Szenenbild "Terror - Ihr Urteil" (Quelle: ARD Degeto Moovie GmbH Julia Terjung)

Im Fernsehen und im Netz - "Terror - Ihr Urteil" auf allen Kanälen Sieger

Das Experiment ist geglückt. Der Film "Terror - Ihr Urteil" ist von fast sieben Millionen Menschen gesehen worden. #TerrorIhrUrteil war auch im Netz das meist diskutierte Thema, allerdings nicht nur, weil so schön geschauspielert wurde.

Ist ein Kampfpilot, der eine entführte Passagiermaschine mit 164 Insassen abschießt, um 70.000 Menschen in einem Fußballstadion zu retten, schuldig oder ein Held? Das war die Frage, die der Film "Terror - Ihr Urteil", der in im Ersten am Montagabend gezeigt wurde, aufgeworfen hat. Er basiert auf dem Erfolgstheaterstück von Ferdinand von Schirachs.

Online- und Telefonabstimmung für die Zuschauer

Mit dem Gerichtsdrama wurden 6,88 Millionen Zuschauer ab 20.15 Uhr erreicht. Der Marktanteil betrug 20,2 Prozent. Das Besondere daran, war die Beurteilung des Falls durch das Publikum. 86,9 Prozent plädierten in der gleichzeitigen Online- und Telefonabstimmung auf unschuldig.

Allerdings hatte das Erste mit erheblichen technischen Problemen während der Abstimmung zu kämpfen, die Internetseite war schwer erreichbar, die beiden Telefonnummern meist besetzt, oder es kam einfach die Ansage: "Ihr derzeit gewünschter Gesprächspartner ist derzeit nicht erreichbar." In den sozialen Netzwerken wie Twitter äußerten sich einige User deswegen spöttisch, andere lobten aber auch die Qualität des Films: "TV ist alles andere als tot."

Österreich und die Schweiz denken ähnlich

Ferdinand von Schirach, der Autor des verfilmten Stücks ist in seinem persönlichen Urteil gar nicht so eindeutig, wie das Publikum. Der Soldat habe mit seiner Entscheidung zwar viele Leben gerettet, es gebe "aber nur den tragischen, den schuldigen Helden, nie den glücklichen", sagte von Schirach in einem Interview der "Bild"-Zeitung vom Dienstag. "In unserem Fall hieße das: Abschuss und anschließend lebenslänglich ins Gefängnis."

Der promint besetzte Film mit Martina Gedeck, Burghart Klaußner, Florian David Fitz und Lars Eidinger in den Hauptrollen wurde zeitgleich in Österreich und der Schweiz ausgestrahlt. Dort kamen fast identische Abstimmungsergebnisse zustande.

Schirach hätte den Piloten verurteilt

Von Schirachs Stück war zuvor bereits mehr als 400 Mal im Theater aufgeführt wurde. Auch dort stimmte bisher bei der Mehrheit der Aufführungen das Publikum für Freispruch. In der Realität wäre der Pilot wohl verurteilt worden, vermutet von Schirach. "Völlig zu Recht."

Trotz des eindeutigen Votings war der Klärungs- und Gesprächsbedarf im Anschluss an den Film groß, denn viele wollten wissen, wie ihr Urteil denn nun von den Fachleuten eingestuft und beurteilt werden würde. So bleiben auch fast alle Zuschauer des Films bei der Nachfolgesendung "Hart aber fair" dran, die sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigte.

Heftige Debatte bei "Hart aber Fair"

Der frühere Innenminister Gerhart Baum (FDP) und der ehemalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) lieferten sich darin eine heftige Kontroverse. Für Baum war der Pilot juristisch ein Mörder. Baum betonte den ewigen Grundsatz des Grundgesetzes "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Leben dürfe nicht gegeneinander aufgerechnet werden. Der Ausgang einer Flugzeugentführung sei bis zuletzt nicht entschieden. Baum verwies auf ein entsprechendes Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2006, an das sich alle zu halten hätten.

Dagegen betonte Jung, die einzig entscheidende Frage sei, ob das Leben der 70.000 Menschen im Stadion noch zu retten sei. Auch diese hätten eine Menschenwürde. Das Leben der Passagiere in der entführten Maschine sei ohnehin nicht mehr zu retten gewesen. Hier gebe es einen Fall von übergesetzlichem Notstand.

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