Das Deckengemälde im Vestibül des Schlosses Sanssouci wurde 2016 aufwendig saniert

Erhalt historischer Bauten in Brandenburg - 36 Millionen ausgegeben - und immer noch bröckelt Putz

Schlösser, Kirchen oder auch moderne Architektur - in Brandenburg sind einzigartige Baudenkmäler zu finden. Für die Restaurierung und Entstandsetzung gab das Land im vergangenen Jahr fast 36 Millionen Euro aus. Viel Geld, aber noch nicht genug.

In Brandenburg sind im vergangenen Jahr insgesamt 35,8 Millionen Euro Landesmittel für die Sicherung, Sanierung und Restaurierung von Denkmalen ausgegeben worden - gut zweieinhalb Millionen mehr als im Jahr zuvor. 13,8 Millionen Euro dieser Summe stammen aus dem Budget des Kulturministeriums. Das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung investierte 22 Millionen Euro in den städtebaulichen Denkmalschutz.

Projekte waren unter anderem die begonnene Sanierung der Potsdamer Friedenskirche oder der Wunderblutkirche in Bad Wilsnack (Prignitz). Neun Millionen Euro gingen an die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Auch Kirchen und Religionsgemeinschaften erhielten 2,65 Millionen Euro für Erhaltung ihrer Bauten. An die Jüdische Gemeinde gingen unter anderem 39.000 Euro zur Ausstattung ihrer Synagoge in Cottbus. Geld floss auch in denkmalgeschützte DDR-Architektur, wie z.B. die Hyparschale in Templin.

Neue Heimstätte für Kindernotdienst

Erstmals standen im vergangenen Jahr 500.000 Euro für einen Nothilfefond zur Verfügung. 15 Projekte konnten damit unterstützt werden. "In diesem und im nächsten Jahr wird die Summe aufgestockt", versprach Kulturministerin Martina Münch (SPD) am Mittwoch.

Zur Begründung für die Ausgaben sagte Münch, Denkmale würden Touristen ins Land locken und die Bauwirtschaft, durch die zu erledigenden Aufträge, stärken. Der Erhalt von Denkmälern sei zudem besonders wichtig, um die junge Generation in Kontakt mit der Geschichte zu bringen.

Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) ergänzte: "Wir wollen nicht nur Baudenkmale erhalten, sondern auch neues Leben in die Gebäude und damit in die Städte bringen." Dabei gebe es zwei wichtige Aufgaben: die energetische Sanierung und Barrierefreiheit für die Bewohner. In Luckenwalde (Landkreis Teltow-Fläming) wurde beispielsweise ein unter Denkmalschutz stehendes Wohnhaus im Zentrum der Stadt für 1,8 Millionen Euro saniert. Das Gebäude wird heute als Krisennotdienst für Kinder genutzt.

Bereits sanierte Kirchen wieder vom Verfall bedroht

Kulturministerin Münch hob gegenüber dem rbb die Bedeutung des Denkmalschutzes für kleine Gemeinden im Land hervor. "Ein schönes Beispiel sind unsere über tausend Dorfkirchen", sagte Münch gegenüber rbb Inforadio. In den letzten 25 Jahren haben alle Dorfkirchen gesichert und erhalten werden können. "Und das ist nicht in allen Bundesländern so gewesen."

Brandenburgs Landeskonservator Thomas Drachenberg warnte hingegen vor einem erneuten Verfall bereits sanierter Dorfkirchen. In Brandenburg habe nach 1990 zwar keine der vielen baufälligen Dorfkirchen abgerissen werden müssen, sagte Drachenberg bei der Pressekonferenz am Mittwoch. Nun stünden aber Pflege und Nutzung der gesicherten Gotteshäuser infrage.

Manche Kirchbauvereine hätten sich nach der Sanierung aufgelöst, andere hätten viele Mitglieder im Alter von über 80 Jahren, so Landeskonservator. Vielerorts gebe es keine oder nur noch sehr kleine Gottesdienstgemeinden. "Es geht jetzt um die Frage, wer die sanierten Gebäude pflegt - sonst führt der nächste heruntergefallene Dachziegel wieder dazu, dass wir ein paar Jahre später wieder Millionen ausgeben müssen."

Seit 1991 investierte Brandenburg 754 Millionen Euro

Für dieses Jahr seien bereits 50 Anträge für rund 2,5 Millionen Euro eingegangenen, sagte Kulturministern Münch. Über die Anträge werde im Februar mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum entschieden. In Brandenburg stehen etwa 13.000 Gebäude unter Denkmalschutz: Gutshäuser, Kirchen, Industrieanlagen oder Wohnhäuser. Seit 1991 wurden für Sanierung und Erhalt historischer Gebäude in Brandenburg etwa 754 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln zur Verfügung gestellt.

Trotz der Beträge aus Steuermitteln sind viele Instandsetzungsprojekte auf Spenden, Benefizveranstaltungen oder Arbeitseinsätze angewiesen. "Ohne privates Engagement wären wir nicht dort, wo wir jetzt stehen", sagte Kulturministerin Münch dem rbb-Inforadio. Ein prominentes Beispiel für den Einsatz von privaten Gelden ist die Restaurierung des Deckengemäldes "Flora mit Genien" im Vestibül des Schlosses Sanssouci. Die 95.000 Euro teure Wiederherstellung des 260 Jahre alten Gemäldes von Johann Harper wurde mit 20.000 Euro von der Stiftung pro Sanssouci unterstützt, die dafür private Spenden einsammelte.

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