Die Alte Münze, Berlin (Quelle: imago/PEMAX)
Audio: Inforadio | 20.04.2017 | Anna Pataczek

Kultursenator Lederer will nicht - Schlechte Karten für Till Brönners "House of Jazz"

Der Startrompeter Till Brönner und der frühere Kultursenator Tim Renner hatten sich überlegt, die "Alte Münze" in Berlin-Mitte zu einem "House of Jazz" umzuwidmen. Der Bund hat schon Gelder bewilligt dafür. Doch der jetzige Kultursenator Klaus Lederer will es anders.

Die frühere Münzprägeanstalt in Berlin-Mitte, die Alte Münze, soll keine zentrale Spielstätte für Jazz werden. Wie Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) am Donnerstag sagte, will er ein Finanzierungsangebot des Bundes für das "House of Jazz" so nicht annehmen.

Es stehen 12,5 Millionen Euro zur Verfügung

Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat für das Projekt von Startrompeter Till Brönner bereits 12,5 Millionen Euro bewilligt.  Lederer möchte das Geld stattdessen verwenden, um das Gebäude zu einem Kultur- und Kreativhaus umzubauen. Man brauche nicht nur Leuchttürme, sondern vor allem Arbeits- und Produktionsräume für Musiker der freien Szene, sagte Lederer zur Begründung. "Natürlich freuen wir uns, wenn der Bund uns bei der Entwicklung kultureller Areale unter die Arme greift", so Lederer. "Die Berliner Kulturpolitik ist eigenständig", sagte Lederer am Donnerstag im rbb. "Was überhaupt nicht funktioniert und wo wir auch extrem allergisch reagieren ist, wenn uns gesagt wird 'Hier habt ihr Geld, aber das gibt es nur für A. Und wenn ihr B machen wollt, dann müsst ihr sehen, wo ihr bleibt", so Lederer. Aber man lasse sich keine Vorschriften machen, wo und wie Areale entwickelt werden. "So kann auch der Bundestag nicht mit Berlin umspringen".

Brönner hatte in Absprache mit dem früheren Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) die Alte Münze in der Nähe der Roten Rathauses zu einer zentralen Spielstätte für den Jazz ausbauen wollen.

Derzeit wird das Gelände für Events genutzt

Der Berliner Immobiliendienstleister BIM, der das Areal bewirtschafte, arbeite mit den verschiedensten Beteiligten derzeit an einem Konzept, sagte Lederer. Allerdings seien für die Sanierung des Geländes öffentliche Gelder nötig. "Wie das mit den Vorstellungen des Bundes zusammengeht, darüber bin ich gern bereit zu sprechen", so der Senator. "Wir können jedoch nicht sanieren und die Kosten auf die künftigen Nutzer umlegen. Das wäre unbezahlbar."

In dem denkmalgeschützten Gebäude am Molkenmarkt in der Nähe des Roten Rathauses wurden das Münzgeld der DDR und später auch D-Mark- und Euro-Münzen geprägt. Seit mehreren Jahren wird das rund 18.000 Quadratmeter große Haus unter anderem für Events zwischengenutzt.

Sendung: Inforadio, 20.04.2017, 14 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

3 Kommentare

  1. 2.

    Bisweilen hat der Kultursenator ganz gut agiert .
    Jedoch die Abneigung der linken gegen Prominenz wie Herrn Brönner wird dann in der Kultur dazu führen das die Künstler in andere Städte abwandern und Berlin weiter austrocknet und nur noch extreme oder gerne linke Themen gefördert werden zu dem Jazz ja in Berlin nicht gehört (was geschichtlich völlig falsch ist).

  2. 1.

    Es gilt doch nach wie vor der alte Spruch: "Wer die Musik bezahlt, bestimmt das Programm". Es ist doch vollkommen klar, dass ein Geldgeber ein entscheidendes Wort mitzureden hat, was für ein Konzept mit diesem Geld verwirklicht wird. Wenn Berlin das Geld nicht haben möchte, muss der Senat eben eigene Kohle auftreiben.

    Jedenfalls sollte auch für Künstler gelten: Wenn man vernünftige Räumlichkeiten nutzen möchte, dann muss man die dabei entstehenden Kosten auch irgendwie tragen können, zumindest zum größten Teil. Kunst ist schön, darf aber nicht "von Lederers Gnaden" stattfinden. Jeder andere Selbständige muss für sein Büro oder seine Werkstatt auch die Kosten tragen.

Das könnte Sie auch interessieren