Der Sanierungsstand der Neuen Nationalgalerie am 24.07.2017 von innen (Quelle: rbb|24/Mark Allhoff)
Video: Abendschau | 25.07.2017 | Georg Berger

Neue Nationalgalerie in 360-Grad-Bildern - Der Mies-van-der-Rohbau

Wo sonst Kunst zu sehen war, ist im Moment fast nichts mehr: Die Neue Nationalgalerie in Berlin ist auf wieder in ihren Rohzustand versetzt worden. 2019 soll das Museum fertig sein. 360-Grad-Fotos von rbb|24 zeigen: Hier ist noch viel tu tun. Von Mark Allhoff

Alles musste raus: Böden, Türen, Zwischenwände - und natürlich auch die Kunst. Zwei Jahre nach ihrer Schließung ist die Neue Nationalgalerie in ihren Rohzustand zurückversetzt worden. "Es ist wie eine Zeitreise, zu sehen, wie der Rohbau in den 1960er Jahren gewesen sein muss", schwärmt Projektleiter Daniel Wendler vom zuständigen Architektenbüro David Chipperfield Architects.

Besondere Herausforderung bei der Sanierung ist die Tatsache, dass es sich bei der Neuen Nationalgalerie um einen denkmalgeschützten Bau handelt. Nun beginnt statt einem Neu- also der Wiederaufbau - mit zum Teil Original-Leuchten, Fliesen und Holztüren. "Es ist wie ein Puzzle, das nun wieder zusammengefügt werden muss. Natürlich mit allen Erweiterungen, die einem Museum dieser Zeit gerecht werden", sagt Wendler. Glücklicherweise hat jedes Teil eine 16-stellige Identifikationsnummer bekommen, damit es auch wieder seinen Originalplatz bekommt.

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Die Neue Nationalgalerie am Kulturforum gilt als prägend für die klassische Moderne und war eines der letzten großen Werke von Architekten-Ikone Ludwig Mies van der Rohe. Fast fünfzig Jahre nach deren Eröffnung wies sie allerdings enorme bauliche Mängel auf: Wände bröckelten, technische Anlagen gaben den Geist auf, die Brandschutzanlagen entsprachen nicht mehr den Regularien. Eine Sanierung wurde fällig - auch das Dach des Baus muss nun erneuert werden.

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Gut 100 Millionen Euro sind für die Sanierung vorgesehen - fast vollständig finanziert vom Bund. Bereits vor der Entkernung war klar: Die Wiederherstellung wird in enger Absprache mit Mies' Enkel Dirk Lohan erfolgen. Lohan ist nicht nur Zeitzeuge des Originalbaus, sondern leitete am Ende auch dessen Fertigstellung, da sein Großvater krank war.

Hinzu kommen eine niegelnagelneue Fußbodenheizung, mehr Fluchtwege und eine Cafeteria. In zwei Monaten beginnt außerdem die Demontage der Fenster, da das Glas zum Teil beschädigt ist. Nach Angaben Wendlers kann die spezielle Anfertigung nur ein einziges Unternehmen weltweit herstellen - und das sitzt in China.

Zutritt zur Neuen Nationalgalerie nur per Schleuse (Quelle: rbb/Mark Allhoff)
In die Hauptausstellungshalle kommt man gerade nur durch eine Schleuse

Jetzt noch wie ein Parkdeck, später voll mit Kunst

Insgesamt umfasst das Grundstück des Baus rund 10.000 Quadratmeter - davon knapp 7.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Diese liegt zu einem großen Teil unterirdisch.

Mit zwei Treppenhäusern an beiden Seiten wird die Hauptausstellungshalle mit dem Untergeschoss verbunden. Dort befinden sich künftig auch die Garderobe und ein Museums-Shop. Momentan gleicht die Halle allerdings noch einem riesigen Parkdeck.

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Ohne zeitliche Verzögerungen soll die Neue Nationalgalerie 2019 wiederhergestellt sein. Besucher könnten den Bau dann allerdings erst ein Jahr später betreten - so lange dauert es, bis die Ausstellung zur Wiedereröffnung eingerichtet ist.

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Sendung: Abendschau, 24.07.2017, 19.30 Uhr

Beitrag von Mark Allhoff

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1 Kommentare

  1. 1.

    Je mehr Gebäude der klassischen Moderne unter das Welterbe fallen, desto mehr, so glaube ich, müssen wir uns von der Vorstellung verabschieden, dass Welterbe irgendetwas mit menschlichen Schönheitsempfindungen zu tun hat.

    Eher schon mit kühlen und kopfmäßigen Zurechtlegungen der echten Proportion.

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