Dave Gahan performt mit Depeche Mode im Funkhaus in Berlin (Quelle: Imago/Gartner)
Audio: Radioeins | 18.03.2017 | Marco Seiffert

Intimes Konzert in Berlin - Depeche Mode so nah und doch so fern

Zur Veröffentlichung ihres neuen Albums "Spirit" haben Depeche Mode ein kleines Konzert im Funkhaus Berlin in der Nalepastraße gegeben. Dieser Gig war so exklusiv, dass zwei Fans sogar extra aus Kanada angereist sind, um der sonst so fernen Band nah zu sein.

Es war einer der größten Momente für 1.000 Depeche Mode-Fans, die am Freitagabend im ehemaligen Sitz des DDR-Rundfunks in Berlin dabei sein durften. Das britische Synthie-Pop-Trio hat seine neue Platte "Spirit" bei einem kleinen intimen Konzert präsentiert. Karten gab es nur zu gewinnen, etwa beim rbb-Sender Radioeins.

Mehr als 12.000 Hörermails gingen allein bei den Hörfunkern in Potsdam ein, die alle bei diesem Gig in der Nalepastraße dabei sein wollten, wie Radioeins-Moderator Marco Seiffert am Samstagvormittag berichtete. Seiffert war einer dieser 1.000 Auserwählten und ist selbst großer Depeche Mode-Fan.

Ticket bei Ebay für 1.200 Euro aufgetaucht

Vor den Türen des Funkhauses in Oberschöneweide hatten sich am Freitagabend herzzerreißende Szenen abgespielt, so Seiffert weiter. Ein Radioeinshörer habe erzählt, er hätte extra die ganze Woche Urlaub genommen, um immer dann Mails schreiben zu können, wenn ein Depeche Mode-Song im Programm gelaufen ist -  gewonnen habe er trotzdem nicht.

Bei Ebay tauchte laut Seiffert eine dieser kostenlosen Karten für das Konzert in Berlin für 1.200 Euro auf. Dieser Verkauf sei jedoch wieder gestoppt worden. Auch zwei Kanadier seien dabei gewesen. Sie hatten bei einem Gewinnspiel zwei Tickets gewonnen und sind extra für das Konzert nach Berlin rübergeflogen, so Seiffert.

Grit (48) - Hardcore-Fan aus Biesdorf - hatte ebenfalls ein Ticket gewonnen. Sie erzählte dem rbb-Moderator, dass sie immer zu mehreren Konzerten auf jeder Tour von Depeche Mode fahre. Ihr erstes sei 1988 in der Werner-Seelenbinder-Halle in Ost-Berlin gewesen. 

Normalerweise spielt die Band in großen Stadien. Aber ein so intimes Konzert habe Grit noch nie erlebt: "Ich kann es gar nicht fassen und glauben, dass ich hier wirklich stehe mit diesen paar hundert Leuten."

Dave Gahan macht einen auf Dandy

Punkt 20 Uhr ging das Konzert los. Dave Gahan (54) zeigte sich angezogen wie ein Dandy: Schwarzes Haar mit viel Pomade, dunkles Schnauzbärtchen, schmale schwarze Hosen mit roten Streifen am Rand, rote Weste, rote Metallic-Glanzschuhe. Er tänzelte über die Bühne, schwang die Hüfte, fasste sich in den Schritt. Kaum wahrzunehmen waren seine Bandkollegen Martin Gore - graues Shirt und schwarze Hose – sowie Andy Fletcher - ganz in schwarz, mit Sonnenbrille und Bauchansatz. Außerdem machte Fletcher am Synthesizer irgendwie nichts. Unterstützung bekam das Trio von einem weiteren Mann am Synthesizer und einem Gitarristen.

Das Konzert sollte eigentlich der Promotion für die neue Platte "Spirit" dienen. Deshalb sollten auch nur neue Songs gespielt werden. Das Konzert begann zunächst auch mit drei  neuen Stücken und dann folgten aber auch schon Klassiker wie "World in my eyes". Am Ende des Konzerts waren es elf Lieder, davon fünf neue, darunter die Single "Where ist the revolution". Die stimmungsmäßigen Höhepunkte des Konzerts waren aber alte Stücke wie "Walking in my shoes" und "Personal Jesus". Politische Botschaften in den Pausen zwischen den Songs gab es nicht, obwohl die Platte ungewohnt politisch ist. Gahan sagte nur "Good Evening Berlin" und ein paar Mal "Thank you!!!"  

Brexit und Trump haben Spuren hinterlassen

35 Jahre ist die Band inzwischen alt. Das aktuelle Album ist das 14. Studioalbum. Mit "Spirit" legen Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher ein ungewohnt politisches und ernstes Album vor. Angst ist das Grundthema der Songs. Depeche Mode bewegt die Frage, wie man in diesen schwierigen Zeiten seinen "Spirit" behält und warum so viele Menschen ihn bereits verloren haben. Brexit und Trump haben auch bei Depeche Mode ihre Spuren hinterlassen.

Ein Großteil des Albums erzählt von Menschen mit vergifteten Herzen, von zu viel Liebe, von persönlichem Leid und Tod, hat aber auch politische Botschaften. Die erste Single "Where's The Revolution" ist so eine. Sänger Dave Gahan verbindet in der Strophe politische und persönliche Missstände, um dann im Refrain zu fragen: Wo ist sie, die Revolution?

Nur noch wenige Tickets für Stadiontour

James Ford von Simian Mobile Disco hat das Album produziert und der Band soundtechnisch neue Wege eröffnet. Ford ist ein erfolgreicher Mann im Musikbusiness. Er hat auch Alben von Florence and the Machine und den Arctic Monkeys produziert.  

Für alle, die Depeche Mode in der realen Welt sehen wollen, empfiehlt sich ein Blick auf die Band-Website. Ab Mai ist Depeche Mode auf Global Spirit Tour. Allerdings ist das Konzert am 22. Juni im Berliner Olympiastadion bereits ausverkauft. Aber es gibt noch ein paar Tickets für Konzerte in anderen deutschen Städten.  

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

6 Kommentare

  1. 6.

    @Benjamin Yu: du bist kein aufmersamer rbb/24 Betrachter. Du bist ein Fan. Danke dir lieber Fan. Ich bin auch Fan ;-)

  2. 5.

    och Mensch, ich wollte jetzt keinen großen Dialog anfangen. Also, auf die schnelle verifiziert: Unterstützt werden DM live schon seit der 1998er Tour von Peter Gordeno (Keyboard) und Christian Eigner (Schlagzeug), NICHT von einem Gitarristen. Wikipedia sollte man ja nicht als wissenschaftliche Quelle angeben, aber in dem Fall sind die Angaben sehr zuverlässig ;-)
    Die Setlist findet man z.B. auf depechemode.de, direkt als 2. News. Wahrscheinlich hat Herr Seiffert den 3. Song (Corrupt) als Neu eingestuft, der ist allerdings vom vorletzten Album.
    Nein, ich hatte nirgendwo Glück, war daher nicht auf dem Konzert, habe aber schon 6 oder 7 mal die Aufzeichnung angesehen. Die obigen Antworten hätte aber wohl jeder Durchschnittsfan geben können. Übrigens steht im Text immer noch "Where is"T" the Revolution" ... Jetzt soll´s aber auch mal gut gewesen sein

  3. 4.

    Ihre Kritikpunkt können wir auf die schnelle nicht verifizieren. Deshalb trotzdem Danke fürs aufmerksame Lesen und die Halle wird noch gekoppelt. Für den Rest müssten wir uns das ganze Konzert nochmal ansehen, um zu verstehen, ob wirklich nur Martin Gore an der Gitarre stand und nicht noch jemand anderes. Waren Sie dort?

  4. 3.

    Danke für die schnelle Reaktion und auch das Feedback, aber es ging doch primär um die inhaltlichen Fehler, die ihr bis auf einen nicht korrigiert habt. "Unterstützung bekam das Trio von einem weiteren Mann am Synthesizer und einem Gitarristen." Der Punkt ist doch, dass der "Gitarrist" Martin Gore selbst ist. Dafür wurde der Schlagzeuger unterschlagen. Da hätte man dann auch diesen und den Synthesizer-Mann namentlich erwähnen können, sind immerhin auch schon 20 von 37 Jahren live mit dabei ...
    Und es wurden halt auch nur 2 neue Songs am Anfang und insgesamt 4 neue Lieder gespielt. 3 neue und insgesamt 5 ist einfach falsch vom Autor aus dem Bericht von Marco Seiffert übernommen.
    Die Typos waren doch nur das I-Tüpfelchen, finde da etwas spitz, dass ihr 4 korrigierte Punkte erwähnt und euch fürs aufmerksame Lesen bedankt. Wenn wir schon dabei sind: Werner-Seelenbinder-Halle, Where is the Revolution

  5. 2.

    Lieber Benjamin,

    wir haben im DM-Artikel drei Vertipper und die fehlende Endung am Gitarristen korrigiert. Den Sinnfehler mit dem Stadion ebenfalls. Danke fürs aufmerksame Lesen.

  6. 1.

    Für Qualität zahle ich gerne meinen Rundfunkbeitrag, aber was der Verfasser dieses Berichtes abgeliefert hat, ist objektiv gesehen eine Frechheit. Der rbb ist immerhin Präsentator des Konzertes gewesen und da erwarte ich erst recht, dass "sauber" gearbeitet wird. (Tipp)Fehler sind menschlich, aber mehr als ein halbes Dutzend sind schon happig, oder? Dazu kommen noch etliche inhaltliche Klöpse, die im folgenden Satz ihren Höhepunkt finden: "Unterstützung bekam das Trio von einem weiteren Mann am Synthesizer und einem Gitarrist" (sic! Fehler schon im Originaltext). Eine Aussage von Marco Seiffert wird auch noch verfälscht wiedergegeben. In dem Audio auf der Seite sagt er, dass ein intimes Konzert eigentlich vor 20.000 Leuten in der Waldbühne wäre, DM aber heutzutage in großen Stadion spielen. 1 vom Autor übernommener Fehler kam aber von Seiffert selbst, das Konzert fing mit 2 neuen Songs an und daher waren es letztendlich auch nur 4 und nicht 5 ...

Das könnte Sie auch interessieren

Der Pianist Alfred Brendel (Quelle: rbb/Stilbruch)

Hommage an den Pianisten Alfred Brendel - "Ich war kein Wunderkind"

Alfred Brendel ist schon zu Lebzeiten eine Legende. Der heute 86-jährige Pianist ist nicht nur ein weltweit geschätzter Interpret von Beethoven, Schubert oder Mozart, sondern auch Zeichner, Sammler und Dichter. Das Konzerthaus Berlin widmet ihm jetzt eine große Hommage. Von Steffen Prell