Robert Smith, Frontmann der britischen Band The Cure, steht am 17.10.2016 in der Barclaycard Arena in Hamburg auf der Bühne (Quelle: dpa/Daniel Reinhardt)
Audio: Inforadio | 19.10.2016 | Laurina Schräder

Konzertkritik | The Cure in Berlin - Drei Stunden Ehrfurcht

Mehr als 30 Songs aus rund 40 Jahren Musikgeschichte: The Cure waren am Dienstag zum ersten Mal seit acht Jahren wieder in Berlin. Laurina Schräder hat in der Mercedes-Benz-Arena einem sakralen Ereignis beigewohnt.

Fast drei Stunden spielen The Cure. Und obwohl man sie alle kennt, ist man perplex, wie viele Hits auch noch bei den drei Zugaben kommen.

Robert Smith - Sänger, Gitarrist und einziges konstantes Mitglied der Band - steht ganz unprätentiös auf der Bühne vor 17.000 Menschen. Kein überschwängliches Getue, aber auch keine großen Gesten in Richtung Publikum. Das braucht es auch nicht, um Nähe aufzubauen. Die liegt in den Songs, und in den Erinnerungen des einzelnen.

Fans vor dem Konzert vo0n der Band The Cure in Berlin (Quelle: rbb/Laurina Schraeder)
Stilecht gekleidete Cure-Fans beim Berliner Konzert der Band

Nach kurzer Irritation fällt allerdings auf, dass die Songs moduliert sind – leicht abgewandelt. Robert Smith spart die hohen Töne aus. Dafür ist seine Performance authentisch: Der Lippenstift klebt ihm wie eh und je verschmiert im Gesicht, die Haare sind zerzaust, die Augen dunkel geschminkt. Zudem wirkt er weniger aufgedunsen als erwartet.

Rosa-rote Wolken und rote Mohnblumen

So wie Smith ist auch sein Publikum nicht mehr ausschließlich 16: Im Schnitt ist es eher älter als 45, auch wenn immer wieder junge, fast jugendliche Fans zu sehen sind. Zum Stage-Diving lässt sich aber weder Goth noch Normalo oder Hipster hinreißen. Vielleicht auch, weil man von einer Ehrfurcht vor dieser Musiklegende The Cure ergriffen ist.

Gestört wird das sakrale Erlebnis einzig von immer wiederkehrenden Grafiken auf den Leinwänden hinter der Band. Auf einmal fliegt die Band wie in einem Flugsimulator über rosa-rote Wolken oder rote Mohnblumen ploppen in einer türkis eingefärbten Steilküste auf, während Smith "Just like Heaven" singt. Bei "Friday I’m in Love" flattern rote Herzen mit Augen penetrant auf und ab. Sie bilden gut gemeinte, aber weniger schön umgesetzte Referenzen auf einge Cover der The-Cure-Alben.

Dieses pseudo-fröhliche Farbspiel beschränkt sich glücklicherweise auf wenige Hits im ersten Drittel des Konzerts. Gegen Ende kommt nochmal der Beweis, dass es anders geht: Bei "A Forest" ist die Halle in grünes Licht getaucht und auf den Leinwänden ist die Schönheit eines Waldes erkennbar – passend zur Schönheit der Musik.

The Cure in Berlin

Beitrag von Laurina Schräder

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

Das könnte Sie auch interessieren