Gruppenfoto der Künstlerinnen von "Female Voice of Iran" (Quelle: Neda Navaee)
Audio: Inforadio | 16.03.2017 | Judith Kochendörfer

Festival "Female Voices of Iran" - Starke Stimmen aus dem Iran betören Berlin

Frauen ist es im Iran verboten, allein vor Männern zu singen. Hier zum Glück nicht: Bis Sonntag treten iranische Sängerinnen beim Festival "Female Voice of Iran" in der Villa Elisabeth auf. Judith Kochendörfer hat die Musikerinnen vorab getroffen.

Vergangenen Mittwoch landete ein Flugzeug aus Teheran in Berlin. An Bord waren über 40 Musiker: neun Sängerinnen mit ihren Bands.

Teilweise haben sich diese erst auf der Reise kennengelernt. "Ich glaube, dass keiner von diesen Musikern vorher miteinander musiziert hat", sagt Golnar Shahyar. Dem Namen nach würden sie sich zwar kennen, erklärt die Sängerin, aber sie hätten sich eben nie getroffen.

Viele Musiker kennen sich - haben aber nie miteinander musiziert

Shahyar wurde im Iran geboren, lebt aber inzwischen in Wien. Zusammen mit zwei anderen Gruppen wird ihre Band das Festival "Female Voice of Iran - Frauenstimmen des Iran" am Donnerstag eröffnen. Golnar Shahyars Musik ist beeinflusst vom Jazz und der Folklore anderer Länder. Im iranischen Gesangsstil gibt es hauptsächlich zwei Richtungen. 

"Ich kann die Gesangarten im Iran in traditionell und Folklore unterteilen", so die Musikerin. "Traditionell ist etwas, das man jahrelang studiert, es gibt Theorien. Und Folklore ist etwas, das zu bestimmten Regionen vom Iran gehört. Es geht von Herz zu Herz weiter."

"Viele sind das erste mal außerhalb vom Iran"

Veranstaltet werden die drei Tage voller Konzerte, Filme und Workshops von der Zeitgenössischen Oper Berlin und zwei Kuratorinnen, von denen eine, Cymin Samawatie, in Deutschland geboren und aufgewachsen ist und auch als Sängerin auftreten wird.

"Unser Hauptschwerpunkt war, dass wir Frauen präsentieren, die einen ganz unterschiedlichen Background haben, stilistisch, auch von der Art, wie sie sozialisiert sind. Manche kommen aus der Hauptstadt Teheran, manche aus dem Süden, und manche reisen ganz viel und für andere ist es wiederum das erste Mal, dass sie außerhalb vom Iran sind", erzählt Cymin Samawatie.

Festival mit einer Besonderheit

Die Sängerinnen geben nicht nur Solokonzerte, sondern - eine Besonderheit für ein Festival: Sie musizieren auch gemeinsam. Am Sonntag finden sich die iranischen Bandmitglieder und Berliner Musiker im Orchester zusammen. Die Sängerinnen bilden einen Chor, um eine Komposition von Cymin Samawatie aufzuführen.

Solistisch vor teils männlichem Publikum aufzutreten, ist Frauen im Iran seit 1979 nicht erlaubt. "Eine Frau darf vor Frauen singen, und eine Frau darf dann auch vor Männern singen, wenn sie nicht alleine singt, sondern in einen Chor eingebunden ist", erklärt Samawatie.

Fokus auf der Musik, nicht auf Politik

Ihr Gefühl sei aber, dass es derzeit etwas einfacher werde. "Warten wir mal ab, wie die Wahlen im Mai laufen. Aber im Grunde kriegt Kultur und Kunst einen etwas größeren Raum", so die Musikerin.

In Berlin singen die iranischen Frauen nun drei Tage lang auch vor männlichem Publikum. Schwierigkeiten befürchtet Kuratorin Cymin Samawatie deshalb aber nicht. "Unser Festival ist nicht politisch, unser Fokus ist einfach auf der Schönheit der Musik, der Stimme, der Instrumente."

Beitrag von Judith Kochendörfer

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