Der Schriftsteller Guntram Vesper wird am 17.03.2016 auf der Buchmesse in Leipzig (Sachsen) für seinen Roman "Frohburg" in der Kategorie Belletristik mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2016 ausgezeichnet.

Preis der Leipziger Buchmesse für Guntram Vespers "Frohburg" - Sachsen-Epos schlägt Berlin-Brandenburger Wolfsroman

Berlin und Brandenburg haben in der Kategorie Belletristik das Nachsehen beim Preis der Leipziger Buchmesse: Nicht Roland Schimmelpfennigs Roman über einen Wolf, der von Polen nach Berlin läuft, kann sich durchsetzen, sondern ein 1.000-Seiten-Epos aus Sachsen: Guntram Vespers "Frohburg". Der Preis für die beste Übersetzung dagegen geht nach Berlin.

Der Schriftsteller Guntram Vesper ist mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet worden. Er erhielt die Auszeichnung am Donnerstag in der Kategorie Belletristik für seinen Roman "Frohburg". In dem mehr als 1.000 Seiten starken Roman beschäftigt Vesper sich mit dem Ort seiner Geburt: Frohburg, einer Kleinstadt südlich von Leipzig, wo er Kindheit und Jugend verbrachte, ehe die Familie 1957 in die Bundesrepublik floh.

"Guntram Vespers Roman 'Frohburg' gehört zu den Büchern, bei denen man leicht, ganz schnell, auf die großen Begriffe kommt. Opus magnum. Mammutwerk", heißt es in der Begründung der Jury. Vesper breite "eine umfangreiche Geschichtslandschaft vor uns aus, die von der Gegenwart aus die alte Bundesrepublik, die DDR natürlich, die Nazizeit umfasst und weit in die Geschichte Deutschlands zurückbindet, bis dahin, wohin nur noch die Geschichtsbücher reichen".

Vesper lebt als freier Autor in Göttingen. Er verfasste Gedichte, Erzählungen und Hörspiele und wurde schon vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Peter-Huchel-Preis.

Kein Preis für Berlin-Brandenburger Wolfsroman

Berlin und Brandenburg gingen damit in der prominentesten Kategorie leer aus. Nominiert war auch ein Roman, der in Berlin und Brandenburg spielt. In "An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts" verfolgt Roland Schimmelpfennig die Spuren eines Wolfes, der bei Frankfurt (Oder) die deutsch-polnische Grenze überschreitet und dann durch Brandenburg zieht. Er heftet sich dabei nicht an die Fersen des Wolfes, sondern verschränkt die Geschichten einzelner Menschen, die dem Wolf begegnen, ihn suchen - oder selbst auf dem Weg nach Berlin sind.

Schimmelpfennig ist einer der meistgespielten Dramatiker der Gegenwart, zur Zeit sind etwa "Das schwarze Wasser" am Hans Otto Theater in Potsdam und "Wintersonnenwende" am Deutschen Theater in Berlin zu sehen. "An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts" ist das Romandebüt des gebürtigen Göttingers.

Lyrikband von Marion Poschmann war ebenfalls nominiert

Als einzige Frau n der Kategorie Belletristik war Marion Poschmann mit ihrem Gedichtband "Geliehene Landschaften" nominiert. Sie wurde 1969 in Essen geboren, studierte Germanistik und Slawistik und lebt als Autorin in Berlin. Sie wurde bereits vielfach ausgezeichnet - für ihre Lyrik zuletzt mit dem Peter-Huchel-Preis und dem Ernst-Meister-Preis 2011.

Der als Comedian bekannte Heinz Strunk  war mit "Der goldene Handschuh" im Rennen, der Theater-Autor Nis-Momme Stockmann mit "Der Fuchs".

Im vergangenen Jahr war erstmals in der Geschichte des Preises ein Lyrikband ausgezeichnet worden: Überraschend gewann Jan Wagners "Regentonnenvariationen".

Schellnhuber verliert gegen Goldstein

Der prominenteste Autor aus der Region war in der Kategorie Sachbuch nominiert: Der Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber steht mit "Selbstverbrennung - Die fatale Dreiecksbeziehung zwischen Klima, Mensch und Kohlenstoff" auf der Shortlist. Erst kürzlich hatte sich Schellnhuber auf rbb online auch zum Braunkohle-Tagebau in der Lausitz geäußert.

Schellnhuber hatte in Leipzig allerdings das Nachsehen gegenüber Jürgen Goldstein. Der Philosophie-Professor der Universität Koblenz-Landau wurde für sein Buch über Georg Forster prämiert. Der Autor schildere "anschaulich und unaufgeregt" das Leben des "Entdeckungsreisenden, empfindsamen Naturbetrachters und entschiedenen Revolutionärs", heißt es in der Begründung der Jury. Das Buch lese sich "wie der Abenteuerroman eines Lebens, voller Erkenntnisse, die bis heute gültig sind".

Ebenfalls nominiert für das beste Sachbuch war Werner Busch für seine Maler-Biografie "Adolph Menzel. Auf der Suche nach der Wirklichkeit". Busch, geboren 1944 in Prag, war bis 2010 Professor für Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin. Er ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen, vor allem zur niederländischen Kunst des 16. und 17. und zur englischen und deutschen Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts.

Beste Übersetzung kommt aus Berlin

In der Kategorie Übersetzung dagegen ging der Preis nach Berlin: Der Preis ging an die in Berlin lebende Brigitte Döbert, die "Die Tutoren"  von Bora Ćosić aus dem Serbischen übersetzte.  "Es ist ein Buch, das fünf Generationen, 150 Jahre und eine unglaubliche Menge von Personal umfasst", schreibt die Jury über den Roman, der als "unübersetzbar" gegolten habe. Brigitte Döbert habe "viel Zeit und Herzblut in dieses Projekt gesteckt, sie hat recherchiert, wie es so flächendeckend erst heute, im Zeitalter des Internets, geht, um noch den obskursten Anspielungen nachzuspüren, und für jede Nuance den eigenen Ton gefunden. Außer von der Pflicht zur Genauigkeit hat sie sich auch von jener Kühnheit leiten lassen, die man braucht, wenn man dem weit entfernten Fremden in der neuen Sprache eine Heimat schaffen will."

Der Preis der Leipziger Buchmesse wird seit 2004 in den drei Kategorien Belletristik, Sachbuch und Essayistik sowie Übersetzung vergeben. Er ist mit insgesamt 60.000 Euro dotiert. In diesem Jahr hatten sich 113 Verlage mit 401 Werken beworben.

Preise der Leipziger Buchmesse

Die Jury hat in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung jeweils fünf Autoren beziehungsweise Übersetzer für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Insgesamt hatten sich 113 Verlage mit 401 Werken für den Preis beworben.

 

  • Belletristik

  • Sachbuch/Essayistik

  • Übersetzungen

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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