Wolfgang Huber am 09. Juli 2016 in Basel (Quelle: imago/Winfried Rothermel)
Audio: Inforadio | 12.08.2017 | Ulrike Bieritz

Altbischof Huber wird 75 Jahre alt - "Er gehört zu den großen Intellektuellen Deutschlands"

Seit bald acht Jahren ist Wolfgang Huber im Ruhestand, ruhiger ist er nicht geworden. Am Samstag feierte der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche seinen 75. Geburtstag. Fast wäre er Bundespräsident geworden. Von Ulrike Bieritz

Von Ruhestand kann bei Wolfgang Huber keine Rede sein. Der langjährige Berlin-Brandenburger Bischof und frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist zwar seit acht Jahren nicht mehr im Amt, aber weiterhin aktiv. Der Theologe schreibt Bücher, hält Vorträge, sitzt diversen Stiftungen vor und engagiert sich ehrenamtlich. Am Samstag feierte er seinen 75. Geburtstag.

Neue Lebensphase unter dem Motto "Freiheit"

Seine Tage sind durchgeplant, der Terminkalender gut gefüllt. "Freiheit ist das Wort, unter das ich diese Phase meines Lebens stelle", sagte Huber dem rbb kurz vor seinem Geburtstag. Der "selbstgewählte Lebensrhytmus" erlaube es ihm, sich etwa auch unter der Woche für seine Enkelkinder Zeit zu nehmen. "Gleichzeitig weiß ich an jedem Morgen, was ich zu tun habe und was ich mir vornehme. Und an jedem Abend weiß ich, dass ich nicht alles geschafft habe, was eigentlich auf dem Programm stand."

Schwer vorstellbar, dass Huber auch mal gar nichts tut: sich im Paddelboot auf dem See treiben lassen oder in den "großartigen Brandenburgischen Himmel" blicken.

Zuhause in Berlin und Brandenburg

In Berlin und Brandenburg fühlt sich Huber zu Hause. Kinder und Enkel sind in der Nähe, viele Ehrenämter haben mit der Region zu tun. Er ist Vorsitzender des Domkapitels des Domstifts Brandenburg an der Havel, steht den Kuratorien Stiftung Garnisonkirche Potsdam und Brandenburgische Sommerkonzerte vor, ist in der Hertha-Stiftung des gleichnamigen Fußballvereins aktiv und im Beirat des vom ehemaligen Umweltminister Klaus Töpfer gegründeten Instituts für Nachhaltigkeit.

Die Bewältigung des Klimawandels sieht er als die große Zukunftsaufgabe. "Sie hat zentral mit meinen Themen zu tun. Es geht um den Umgang mit der Schöpfung, um die Frage unser Verantwortung und die Kraft zur Selbstbegrenzung", so Huber.

Hubers "intellektuelle Schärfe" fehle in der Kirche

Huber wird hochgelobt von seinen Nachfolgern im Bischofs- und EKD-Amt. Er sei ein Geschenk für Kirche und Gesellschaft lobte ihn etwa der Berliner Bischof Markus Dröge. Einer seiner Nachfolger, der amtierende EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm, nennt ihn einen Segen für die Kirche.

Huber ist ein gefragter Gesprächspartner, meldet sich zu aktuellen politischen Themen zu Wort – sei es die Flüchtlingspolitik, der Umgang mit dem Islam oder die Zukunft der Kirche. Sein Biograph Philipp Gessler beschreibt ihn so: "Er gehört zu den großen Intellektuellen der Kirche und, ich würde auch sagen, Deutschlands. Er fehlt auch in gewisser Weise. Ich vermisse diese intellektuelle politische Schärfe, die er manchmal hatte, die auch nicht allen gefallen hat, aber die sehr wichtig war."

Evangelische Kirche neige nicht zu Reform-Radikalität

Diese Schärfe hat auch immer wieder für Diskussionen sorgt. Ein Beispiel ist das Impulspapier "Kirche der Freiheit", mit dem Huber als EKD Ratsvorsitzender einen Reformprozess in Gang gesetzt werden wollte, wie sich Kirche in Zeiten schwindender Mitgliederzahlen und knapper Kassen positioniert. Nur stagniert dieser.

"Unsere evangelische Kirche hat das spezielle Problem, dass sie in ihrer Mehrheit sehr gern bereit ist, gesellschaftliche Reformen einzuklagen - manchmal mit radikalen Vorschlägen. Aber im Blick auf sich selbst, neigt sie nicht zu reformerischer Radikalität", so der 75-Jährige.

Fast wäre er Bundespräsident geworden

Wolfgang Huber hätte auch in die Politik gehen können, war dreimal als Bundespräsident im Gespräch und wäre es auch gerne geworden. Heute blickt er entspannt auf diese Zeit zurück: "Ohne Gram, ohne irgendeinen bleibenden Schmerz habe ich das so akzeptiert, wie es war."

Seit seiner Jugend verehrt der nun 75-Jährige den von den Nazis verfolgten und ermordeten Theologen Dietrich Bonhoeffer. 'Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist' – das ist auch sein Lebensthema. "Die Einheit von Glauben und Weltverantwortung, das ist das große Thema für mich immer gewesen und das gilt auch für die jetzige Lebensphase", sagt der Theologe.

Und wie er seine aktuelle Lebensphase gestaltet, das weiß Wolfgang Huber ganz genau: "Ich möchte gerne ein Buch über Dietrich Bonhoeffer schreiben."

 

Beitrag von Ulrike Bieritz

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Dem möchte ich zustimmen.

    Es gibt wohl mehrere Arten von Glauben:
    Einen Glauben, der offen ist für alles Mögliche. Das ist die Quintessenz wirklicher Kreativität.
    Einen Glauben, der sich richtet auf Bestimmtes, was nicht beweisbar ist.

    Beide Formen von Glauben sind nicht geringer als die Wissenschaft, sie stehen vielmehr auf einem Felde neben der Wissenschaft. Weder ist Wissenschaft höher und ersetzender als Glauben, noch stünde Glauben in Konkurrenz zur Wissenschaft. Eigentlich ist sogar alles Glaube und selbst ist die Wissenschaft ein Teil davon. Weil nämiich ihre Prämissen und Hypothesen auf nichts anderem beruhen als einem Glauben, dass die Welt so und nicht anders sei.

    Die Offenheit ist es, die Glauben wie Wissenschaft auszeichnen ...

  2. 3.

    Er hat nie behauptet, dass er beweisen kann, dass es Gott gibt, sondern nur, dass er es glaubt und für sich als Realität erlebt. Ebensowenig wie Sie beweisen können, dass es ihn nicht gibt, nicht daran glauben, keinen Glauben für Ihr Leben benötigen. Das würde er sicher akzeptieren. Allerdings würde er wohl nicht akzeptieren, wenn Sie all den Menschen, denen Glaube und Religion etwas bedeutet, erhebliche menschliche Defizite attestieren. Das ist ziemlich arrogant und nicht besser als religiöser Dogmatismus. Sie könnten noch eine Menge von Wolfgang Huber lernen.

  3. 2.

    Wer einer Tätigkeit nachgeht, zu deren Wesen es gehört, den Menschen gegenüber unwahre Behauptungen zu äußern wie zum Beispiel dass es Gott gäbe und die Menschen in den Himmel oder die Hölle kämen, gehört sicher nicht zu den Großen sondern eher zu denen mit erheblichen menschlichen Defiziten.

  4. 1.

    Herzlichen Glückwunsch. Wenn er ein bisschen mehr Freundlichkeit zeigen würde und weniger Arroganz wäre das schon ein Fortschritt. Ich sehe ihn öfter und seine Arroganz und Unfreundlichkeit fällt mir immer auf....

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