Models auf der Fashion week (Quelle: Imago/Pacifik Press Agency)

Interview | Anita Tillmann über die Fashion Week - "Intelligente Mode, smarte Textilien - es passiert unglaublich viel"

Auffällig gut gekleidete Menschen bevölkern diese Woche wieder die Straßen von Berlin: Es ist Fashion Week, und die Designer zeigen ihre Kollektionen für den Winter 2017/18. Anita Tillmann, Chefin der Premium Modemesse, über Berlin als Modestadt und die Kleidung der Zukunft.

rbb|24: Frau Tillmann, welche Bedeutung hat die 20. Ausgabe der Fashion Week für den Modestandort Berlin?

Anita Tillmann: Die Fashion Week bildet die Klammer um die Modemessen, Events, Modenschauen und Präsentationen, die in der Woche stattfinden. Der Fokus auf Berlin hinsichtlich Mode hat sich stark geändert in den letzten zehn Jahren. Früher hat man Berlin nicht mit Mode in Verbindung gesetzt. Das ist erst so, seitdem wir mit der PREMIUM nach Berlin gekommen sind und durch das kontinuierliche Wachstum offiziell die 'Berlin Fashion Week' entstanden ist. Inzwischen hat die Fashion Week erheblichen wirtschaftlichen Einfluss, denn zweimal im Jahr ist die Stadt ist voll, sind die Restaurants voll und die Hotels ausgebucht. Die Besucher kommen aus der ganzen Welt.

Anita Tillmann (Quelle: Premium Modemesse/ Boris Kralj)
Anita Tillmann hat 2003 die Modemesse Premium mitbegründet

33 Designer zeigen Ihre Kollektionen, weniger als im Sommer. Außerdem verzichten große Designer wie Guido Maria Kretschmer und Michael Michalski auf Modeschauen. Was ist der Grund?

Ob ein Designer eine Modenschau macht oder nicht, hat nichts mit Berlin zu tun. Nicht zwingend muss jede Saison gezeigt werden. Grundsätzlich ändert sich Branche gerade -  unter anderem durch die technologische Entwicklung, die wir auch auf der #FASHIONTECH Konferenz diskutieren. Die Art und Weise, wie wir Mode präsentieren, kommunizieren und konsumieren und wie die Designer ihre Mode verkaufen, hat sich maßgeblich verändert und das betrifft natürlich auch Modenschauen. Das ist der Hauptgrund, warum Designer sich unter Umständen gegen eine Modenschau entscheiden. Das ist nicht nur in Berlin, sondern überall so.

Seit zwei Jahren veranstalten Sie die Fashion Tech Konferenz. Wie sieht die Zukunft der Mode aus

Die Zukunft der Mode ist eines der spannendsten Themen zurzeit. Es hat sich schon unglaublich viel getan und es wird noch unglaublich viel passieren in den nächsten Jahren.

Auf der #FASHIONTECH präsentieren wir drei Bereiche: Digital Marketing und Communication, alles rund um Kommunikation und Vermarktung, das Thema E-Commerce, mit den Entwicklungen im Online-Handel. Und das besonders spannende Thema Wearables and Smart Textiles - der Bereich, in dem am meisten passiert. Allein in den letzten zwei Jahren gibt es so große Fortschritte in der technologischen Entwicklung, die direkten Einfluss auf die Kreationen der Designer hat, dass wir dafür erstmals eine komplette Ausstellungsfläche von Designern eingerichtet haben, die sich mit dem Thema Wearables auseinandersetzen. Ich glaube, dass diese Entwicklung die Mode so sehr beeinflusst, dass diese Designer bald die neuen Sternchen am Modehimmel sein werden.

Sind diese Smart Wearables eher Spielereien oder gibt es auch sinnvolle Anwendungen?

Sowohl als auch. Inzwischen werden mit Hilfe von 3D Druckmaschinen Einzelstücke gedruckt, egal ob das Ringe sind, die zum Teil sogar mit Diamanten versehen werden oder Applikationen für Kleider oder Prototypen für die Produktion. LED, was eher eine Spielerei ist, war gestern. Im Bereich Sustainable Textiles (Nachhaltige Materialien) werden Mikrobakterien gezüchtet, um daraus ganz neue Stoffe und Materialien zu entwickeln. Es geht um intelligente Mode, um smarte Textilien. Darüber hinaus gibt es Kleidungsstücke, die Emotionen widerspiegeln oder auf Umwelteinflüsse reagieren oder Muskelbewegungen tracken, was man beim Sport gleichermaßen, als auch im Gesundheitsbereich einsetzen kann. Das Potential ist sehr groß.

Stände auf der Fashion Week 2017 (Quelle: Fashion Week)

Inwieweit wird das auch kritisch betrachtet bei der Konferenz - Ich will mich ja nicht unbedingt komplett überwachen lassen durch meine Kleidung?

Es gibt ja grundsätzlich das Thema Daten und wie wir mit diesen umgehen. Bei uns im Kontext der Fashion Week geht es nicht um diese Auseinandersetzung. Bei uns geht es mehr um den kommerziellen Ansatz und die Potentiale für die Industrie, um Innovationen und was es Neues auf dem Markt gibt. Darüber hinaus liefern wir eine Plattform, auf der sich Ingenieure und Start Ups mit der Fashionbranche vernetzen können, um daraus neue Businessmodelle zu entwickeln.

Die Premium ist eine der wichtigsten Modemesse, dazu gehören auch drei weitere Messen unter anderem für Streetwear. Welche Trends gibt es da?

Ein wichtiges Trendthema ist Outdoor Styles, die vom Wandern, Radfahren, Angeln oder Skifahren kommen. Die Kleidung ist funktional, aber gleichzeitig auch straßentauglich. Funktionalität und Ästhetik schließen sich nicht mehr aus. Man kann sowohl auf der Piste oder in den Bergen beim Wandern als auch in der Stadt toll aussehen, ohne auf die Funktion zu verzichten. Das ist ein großer Trend.

Besucher der Fashion Week (Quelle: Fashion Week)

Sie erfinden sich ja auch immer wieder neu mit ihren unterschiedlichen Modemessen. Wie schaffen Sie es immer wieder neue Visionen zu verwirklichen?

Ich kann nicht anders. Es ist ein großer Teil meiner Persönlichkeit, weil ich so wahnsinnig neugierig und schnell gelangweilt bin. Es ist wichtig, sich stetig weiterzuentwickeln. Die Modebranche ist so schnell, da ist Stillstand keine Option.

Das Interview mit Anita Tillmann führte Julia Vismann

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