Szenenfoto: Life is a bitch - (Bild: Vagantenbühne Berlin)
Audio: Inforadio | 20.04.2017 | Ute Büsing

Theaterkritik | Berliner Vaganten Bühne - "Life is a bitch" will zu viel und verstolpert sich

Uraufführungen sind in der Berliner Vaganten Bühne selten. Das Stück "Life is a bitch - oder wie ich gestern meine Zukunft fand" ist zudem auch noch das Theaterdebüt von Regisseur Jan Bolender. Kritikerin Ute Büsing hat sich diese Zeitreise angesehen.

Irgendwie scheint das Thema in der Luft zu liegen: Was wäre gewesen, wenn? Wie wäre es, wenn man die Zeit einfach zurückdrehen und alles noch einmal auf Anfang stellen könnte?! Zeitreisen unternehmen, nicht als Flucht aus der schlechten Gegenwart, sondern um Weichenstellungen zu ändern.

Bei "Life is a bitch" jedenfalls begegnet eine depressive gescheiterte Malerin von Ende 40 nach einem Fenstersturz ihrem 20 Jahre jüngeren Selbst, das noch unbekümmert vor sich hin puzzelt. Die Alte greift zunehmend ins Liebes- und Künstlerleben der Jungen ein, pfuscht ihr ins Handwerk. Um die Junge vor dem Schlimmsten zu bewahren, oder um sich selbst zu retten?

Überzeugende Dialogimprovisation

Bei diesem gut 90minütigen Trip in Multi- und Paralleluniversen wird ganz schön Verwirrung angerichtet. Es hat was, wie sich da auf der Bühne zwei zunächst konträr erscheinenden Frauenleben zu einem siamesischen Zwilling verbinden, sich nach anfänglicher Abstoßung sogar zu verbünden scheinen. Wir sehen zwei starke Schauspielerinnen, Sarah Alles als lebenslustiges Anything Go's-Girl und Nicole Marischka als zugedröhnte desillusionierte Loserin. Gemeinsam mit Autor und Regisseur Jan Bolender haben sie den schwierigen Stoff in Dialogimprovisationen entwickelt.  Der Spaß, den sie dabei gehabt haben müssen, überträgt sich auf die Zuschauer - auch in den düsteren Passagen.

Theater-Debüt von Jan Bolender

Aber dann wird diese Reise in die Vergangenheit und in die Zukunft unnötig aufgepeppt durch trashige Talk-Show-Einlagen namens "Wetten, dass nicht...?" und "Nur die Liebe fehlt". Da werden die Damen und ihre Neurosen von Psycho-Klempnern veralbert, oder so. Kann auch sein, dass alle nur Stimmen im Kopf der Lebensmüden sind: ihre Jugendliebe, der tragisch endende Dichter ebenso wie der ihrer Malerei und Gefühlswelt fremde Vater.

Dieses Theaterdebüt des bisher als Macher von Psycho-Filmen aufgefallenen Jan Bolender will einfach zu viel und verstolpert sich dabei. Für die Vaganten Bühne ist die schrille schnelle Inszenierung mit ihrer noch unausgereiften Formensprache ein Wagnis - aber ein allemal lohnendes.

 

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