Sven Marquardt, Berliner Türsteher im Club Berghain und Fotograf (Quelle Archivbild: imago/Eibner)

Sven Marquardts Abschlussprojekt der Ostkreuzschule - Vom Berghain-Türsteher zum Fotografie-Dozenten

Der prominente Fotograf und Berghain-Türsteher Sven Marquardt ist nicht mehr so oft am legendären Club Berghain, denn er unterrichtet an der Ostkreuzschule für Fotografie. Am Freitagabend zeigen seine Studenten die Ausstellung "Tod – Leben – Auferstehung". Von Vanessa Klüber

Ein Projekt hat Sven Marquardt, prominenter Türsteher im Berliner Club Berghain und Fotograf, besonders beeindruckt, vielleicht auch beeinflusst. Eine seiner Teilnehmerinnen an der Ostkreuzschule, an der Marquardt seit März 2015 Fotografie unterrichtet, hat ihren Vater fotografiert. "Sie hatte ihn viele Jahre lang nicht gesehen. Dann besucht sie ihn im Heim. Es ist eine Gegenüberstellung mit der Kamera. Das hat mich sehr berührt. Ich fand das sehr mutig. Sie hat sich auch selbst in Frage gestellt: 'Ist es gut, wenn ich im Moment der Wiederannäherung auf den Auslöser drücke?' Ich finde das sehr privat. Und solche Dinge können sehr verstörend sein."

Marquardt selbst hat seinen Vater viele Jahre nicht gesehen. "Aber ich würde nie mit einer Kamera hingehen, wenn ich ihn sehen würde", sagt er.

Marquardt wollte keine klassische Rollenverteilung

Dass er nicht nur lehrt, sondern auch von den Fotografie-Studenten lernt, war das Ziel. Die besondere Herausforderung für ihn: 14 andere Fotografen bis zum Ende, zur Ausstellung, zu begleiten. "Das war bei mir auch mit Zweifeln behaftet", sagt Marquardt. "Sonst bin ich immer nur für mich selbst verantwortlich." 13 Mal hat das funktioniert, einmal nicht: Ein Student sei ihm abgesprungen, die Zusammenarbeit habe nicht funktioniert. "Aber auch das gehört dazu", sagt der Fotograf. Die Erwartungshaltungen hätten sich unterschieden.

Marquardt wollte keine klassische Schüler-Dozenten-Rolle. "Ich kann nur für mich sagen: Ich wollte da mitarbeiten. Ob das mehr oder weniger mit meinem aufgeblasenem Ego zu tun hat, kann ich nicht sagen." Seine übrig gebliebenen Studenten hätten das als sehr angenehm empfunden.

David Wittenburg ist einer von ihnen. Er hatte sich beim Marquardt-Seminar beworben und wurde genommen. Als der prominente Fotograf ein zweites anbot, wollte er wieder teilnehmen. Bevor die Seminare starteten, habe er die Biografie von Marquardt gelesen, "damit man weiß, wen man da vor sich hat", so Wittenburg. Er hat sich dann mit dem Thema "Unbeachtet" auseinandergesetzt: Unbeachteten Dingen im Stadtraum schenkt er also mit seinen Fotografien besondere Aufmerksamkeit. Zum Beispiel einer alten Hausfassade, die sich in einem Fenster mit Gardine widerspiegelt. Marquardt beschreibt er als "sehr nette Persönlichkeit, als umgänglichen und sensiblen Menschen, der zuhört und seine Meinung sagt". Als Dozent habe er nicht "das harte Türsteher-Ding" gemacht. "Er war einer von uns", so Wittenburg.

Leben, sterben, auferstehen, ansehen

Ausstellung am Freitagabend um 20 Uhr

Das Arbeitsklima ist zusammengefasst wohl wenig hierarchisch, thematisch sehr frei und inhaltlich wenig technisch, sondern eher um die Ästhetik der Bilder bemüht gewesen. Trotzdem war Marquardt als Dozent engagiert. Ist er streng? "Es gibt einen Punkt, an dem ich fordernd sein kann. Wenn ich das Gefühl habe, die Leute schieben den Einstieg zu lange vor sich hin, werde ich ungeduldig." Außerdem merke er, wenn sich jemand richtig in die Fotografie hineinkniet oder eine Blockade habe. Er selbst meide die Dokumentation von echten Gefühlen wie Sehnsucht, Liebe, Verlassenheitsgefühle. Sein Thema seien inszenierte Bilder von Menschen.

Am Freitagabend um 20 Uhr ist beides in der Kantine des Berghain zu sehen, seine Bilder und die Bilder der Studenten, mit denen er die letzten Monate verbracht hat. Der Titel der Ausstellung: "Tod – Leben – Auferstehung".

Nach der eintägigen Schau endet Marquardts Dozententätigkeit. Danach sei wieder Zeit für neue Herausforderungen – doch, so Marquardt, die Tür zur Ostkreuzschule sei nicht verschlossen.

Beitrag von Vanessa Klüber

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Der Pianist Alfred Brendel (Quelle: rbb/Stilbruch)

Hommage an den Pianisten Alfred Brendel - "Ich war kein Wunderkind"

Alfred Brendel ist schon zu Lebzeiten eine Legende. Der heute 86-jährige Pianist ist nicht nur ein weltweit geschätzter Interpret von Beethoven, Schubert oder Mozart, sondern auch Zeichner, Sammler und Dichter. Das Konzerthaus Berlin widmet ihm jetzt eine große Hommage. Von Steffen Prell