Die Autorin und Schriftstellerin Sibylle Berg. (Quelle: imago/Sven Simon)

Sibylle Berg und Yael Ronen können auf Auszeichnung hoffen - Zwei Gorki-Stücke für Mülheimer Dramatikerpreis nominiert

Für das Berliner Maxim Gorki Theater läuft es gerade wie geschmiert. Erst gab es eine Einladung zum Theatertreffen, dann den Berliner Theaterpreis - und nun könnte auch noch der Mülheimer Dramatikerpreis folgen: Gleich zwei am Gorki uraufgeführte Stücke sind nominiert - doch die Konkurrenz ist nicht gerade schwach.

Zwei am Berliner Maxim Gorki Theater uraufgeführte Stücke sind für den diesjährigen Mülheimer Dramatikerpreis nominiert. Wie die Jury am Dienstag bekannt gab, können Sibylle Berg ("Und dann kam Mirna") sowie Yael Ronen und Ensemble ("The Situation") auf die Auszeichnung hoffen.

Insgesamt wurden sieben Stücke für den renommierten Preis nominiert, neben den zwei Stücken von Gorki "Drei sind wir" von Wolfram Höll (Schauspiel Leipzig), "Buch 5 (ingredientes de la vida)" von Fritz Kater (Schauspiel Stuttgart / Münchner Kammerspiele), "Bilder von uns" von Thomas Melle (Theater Bonn), "dosenfleisch" von Ferdinand Schmalz (Deutsches Theater Berlin / Burgtheater Wien) und "Zweite allgemeine Verunsicherung" von Felicia Zeller (Schauspiel Frankfurt).

"Und dann kam Mirna" und "The Situation"

In Sibylle Bergs "Und dann kam Mirna" treten fünf Frauen und ihre Töchter auf und machen in einem (gedoppelten oder verfünffachten) Monolog eine komisch-brutale Bestandsaufnahme ihres bisherigen beruflichen und privaten Lebens. Das Stück ist eine Art Fortsetzung von Bergs Stück "Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen", das ebenfalls am Maxim Gorki Theater uraufgeführt wurde und von der Fachzeitschrift "Theater heute" als Stück des Jahres 2014 ausgezeichnet wurde.



Das zweite nominierte Stück des Maxim Gorki Theaters hat Hausregisseurin Yael Ronen zusammen mit ihrem Ensemble entwickelt: In "The Situation" arbeiten die Darstellerinnen und Darsteller auf sehr persönliche Art und Weise den Nahost-Konflikt auf. Den Rahmen bildet ein Deutschkurs für Ausländer. Das Stück wurde bereits zum Berliner Theatertreffen eingeladen - ebenso wie im vergangenen Jahr Ronens "Common Ground"

Die doppelte Nominierung des Gorki setzt eine Erfolgsserie des Hauses fort: Auf dem diesjährigen Treffen bekommen zudem die Intendanten des Gorki, Shermin Langhoff und Jens Hillje, den Berliner Theaterpreis. Erst Ende Januar hatte das Haus einen der Theaterpreise des Bundes erhalten. 2014, im ersten Jahr der Intendanz von Langhoff und Hillje, war das Gorki von "Theater heute" als Theater des Jahres ausgezeichnet worden. Dimitrij Schaad (der nun in "The Situation" in einer Hauptrolle zu sehen ist) erhielt den Preis für den besten Nachwuchsdarsteller.

Ferdinand von Schirachs "Terror" fällt durch

Einen direkten Bezug zu Berlin hat auch ein drittes der für den Mülheimer Dramatikerpreis nominierten Stücke: "dosenfleisch" von Ferdinand Schmalz wurde im vergangenen Juni bei den Autorentheatertagen am Deutschen Theater uraufgeführt, die Inszenierung wechselte anschließend ans Wiener Burgtheater.

Nicht unter den Nominierten ist dagegen das Erfolgsstück "Terror" von Ferdinand Schirach, das parallel am Deutschen Theater und am Schauspiel Frankfurt uraufgeführt und im Anschluss an zahlreichen weiteren Bühnen gezeigt wurde. Nach Ansicht des Auswahlgremiums sei es ein "ziemlich schlechtes Theaterstück", das auf "offene Erregung" ziele, das aber im Text nicht einhalte, sagte Jury-Sprecher Franz Wille. Auch das erst vor wenigen Tagen in Wien uraufgeführte Stück "Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße" von Peter Handke sei "einstimmig" durchgefallen.

Die sieben nominierten Stücke werden bei den 41. Mülheimer Theatertagen vom 7. bis 28. Mai aufgeführt. Am Ende kürt die fünfköpfige Jury in einer öffentlichen Debatte den Preisträger. Bewertet werden neue Stücke, nicht die Inszenierungen.  

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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