Franziska Pollin, Foto: Pressefoto
Audio: Antenne Brandenburg | 7.3.2017 | Interview Franziska Pollin

Popbeauftrage will Musiker vernetzen - 32 Stunden in der Woche für den Brandenburger Pop

Brandenburg hat jedes Jahr 50 Open-Air-Musik-Festival. Potsdam hat zu wenig Proberäumen. Elsterwerda hat zwar Platz, aber keine Bands. Themen, um die sich die Popbeauftrage kümmert. Davor macht sie aber erstmal Werbung für Brandenburg in Texas.

Seit acht Monaten hat Brandenburg eine Popbeauftrage. Sie heißt Franziska Pollin und stammt ursprünglich aus Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern). In Brandenburg lebt sie aber schon länger, studierte Medienwissenschaft in Potsdam.

Pollins Job ist neu. Ihre Aufgabe eine Art Lobbyarbeit für Popmusiker in Brandenburg. Ihre Stelle hat 32 Stunden in der Woche, bezahlt wird sie vom Kulturministerium.

Digitale Landkarte sämtlicher Bands im Land

Zunächst will sich Pollin um eine Bestandaufnahme der Szene kümmern. Das erzählte sie am Montagabend dem rbb. Dafür ist sie quer durchs Land gefahren - in der Uckermark und der Prignitz fehlen aber noch ein paar Flecken. Aktuell hat sie gerade ein einwöchiges Hip-Hop-Camp in Elsterwerda organisiert. Aber Pollin will noch viel mehr.

Im Gespräch mit Antenne Brandenburg bezeichnet sie sich selbst als die personifizierte Vernetzung von Musikern. Jetzt kümmert sie sich auch um die digitale Vernetzung und lässt dafür eine Landkarte für Brandenburg erstellen. Die soll Anfang März online gehen. Die Seite soll ständig erweitert werden soll. Sämtliche Bands des Landes sollen aufgenommen werden, um so Anlaufpunkt und Vernetzungspool in einem zu sein.

Szene braucht eine Professionalisierung

Als Pollin ihren Job anfing, ist sie mit einer Flut von Band-Anfragen konfrontiert worden. "Die wollten alle Auftrittsmöglichkeiten, aber ich bin keine Bookerin", sagt sie. Sie betreibe Netzwerk-Arbeit und will Bands für Festivals anpreisen und sie vermitteln. Franziska Pollin merkt jetzt schon, dass es schwierig ist, allen gerecht zu werden. "Eigentlich bräuchte ich einen Mitarbeiter".

Was die Popbeauftragte nach den ersten Monaten aber schon sagen kann, ist, dass die Szene eine Professionalisierung braucht. Deswegen bietet sie auch Workshops an, in den erklärt wird, wie ein Veranstaltungsplan aussehen muss und was man beim Vertragsrecht oder bei der Musikverwertung GEMA beachten muss.

"Ich kümmere mich um alles, außer Schlager, Volksmusik und Klassik"

Musikalische Akteure gibt es in Brandenburg jede Menge. Bei einem Festival-Nachtreffen im vergangen Herbst hatte Pollin 22 Festivalmacher zu Gast. Jedes Jahr gibt es allein 50 Festivals, die Populär-Musik auf die Bühne bringen. Brandenburg ist führend bei elektronischer Musik, aber auch Weltmusik spielt eine Rolle. Die Popbeauftragte hat sich deshalb vorgenommen, das negative Image des Pop zu bekämpfen. "Ich kümmere mich um alles, außer Schlager, Volksmusik und Klassik".

Für diesen Herbst hat sie sich vorgenommen ein Showcase mit mehreren Brandenburger Bands zu organisieren. Sie sollen an zwei Tagen vor Veranstaltern und Bookern - auch gerne internationalen - auftreten und sich präsentieren, "um zu zeigen, dass es in Brandenburg starke Bands gibt".

Popbeauftragte möchte irgendwann Stipendien vergeben

Jetzt im März fliegt Pollin aber erstmal in einer Berlin-Brandenburg-Delegation nach Texas zum "South by Southwest" – der größten internationale Fachtagung mit Festival und Konferenz für Musik, Medien und Film. Nur weil sie in einer gemeinsamen Delegation mit Berlin unterwegs ist, heißt das aber nicht, dass sie auf der Haupstadtwelle mitreiten will. Das hält sie nicht für besonders fruchtbar. "Brandenburg wird niemals ein Club-Bundesland sein, weil es zu sehr in die Fläche geht, das ist aber auch nicht schlimm."  

Zudem hat ihre Kollegin vom Berliner Pendant "Musikboard", Katja Lucker, ein jährliches Budget von zwei Millionen Euro zu Verfügung. Die Brandenburger Popbeauftragte habe nur ein paar tausend Euro. Katja Lucker habe aber auch nicht bei zwei Millionen angefangen". Franziska Pollin glaubt, dass sie irgendwann auch mal ein größeres Budget zur Verfügung hat und damit Stipendien für Musiker anbieten oder spezielle Projekte fördern kann.

Proberäume in Potsdam sind knapp

Außerdem gibt es schon jetzt eine Menge Fördermöglichkeiten in Brandenburg. Man müsse sich nur an sie wenden, sagt Pollin. Ob sie Potsdamer Bands Proberäume beschaffen kann, bezweifelt sie allerdings selbst. Der Bedarf sei groß, aber es gebe keinen Platz. Sie hofft nun auf ein geplantes Zentrum für Popularmusik, das entstehen soll, für das es aber auch noch keinen Standort gibt.

Bis dahin müssen die Bands sich Fahrgemeinschaften in andere Teile des Landes organisieren. In Elsterwerda etwa hat Franziska Pollin gerade von der Jugendkoordinatorin gesagt bekommen: "Die ziehen hier alle weg".

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