Der Künstler Stefan Roloff vor seinem Projekt BEYOND-THE-WALL (Quelle: Kulturprojekte Berlin/Antje Schröder)
Audio: Inforadio | 11.08.2017 | Ute Büsing

Installation an der West Side Gallery - "Beyond the Wall": Ein ganz leiser Triumph

Die Installation "Beyond the Wall/Jenseits der Mauer" des Künstlers Stefan Roloff erinnert von diesem Sonntag an auf 229 Metern an den Alltag der Teilung. Um eine historische Darstellung der DDR geht es Roloff nicht - in der Mauer sieht der Künstler ein zeitloses Symbol der Angst.

Die East Side Gallery an der Mühlenstraße in Berlin-Friedrichshain ist bunt bemalt und besprayt. An dem längsten noch erhaltenen Mauerstück in Berlin entstand schon kurz nach dem Mauerfall eine 1,3 Kilometer lange Kunstmeile, die bald zu einer beliebten Touristenattraktion wurde. Die Rückseite des Mauerstücks, die dem Westen und der Spree zugewandt ist, soll eigentlich weiß bleiben.

Nun erinnert dort eine Installation an den Alltag der Teilung. Der deutsch-amerikanische Künstler Stefan Roloff hat in "Beyond the Wall/Jenseits der Mauer" großformatige Schwarz-Weiß-Silhouetten von DDR-Zeitzeugen und Videostills des ehemaligen Grenzgebietes zu Triptychons gruppiert - auf 229 Metern.

So wie der Blick aus dem Westen auf die Oberfläche ist, nämlich auf diese militärische Zone, ist der Blick aus dem Osten der, der in die Psychologie geht.

Stefan Roloff

Schon seit seiner Jugend beschäftigt sich der in Westberlin aufgewachsenen Künstler mit dem Thema Mauer. Im Jahr 1984 filmte er auf Westberliner Seite die DDR-Grenze und begann nach dem Mauerfall mit Videoporträts von Zeitzeugen.

Zitate aus diesen Gesprächen sind jetzt bei der Installation zu sehen. "Ich will keine historische Darstellung der DDR machen, sondern ich will zeigen, was es heißt, eine Mauer zu bauen, Menschen voneinander abzugrenzen und gegeneinander aufzuhetzen und einzusperren", sagte Roloff dem rbb.

Die Mauer als Symbol von Angst, Feindschaft und Rassismus

Der Künstler sehe die Mauer als zeitloses Symbol von Angst, Feindschaft und Rassismus, hieß es. Die Abschottung von US-Präsident Donald Trump gegenüber Mexiko beweise, dass Mauern zwar abgebaut, an anderer Stelle aber mit gleichem Ziel wieder errichtet würden. Dem rbb sagte der Künstler: "Ich finde, es ist ein ganz leiser Triumph, dass man auf so einer Mauer eine Ausstellung plakatieren kann, die um dieses Thema geht."

Roloff gilt als Pionier digitaler Foto- und Videokunst. Die neue Installation entstand als Zusammenarbeit des Vereins "Kunst darf alles" mit der Kulturprojekte Berlin GmbH.

Die Installation ist ab Sonntag, den 13. August, bis zum 9. November 2017 rund um die Uhr zu sehen.

Mit Informationen von Ute Büsing

Sendung: Inforadio, 11.08.2017, 15:00 Uhr

Kommentar

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1 Kommentare

  1. 1.

    Ganz klar: Jede Mauer ist das bewusste oder unbewusste Eingeständnis, die Dinge nicht anders lösen zu können oder zu wollen. Der andere wird zum Feind erklärt und die "eigene Seite" als frei davon betrachtet.

    Wenn + und - in der Elektrizität, wenn der Nordpol und der Südpol sich derart gegeneinander positionieren würden, sämtliche Stromkreisläufe wären längst zusammengebrochen, ja, die Erde aus der Bahn gefallen ...

    Mauern sind nötig, wo sie Umfassungsmauern sind, vor Wind und Wetter schützen, bei Häufung von Überfällen ggf. sogar Stadtmauern und -wällen wie zu mittelalterlichen Zeiten. Die haben die Bewohner allerdings nicht eingesperrt, sondern die potenziell Brandschatzenden ausgesperrt.

    Die DDR-Grenzanlage wurde als Verteidigungswall verkauft und es war schon ein Schulkind, was darauf hinwies, dass die Stacheldrahtabweiser (in Klein-Glienicke) nach innen, nicht aber nach außen zeigten.

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