Die Choreographin Waltz am 07.09.2016 im Roten Rathaus (Quelle: Wolfgang Kumm/dpa)

Nachfolge von Nacho Duato in Berlin - Staatsballett bekommt Doppelspitze mit Waltz und Öhmann

Die Berliner Choreographin Sasha Waltz wird Nachfolgerin von Nacho Duato an der Spitze des Staatsballetts. Sie wird das Ensemble vom Sommer 2019 an gemeinsam mit Johannes Öhman aus Schweden leiten. Dabei werde es ein breites Spektrum aus klassischem Ballett und zeitgenössischem Tanz geben, sagte Waltz am Mittwoch dem rbb.

Die Choreographin Sasha Waltz und der Direktor des Royal Swedish Ballet, Johannes Öhman, werden Ko-Intendanten des Staatsballetts Berlin. Sie folgen dem Spanier Nacho Duato, dessen Vertrag im Juli 2019 ausläuft. Das teilte Berlins Regierender Bürgermeister und Kultursenator Michael Müller (SPD) am Mittwoch mit und bestätigte damit entsprechende Berichte des rbb.

Breites Spektrum aus klassichem Ballett und Moderne

"Das Staatsballett Berlin ist derzeit die größte Ballettcompagnie Deutschlands und Berlins einziges klassisch geschultes Ensemble", sagte Müller. Mit Waltz und Öhman bekomme Berlin zwei international renommierte Persönlichkeiten des internationalen Tanzes. "Wir werden nach wie vor das Erbe des klassischen Balletts pflegen", sagte Waltz in der rbb-Abendschau. 50 Prozent des Programms würden aber auch dem zeitgenössischen Tanz eingeräumt. Sie stelle sich ein "breites Spektrum" vor, sagte Waltz - vergleichbar einem Museum, in dem die Alten Meister neben der klassischen Moderne und der Pop Art gezeigt werden.

Waltz feiert mit ihrer eigenen Compagnie "Sasha Waltz & Guests" immer wieder große Erfolge. Neben der Arbeit am Staatsballett will Waltz ihre Compagnie weiter als autonome Einheit führen. Für ihre zunächst auf fünf Jahreangelegte Ko-Intendanz sei vereinbart, dass sie jährlich ein Stück aus ihrem Repertoire an das Staatsballett übergebe, sagte sie. Zudem werde sie insgesamt mindestens drei Neuproduktionen am Haus herausbringen.

Der neue Intendant des Staatsballetts Berlin, Johannes Öhmann, am 07.09.2016 im Roten Rathaus in Berlin (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)
Waltz' Co Johannes Öhman soll sich vor allem um die geschäftlichen Fragen kümmern - die künstlerischen verantworten beide gemeinsam.

Kritiker warfen Duato Desinteresse an Berlin vor

Der derzeitige Leiter Nacho Duato hatte 2014 das Staatsballett als Nachfolger von Vladimir Malakhov übernommen. Nach Angaben von Müller hat Duato in Gesprächen selbst angekündigt, sich nach Auslaufen seiner fünfjährigen Amtszeit 2019 anderen Aufgaben widmen zu wollen.

Der Spanier war schon bei seiner Ernennung im Jahr 2013 mit Kritik konfrontiert worden, unter anderem weil er Gastchoreograph beim St.-Petersburger Michailowsky-Theater blieb. Kritiker warfen ihm Desinteresse an Berlin sowie eine anspruchslose und betuliche Tanzregie vor.

Duato, der von 1990 bis 2010 Leiter des spanischen Nationalballetts war, versucht zur Zeit ein eigenes Repertoire aufzubauen, in der vergangenen Spielzeit brachte er drei Neuproduktionen heraus. Die Auslastung lag bei durchschnittlich 77 Prozent. Für Spannungen sorgte, dass sich Duato hinter das Ensemble bei einer Streikwelle für einen Tarifvertrag stellte.

Waltz war schon 2013 als Intendantin im Gespräch

Waltz machte deutlich, dass die Idee der Doppelspitze von ihr stammt. Sie habe Öhman nach einer zweimaligen konstruktiven Zusammenarbeit angefragt, ob er sich ein solches Modell vorstellen könne. "Ich bin froh, dass ich nicht allein bin, weil mein Schwerpunkt weiter die Kunst bleibt", sagte sie.

"Sasha Waltz und ich glauben beide an diese Konstruktion", erklärte Öhman. Er soll in dem Duo vornehmlich die geschäftsführenden Aufgaben übernehmen, die künstlerische Verantwortung tragen beide laut Waltz gemeinsam. Künftig soll das Programm jeweils zur Hälfte aus klassischem und aus zeitgenössischem Tanz bestehen, ein Abbau der derzeit 89 Tänzerstellen sei nicht geplant, betonte Öhman. "Es wird eine Compagnie mit mehreren verschiedenen Kompetenzen sein."

Waltz war schon 2013 als mögliche Leiterin des Staatsballetts im Gespräch. Der damalige Regierende Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) entschied sich aber dann für Duato als alleinigen Nachfolger von Vladimir Malakhov an der Spitze des Hauses. Zu ihrer Berufung jetzt sagte sie: "Das ist für mich ein besonderer Moment, weil mich mit Berlin sehr viel verbindet." Bei seinem Antritt hatte sich Duato für eine Zusammenarbeit mit Waltz offen erklärt, eine Kooperation kam aber nie zustande.

Tänzerin und Choreographin mit internationalem Renommee

Sasha Waltz ist international bekannt. Die Tänzerin und Choreographin wurde 1963 als Tochter eines Architekten und einer Galeristin in Karlsruhe geboren. Ihre Leidenschaft für den Tanz entdeckte sie schon als Fünfjährige, später studierte sie Tanz in Amsterdam. Sie inszenierte an der Bastille-Oper in Paris, in Brüssel oder Sankt Petersburg.

In Berlin ist von ihr "Roméo et Juilette" an der Deutschen Oper zu sehen. An der Staatsoper inszenierte sie unter anderem den "Tannhäuser" sowie "Dido und Aeneas". 1993 gründete sie mit Jochen Sandig in Berlin die Tanzcompagnie Sasha Waltz and Guests.

Waltz hatte zeitweilig mit einem Weggang ihrer Compagnie aus Berlin gedroht. Wowereit und sein damaliger Kulturstaatssekretär André Schmitz hatten ihre Forderung nach höheren Subventionen abgelehnt. Unter diesen Bedingungen sei eine Arbeit nicht möglich, hatte Waltz damals erklärt.

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