Besucher des Melt-Festivals feiern vor der Kulisse eines riesigen Tagebaubaggers. (Quelle: rbb/Laurina Schräder)

20 Jahre MELT!-Festival - Feiern in Regen und Nebel

Das Elektro-Pop-Festial MELT! 2017 startet mit einer verregneten Partynacht und internationalem Publikum. Statt Freibier oder Torte gibt es Geburtstags-Kunst - und die hüllt die Besucher erst mal in dichten Nebel. Von Laurina Schräder

"Wenn euch schlecht wird, geht zum Ende der Reihe, tastet euch an dem Seil entlang, das wir gespannt haben. Die Securities werden euch aus dem Raum begleiten." Etwa 20 Minuten nach der Einführung zur Kunst-Installation FEED II füllt sich die alte Halle - die Ferropolis-Orangerie - auf dem ehemaligen Gelände des Braunkohletagebaus in Gräfenhainichen (Sachsen-Anhalt) bis zur Decke mit Nebel. Erst verschwinden die Menschen in der Vorderreihe, kurz später ist nicht einmal mehr die eigene Hand zu erkennen. Zum dröhnenden Bass aus den Lautsprechern blitzt das Licht des Stroboskops. 

Die Licht-Raum-Installation FEED II des Künstlers Kurt Hentschläger ist das Kernstück des neuen Art Space auf dem MELT!-Festival. Welcher wiederum, laut Veranstalter, der endlich selbst erfüllte Wunsch ist, die Orangerie von Ferropolis in einen Ort für zeitgenössische Kunst umzuwandeln. Die Besucher der zweiten Vorführung um ein Uhr am Samstagmorgen freut's. Sie bejubeln die Installation, einige fordern sogar mehr davon, bevor sie nach den etwa 45 Minuten im sich lichtenden Nebel von ihren Stühlen aufstehen und sich am Seil entlang nach draußen tasten.

DIY-Festivaloutfit: Regencape

Während ein Teil der Festivalbesucher mit einem der Gratis-Tickets im Art Space gesessen und dort diesem Ambient-Rauschen und -Bass der Performance zugehört hat, ist das vorherrschende Geräusch auf dem Rest der Festivalfläche ein anderes. Ständig werden Plastik-Capes aus ihren Verpackungen geholt und mit lautem Knistern und Rascheln übergezogen. Einige Besucher ziehen regentauglich ausgestattet direkt weiter zur Strandbühne, andere zur Sisyphos-Stage im Wäldchen der kleinen Halbinsel Ferropolis, der Stadt aus Eisen, wo man sich unter den Bäumen immerhin noch minimal vor dem zunehmenden Regen schützen kann. 

Viele der nahezu 20.000 Menschen aber verlassen bereits nach dem Auftritt der britischen Musikerin M.I.A. kurz nach Mitternacht das Gelände in Richtung Zeltplatz. Daraufhin sind selbst an den Toiletten auf dem Festivalgelände keine Schlangen mehr zu sehen. Auf dem Campingplatz geht die Party dafür mitunter in Pavillons und Vorzelten weiter. Zwischen einigen Zelten sind Geburtstagsgirlanden gespannt.

"Eine wunderschöne Erfahrung"

Immer wieder begegnet man Niederländern, Briten, Schweizern und Australiern, die laut Veranstalter mittlerweile knapp die Hälfte der Besucher des MELT! ausmachen. Sie kommen vor allem wegen der Industriekulisse und feiern die riesigen zurückgebliebenen Bagger ab. Wichtig sei aber auch die Musik. Headliner in diesem Jahr sind unter anderem Phoenix, Bonobo, Bilderbuch, M.I.A., oder Fatboy Slim. 

Neben der Musik hat sich das Programm drumherum und vor allem im Vergleich zu den Anfängen des Festivals verändert: Arts&Craft heißt der Bereich, unter dem Panel-Diskussionen zu Musikthemen laufen, Talks mit Künstlern stattfinden, aber auch Workshops angeboten werden wie DIY (Do It Yourself) Festival Outfits, Upcycling, Yoga oder Zeichenkurse.

"It is a beautiful experience. One thing, you've never seen before", heißt es weiter nach den Sicherheitsinstruktionen in der Einführung zu FEED II. Tatsächlich verschwindet der Raum um einen, und optische Grenzen verwischen hinter Nebel und Licht. Für einen Moment ist es, als könne man sich nahezu auflösen. Doch dann regnet es noch immer und die Wahl steht zwischen Müllsack zum Regencape upcyclen oder doch zurück zum Zelt. Zumindest am Samstag soll es aber nicht regnen.

Beitrag von Laurina Schräder

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