Seth Carico singt in Tod in Venedig (Quelle: imago/Stefan Zeitz)

Premiere an Deutscher Oper Berlin - Seth Carico singt sieben Rollen in "Tod in Venedig"

"Tod in Venedig": Thomas Manns berühmte Novelle hat Benjamin Britten vertont. Am Sonntag hat das Werk Premiere in der Deutschen Oper Berlin. Gleich sieben Rollen in dieser Oper singt und spielt der amerikanische Bassbariton Seth Carico. Von Maria Ossowski  

Seth Carico ist ein Phänomen. Der 35-jährige aus Chattanooga Tennessee kann nahezu alle Rollen seines Fachs singen, den Torero aus "Carmen", genauso wie Biterolfs Lied aus Wagners "Tannhäuser". Gleich sieben Rollen verkörpert er in Brittens 1973 uraufgeführter Oper "Tod in Venedig": einen Reisenden, einen ältlichen Geck, einen Gondoliere, den Hotelmanager, einen Friseur, einen Straßensänger und die Stimme des Dionysos.  

Ensemble ist wie eine Familie

Der Trick sei, Übergänge zu finden zwischen den einzelnen Figuren, so Carico. Britten habe die Personen musikalisch ganz klar gezeichnet und ihre Art zu singen unterscheide sich. "Bei den ersten Figuren bin ich während des Wechsels noch auf der Bühne. Dieser Wechsel von einer Person zur nächsten ist aber keine große Sache. Es sind die inneren Monologe, die erzählen, wie ich von einem Charakter zum nächsten komme."

Seit sieben Jahren ist Carico Mitglied im Ensemble der Deutschen Oper, seine Kassandra in der Oresteia war für den renommierten Faustpreis nominiert. Carico braucht das Ensemble.

"Es ist wie eine Familie, man beobachtet, wie die Familienmitglieder Erfolg haben, sich entwickeln. Und wir sind alle füreinander da, wenn mal was nicht klappt. Letzte Nacht haben wir alle Cosi Fan tutte gesehen. Wir haben uns gefreut und unsre Freunde auf der Bühne lautstark unterstützt, denn wir kannten ja alle."

Mit Band durch die USA getourt

In der Deutschen Oper war er ein umjubelter Leporello im "Don Giovanni". Im April singt Carico den Gunther in Wagners "Götterdämmerung". Privat geht der hochcharmante Amerikaner allerdings auch gern in Clubs, sein Musikgeschmack hat sich allerdings vom Techno wegentwickelt. Folkmusik und Jazz interessiere ihn. Aufgewachsen sei er mit Blue Grass Musik, der populärsten amerikanischen Volksmusik. "Ich hab in einer Band gespielt, Bass. Wir sind durch die ganzen USA gereist, und ich hab Backup gesungen, weil ich der einzige war, der gut Falsett singen konnte."

Chor - Musical - Oper

Seine Eltern haben ihm den Weg geebnet vom Chorsänger und Musicaldarsteller bis hin in die Oper. Kürzlich hat seine Mutter ihn in Berlin besucht. "Sie ist so toll, sie wollte eigentlich in einer Woche Don Giovanni, Vasco da Gama und Tannhäuser sehen, weil ich in allen drei Produktionen auch dabei bin. Aber dann war sie so angefixt, dann hat sie auch noch den Barbier von Sevilla gesehen und den Figaro, ich war so stolz auf sie, alles in einer Woche, sie hat's geliebt."

Beitrag von Maria Ossowski

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