Party im Berliner Szene-Club "Tresor" (Quelle: dpa)

Tanzverbot am Karfreitag - Du sollst nicht tanzen!

Am Karfreitag hat das lange Osterwochenende begonnen: Vier freie Tage, die alle Feierwütigen in die Clubs locken. Offiziell gilt für Karfreitag allerdings noch immer Tanzverbot. Während die Berliner Lokalitäten dem voraussichtlich nicht viel Beachtung schenken werden, wird in Brandenburg sogar auf dem Fußballfeld innegehalten.

"In Berlin können die Nächte bekanntlich lang werden", heißt es auf Berlin.de, dem offiziellen Hauptstadtportal des Landes. In der Rubrik Party-Tipps wirbt die Seite mit Osterpartys rund um die Feiertage. Dabei fällt auf: Zumindest die hier beworbenen nächtlichen Aktivitäten am Karfreitag starten erst um 23 Uhr. Damit kommen sich die Veranstalter mit dem Berliner Tanzverbot nicht ins Gehege, das gilt nämlich am Karfreitag bis 21 Uhr.

An den sogenannten "stillen Tagen" wie dem Karfreitag besteht in weiten Teilen Deutschlands noch immer ein Tanzverbot. Seinen Ursprung hat die gesetzliche Regelung im christlichen Glauben. Der Karfreitag ist der Tag der Kreuzigung von Jesus Christus und gilt bei gläubigen Christen als ein Tag der Stille und Demut. "Dazu passen Tanzveranstaltungen nicht", erklärt der Pressesprecher des Erzbistums Berlin, Stefan Förner, rbb online.

Trinken bei Musik ist eigentlich auch nicht erlaubt

Die genaue Ausgestaltung der Feiertagsregelung ist allerdings Sache der Länder - und hier zeigen sich deutliche Unterschiede im Grad der Frömmigkeit der Gesetzgeber. In Bayern herrscht gleich an drei Tagen Tanzverbot: Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag. Schleswig-Holstein dagegen hat erst im Januar sein rund um Karfreitag geltendes Tanzverbot um zwei Stunden gekürzt. Noch liberaler ist Berlin: Hier ist das Feiern am Karfreitag nur zwischen vier Uhr morgens und 21 Uhr untersagt. In dieser Zeit gilt ein Verbot von "öffentlichen Tanzveranstaltungen" und von "musikalischen Darbietungen jeder Art" in "Räumen mit Schankbetrieb".

Bezirksamt fährt keine harte Linie

Doch aller Voraussicht nach wird das Verbot im feierfreudigen Berlin auch dieses Jahr nicht streng durchgesetzt. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, zuständig für zahlreiche Clubs, teilte gegenüber Berlin.de bereits mit: "Das Ordnungsamt wird erfahrungsgemäß nur selten mit Verstößen gegen das Verbot konfrontiert." Ein Verstoß müsse angezeigt und von der Polizei als Ordnungswidrigkeit bestätigt werden. "Zumindest gehäuft wird dies nicht vorkommen." Das Bezirksamt erklärte außerdem, dass die meisten Clubs an diesen Tagen vor 4.00 Uhr schließen oder erst nach 21.00 Uhr öffnen würden.

Feiern bis zum Morgengrauen

Wirft man einen Blick in den Veranstaltungskalender, fällt allerdings auf, dass viele Clubs am Vorabend des Karfreitags wie üblich erst um 23.00 Uhr oder 00.00 Uhr öffnen. So startet die Kantine am Berghain erst um 23:59. Es ist unwahrscheinlich, dass die Party hier um 4 Uhr morgens bereits wieder endet, angesichts dessen, dass sonst meist bis in den Vormittag gefeiert wird. Andere Partys oder Konzerte beginnen am Abend des Karfreitag zudem schon vor 21.00 Uhr.

Ein Fußballfeld voller Maulwurfshügel (Quelle: dpa)
Brandenburger Bolzplätze gehören am Karfreitag den Maulwürfen.

"Die Verstöße im vergangenen Jahr kann man an einer Hand abzählen", so Joachim Wenz, Leiter des Ordnungsamtes in Friedrichshain-Kreuzberg, gegenüber rbb online. Zumindest diejenigen, die angezeigt und als Ordnungswidrigkeit festgestellt worden seien. Das Ordnungsamt selbst führe nur verdachtsabhängige Kontrollen durch, so Wenz. Zum Beispiel wenn im vergangenen Jahr ein Club aufgefallen sei.

Nur wenige Berliner gehen in die Kirche

Die katholische Kirche zeigt sich angesichts dieser unchristlichen Haltung der Clubs gelassen. "Je weniger Menschen den Karfreitag für sich plausibel finden, desto schwieriger ist es, ihn durchzusetzen", weiß Pressesprecher Förner. Nur 26 Prozent der Berliner sind evangelisch oder katholisch, insgesamt etwa 940.000 Menschen. Nur ein kleinerer Teil von ihnen geht überhaupt regelmäßig in die Kirche.

Deswegen werde sich das Erzbistum auch nicht für verstärkte Kontrollen einsetzen, betont Förner. Dennoch halte er die gesetzliche Regelung für bewehrt, um den Menschen Gelegenheit zum Innehalten zu geben. Er selbst gehe auf jeden Fall nicht tanzen, "weil mir erstens der Karfreitag tatsächlich heilig ist und weil ich zweitens ein ganz schlechter Tänzer bin."

Stille auf Brandenburgs Bolzplätzen

Das Gebot der Stille gilt übrigens auch für Sportveranstaltungen. Im Brandenburger Feiertagsgesetz heißt es, dass "öffentliche Sportveranstaltungen" verboten sind. Das bedeutet, dass am Freitag hier keine Fußballspiele angepfiffen werden. Das trifft Energie Cottbus genauso wie den SV Altlüdersdorf in der Oberliga. Die Berliner wiederum haben sich auch hier mehr Spielraum geschaffen: Sie dürfen bei ihren Fußballspielen zwar keine Unterhaltungsmusik spielen, aber der Stadionsprecher gehört nicht dazu.

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