Manfred Krug (Quelle:dpa/ Jörg Carstensen)
Video: Abendschau | 27.10.2016 | Martin Krebbers

Abschied von "Liebling Kreuzberg" - Manfred Krug ist tot

Der Schauspieler und Sänger Manfred Krug ist gestorben. Das bestätigte sein Management dem rbb. Krug war einer der bekanntesten Schauspieler aus der DDR, die er 1977 verließ. Auch im Westen wurde der Wahl-Berliner schnell zum Publikumsliebling.

Manfred Krug ist tot. Der Schauspieler und Sänger starb bereits am Freitag im Alter von 79 Jahren im Kreise seiner Familie in Berlin, wie sein Management dem rbb-Kulturradio am Donnerstag bestätigte. Zur Todesursache wurden keine weiteren Angaben gemacht. Krug soll schon im engsten Familienkreis beerdigt worden sein, meldet die "Bild"-Zeitung.  

Trauer und Betroffenheit

Die Nachricht vom Tod des Schauspielers löste Trauer und Betroffenheit aus. Bundespräsident Joachim Gauck sprach dessen Frau Ottilie sein Beileid aus. Er nannte Krug "einen der glaubwürdigsten und populärsten Schauspieler unserer Zeit." In vielen Rollen und im Fernsehen, im Kino und auf der Bühne habe in wundervoller Art Schwächen und Stärken der Menschen vor Augen geführt.

Nach den Worten von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) ist die deutsche Fernsehlandschaft mit Krugs Tod "um einen unverwechselbaren und wunderbaren Schauspieler" ärmer geworden. "Er hat der wechselvollen Ost-West-Geschichte unseres Landes ein Gesicht gegeben", erklärte Grütters. "Immer aber war er ein kauziger Kämpfer für die Gerechtigkeit; einer, den die Menschen mochten, weil er einer von ihnen war." Außenminister Frank-Walter Steinmeier nannte Krug einen "herausragenden Schauspieler und unverwechselbaren Charakterkopf". Er habe "mit seiner virtuosen Kunst ein Stück deutsch-deutsche Film- und Fernsehgeschichte geschrieben".

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) würdigte den Verstorbenen: "Wir verdanken diesem großartigen Schauspieler viele unterhaltsame und anregende Stunden. In jeder Rolle war Krug unverkennbar, er war ein Typ, den man nicht vergessen konnte." Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner erinnerte vor allem an Krugs Musikbegeisterung: "Er war ein echter Jazzliebhaber, und darin auch richtig gut. Da hat er mich eigentlich fast noch mehr überzeugt als als Schauspieler", sagte Renner dem rbb.  

"Ein Volksschauspieler im besten Sinne"

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) äußerte sich bestürzt über den Tod des Schauspielers: "Mit seinen einprägsamen Rollen hat er in Ost und West gleichermaßen Erfolge gefeiert – und dazu beigetragen, dass Ost und West besser zueinander fanden. Ebenfalls in bester Erinnerung bleiben seine Konzerte, in denen er als unverwechselbarer Jazzsänger Akzente setzte. Dieser großartige Künstler wird fehlen." Krug gebühre zudem bis heute Respekt und Anerkennung für seine klare Haltung zur damaligen Ausbürgerung Wolf Biermanns - in deren Folge er wie viele andere Künstler die DDR verlassen habe.

rbb-Intendantin Patricia Schlesinger sagte, Krug sei mehr als ein "Liebling Kreuzberg" gewesen. "Er war eine Ost-West Ikone, einer der wenigen Fernsehstars, der in ganz Deutschland geliebt wurde. Für seine unprätentiöse Art, für seinen klugen Witz und Charme. Manfred Krug war ein Volksschauspieler im besten Sinne."

Von Duisburg nach Leipzig

Krug wurde 1937 in Duisburg geboren. Als nach dem Krieg die Ehe seiner Eltern scheiterte, blieb Krug beim Vater. Der zog 1949 auf der Suche nach Arbeit nach Leipzig. Sohn Manfred blieb zunächst bei seiner Großmutter in Westdeutschland, folgte dem Vater aber dann 1949 in die damalige DDR.  

Krug absolvierte in Brandenburg eine Lehre als Stahlschmelzer – nebenbei erwarb er an einer Abendschule das Abitur. 1954 begann er ein Studium an der Staatlichen Schauspielschule, die er aber nach nur eineinhalb Jahren "wegen disziplinarischer Schwierigkeiten" verlassen musste. 1955 bis 1957 gehörte er als Schüler von Bertolt Brecht dem "Berliner Ensemble" an.

Nach dem Mauerbau in die DDR zurückgekehrt

Am Tag des Mauerbaus befand sich Krug im Westen, kehrte aber in die DDR zurück und schaffte dort 1962 in der Rolle des Martin Hoff in "Auf der Sonnenseite" den künstlerischen Durchbruch. Krug galt einige Jahre als Vorbildfigur für die junge Generation in der jungen SED-Staat. Der Film von Frank Beyer "Spur der Steine", in dem Krug 1966 die Figur des Brigadiers Balla verkörperte, wurde allerdings dann nach nur drei Tagen von der Regierung verboten.

Krugs künstlerischem Fortkommen in der DDR tat das zunächst keinen Abbruch. Als er allerdings 1976 die Resolution gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann unterzeichnete, setzte das seiner Karriere ein Ende. Im April 1977 beantragte er die Ausreise in den Westen und übersiedelte im Juni mit seiner Familie dorthin.

Sänger, Schauspieler, Bundesverdienstkreuzträger

Im Westen wurde er schnell zum Publikumsliebling

In der Bundesrepublik konnte sich Krug  schnell als Schauspieler etablieren. Als Fernfahrer Franz Meersdonk in der Vorabendserie "Auf Achse", als Anwalt Robert Liebling in  "Liebling Kreuzberg" oder als Kommissar Stoever im ARD-Tatort gewann er außerdem die Gunst eines breiten Fernsehpublikums.

Im März 1996 legte Krug seine vielbeachteten Erinnerungen an die Zeit in der DDR unter dem Titel "Abgehauen" vor. Das Buch wurde ein Bestseller und im Juni 1998 als ARD-Fernsehspiel gezeigt – das Drehbuch stammte von "Spur der Steine"-Regisseur Frank Beyer.

1997 erlitt Manfred Krug einen Schlaganfall. Er erholte sich gut - dennoch trat er danach etwas kürzer und zog sich 2001 aus der Schauspielerei zurück.

Neben seiner Karriere als Schauspieler trat Krug auch oft als Sänger auf – bis vor wenigen Jahren auch gelegentlich mit dem Berlin Jazz Orchestra.  Außerdem betätigte er sich als Dichter.

Würdigung zum 75. Geburtstag

Manfred Krug (Quelle: imago/United Archives)

Bundesverdienstkreuz und Filmpreis "Paula"

Im April 2013 wurde Krug mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse geehrt. Der Schauspieler, der sich gerade nach längerer Krankheit erholt hatte, nannte die Auseichnung eine "wunderschöne Streicheleinheit". Im Herbst 2014 musste er sich einer Herzklappenoperation unterziehen, aber Anfang 2015 ging er zusammen mit seiner Gesangspartnerin Uschi Brüning wieder auf Tournee.

Im Februar 2016 wurde Krug mit dem Filmpreis "Paula" als "herausragender deutsch-deutscher Künstler" geehrt, der "in allen Systemen über die Epochen hinweg ein Mensch und Bürger mit Ecken und Kanten, mit Meinung und Haltung geblieben" sei.

Aus seiner Ehe mit der Lehrerin Ottilie Krug hatte Manfred Krug  drei Kinder: Daniel, Stephanie und Josephine. Im April 2002 bekannte sich der Schauspieler außerdem zu einer unehelichen Tochter, die 1998 geboren wurde.

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