Villa Wolf von Mies van der Rohe in Gubin (Quelle: Photo Arthur Koester (1926) (c) VG Bild-Kunst, Bonn, 2016)

Pläne für Mies van der Rohes Erstling in Gubin - Streit um den Wiederaufbau der "Urvilla der Moderne"

Am östlichen Neiße-Ufer von Guben stand einst die Villa des Tuchfabrikanten Erich Wolf, ein avantgardistischer Bau des weltberühmten Architekten Mies van der Rohe. Der Bau wurde im Krieg zerstört. Nun will ein deutsch-polnisches Team aus Architekten und Wissenschaftlern die Villa wieder aufbauen. Doch dagegen regt sich Widerstand.

Um den möglichen Wiederaufbau der Villa Wolf in der deutsch-polnischen Stadt Guben-Gubin ist ein Streit entbrannt. Geht es nach den Bürgermeistern, soll die einst von Bauhaus-Architekt Ludwig Mies van der Rohe entworfene Luxusvilla des Textilfabrikanten Erich Wolf maßstabgetreu rekonstruiert werden. Die Rekonstruktion soll ein Leuchtturmprojekt in Brandenburgs Grenzregion bis 2019 sein.

Der polnische Bürgermeister Bartłomiej Bartczak findet die Wiederaufbau-Pläne verführerisch. "Gubin würde dann in einer Linie mit Städten wie Barcelona und New York stehen, wo Mies van der Rohe etwas gebaut hat", sagte Gubins Bürgermeister Bartczak dem rbb. "Wenn die Villa irgendwann wieder steht, werden wir eine noch interessantere Stadt sein als bislang."  Sein deutscher Amtskollege Fred Mahro (CDU) ergänzt, "Ich wäre fehl am Platz, wenn ich nicht für dieses Projekt brennen würde." Mit dem Bau würde Guben im Vergleich mit anderen Städten herausstechen.

Reste der Villa Wolf in Gubin (Quelle: rbb / Heimatjournal)
Die Überreste der Villa Wolf

Vom Erstlingswerk sind nur noch die Fundamente übrig

In der Tat wäre die wiederaufgebaute Mies-van-der-Rohe-Villa ein Anziehungspunkt für architekturbegeisterte Touristen. Der Tuchfabrikant Erich Wolf gab sie 1927 bei Mies van der Rohe in Auftrag. Der deutsch-amerikanische Architekt zählt zu den bedeutendsten der Moderne. Und so baute dieser damals ein bemerkenswert modernes Wohnhaus auf einem Hang mit Blick über Neiße und Stadt.

Doch die Villa, die heute als Mies van der Rohes modernes Erstlingswerk gilt, wurde zum Kriegsende im Jahr 1945 zerstört. Seitdem weisen neben den erhaltenen Gartenterrassen am Neißehang nur noch die Fundamente, einige Kellerreste sowie eine Schautafel auf die einstige Villa hin.

Der Verein Architekturpreis Berlin, der das Wiederaufbauprojekt initiiert hat, will das ändern und lädt daher am Freitag zu einer Auftaktveranstaltung und Ausstellung in die Berliner Staatsbibliothek [Link zu sbb.berlin], zu der auch Politprominenz wie die ehemalige Bundestagspräsidentina Rita Süssmuth und Ex-Finanzminister Hans Eichel geladen sind. Bei der Fachtagung soll auch mit einer Ausstellung für das Gubiner Bauprojekt geworben werden.

Entwürfe von 36 internationalen Studierenden der Masterprogramme Architektur, World Heritage Studies und Heritage Conservation and Site Management. (Quelle: studienbereich denkmalpflege BTU cottbus)
Entwurf von Studierenden der BTU Cottbus

Stadtverordnete von Guben sind skeptisch

Bei der Veranstaltung sollte eigentlich auch eine gemeinsame Absichtserklärung der Bürgermeister von Gubin und Guben sowie dem Vorsitzenden des Vereins Architekturpreis Berlin, Florian Mausbach, feierlich unterzeichnet werden. Doch Fred Mahro fehlt grünes Licht von seinen Stadtverordneten, die gegen das Projekt sind. "Ich möchte nicht, dass die Stadtverordneten in Guben zum Schiedsrichter für oder gegen den Wiederaufbau werden. Dafür ist mir die Sache einfach viel zu wichtig", sagte Mahro.

Während Gubins Bürgermeister Bartczak seinen kompletten Stadtrat hinter sich weiß, sind die Stadtverordneten auf deutscher Seite skeptisch. Sie schrecken vor den möglichen hohen Kosten eines Wiederaufbaus zurück. Das Geld könne zudem auch in sinnvollere Vorhaben investiert werden, meinen Kritiker. Außerdem stehe die Villa heute auf polnischer Seite, also in Gubin. Deshalb verweigern die Gubener Stadtverordneten bislang ihre Zustimmung - dabei soll aus den Haushalten beider Städte überhaupt kein Geld fließen. Vielmehr wollen die Projektbeteiligten den Wiederaufbau über Investitionen aus dem Ausland und jegliche Sponsorengelder finanzieren.

"Ein gigantisches, schlecht dokumentiertes Bauwerk"

Einwände kommen auch von anderer Seite: Architekten und Denkmalschützer etwa kritisieren, dass es für einen Villa-Nachbau überhaupt keine genauen Pläne gibt. "Das ist ein Versuch, ein gigantisches Bauwerk aus den 20er Jahren, das schlecht dokumentiert ist, praktisch aus der dünnen Luft rekonstruieren zu wollen", meint Architektur-Professor Leo Schmidt von der Bandenburgisch Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg.

Entwürfe von 36 internationalen Studierenden der Masterprogramme Architektur, World Heritage Studies und Heritage Conservation and Site Management. (Quelle: studienbereich denkmalpflege BTU cottbus)
Entwurf von Studierenden der BTU Cottbus

"Das ist einfach ein riesen Aufwand, der letztlich nicht zu einem befriedigenden Ergebnis führen kann. Bei der Frauenkirche etwa stand eine gigantische Ruine. Aber einen Ort, an dem oberirdisch absolut nichts mehr zu sehen ist, wieder so zu bespielen, ist eine vollkommen andere Liga."

Doch Brandenburger Forscher wollen dabei Abhilfe schaffen. Wie die Fachhochschule Potsdam berichtet, arbeiten Architekturstudenten seit anderthalb Jahren an Modellen für eine Rekonstruktion der Villa. Bei dem Forschungsprojekt wurden laut Hochschule Entwürfe auf Basis von Luftbildern, Gesprächen mit Zeitzeugen sowie historischen Fotodokumenten angefertigt, unter anderem auch mit Hilfe von Material aus dem Museum of Modern Art in New York. Die aktuellen Zwischenergebnisse dieser Arbeit sollen auch am Freitag in Berlin präsentiert werden.

Mit Informationen von Iris Wußmann

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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