller Archives, England 2016)
Lee Miller: „Fashion for factories“, Vogue UK, London, England, Juni 1941 (Quelle: Lee Miller Archives, England 2016)

Beitrag von Barbara Wiegand, Inforadio

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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