Die US-amerikanische Sängerin Pink steht am 11.08.2017 in Berlin in der Waldbühne auf der Bühne (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Audio: Inforadio | 12.08.2017 | Jakob Bauer

Pink in der Berliner Waldbühne - Wenn die Show stimmt - "So What?"

Weltweit hat sie fast 50 Millionen Alben verkauft und zählt damit aktuell zu den erfolgreichsten Pop-Stars: Pink. Am Freitag hat die dreifache Grammy-Gewinnerin in der Berliner Waldbühne gespielt, gegen Mücken gekämpft und Pop-Konventionen gebrochen. Jakob Bauer hat sich das Konzert angesehen.

Die Ersten auf der Bühne sind noch vor Konzertbeginn die fleißigen Crew-Mitglieder. Sie sind mit großen Wischmopps bewaffnet und trocknen gewissenhaft den langen Steg, der von der Bühne ins Publikum führt. Es ist feucht und grau, aber die wartenden Menschen in der ausverkauften Waldbühne trotzen in bunten Regenmänteln dem drohenden Regen. La Ola-Wellen rollen durch das Halbrund, auf der Bühne wird es dunkel und plötzlich richten sich alle Blicke in die entgegengesetzte Richtung – nach hinten: Denn da ist Pink. Sie läuft die Hunderten Treppenstufen durch die Zuschauerränge, streift die Hände und Gesichter der Tausenden Fans, springt auf ihren Steg und gets this party started.

Schwindelerregend hohes Tempo

Das ist mal die Definition von Null auf 100 in zehn Sekunden: Sechs Tänzerinnen und Tänzer springen auf die Bühne und mit abnorm schnellen Bewegungen um Pink herum, die Band kracht los, die Bilder auf den großen Leinwänden wechseln halbsekündig und ein Feuerwerk pumpt noch vor Ende des Songs Glanz und Glamour in die Berliner Luft. Hui.

Alles ist perfekt durchchoreografiert, Pink schmust und flirtet mit ihrem Gitarristen, kniet vor ihrer Bassistin, führt aberwitzig athletische Choreographien mit ihren Tänzern durch und setzt sich auf den überdimensionalen, pinken Schwimmreifen, in dem das Schlagzeug versinkt. Das Tempo ist schwindelerregend hoch und das bleibt es auch erstmal. In den ersten 30 Minuten ballert Pink ihre ganz großen Hits raus: "Get This Party Started", "Trouble", "Funhouse", "Just Like A Pill". 

Wie gut, dass Pink dann die Bremse reinhaut – auch wenn das alles gut knallt, in der ersten halben Stunde bleibt kaum Luft zum Atmen, kaum Zeit dazu, mehr mit dem Publikum in Kontakt zu kommen, kein Raum für Spontaneität. Aber den nimmt sie sich jetzt – schickt die Band von der Bühne und setzt sich mit ihrem Gitarristen ganz vorne auf den Steg, in die Mitte des Publikums, und erzählt ein bisschen.

Jaen Baez-Cover als musikalischer Höhepunkt des Abends

Die Berliner Mücken quälen sie, sagt Pink und schnippt eine weg. Außerdem inspiziert sie interessiert, was da alles auf die Bühne geflogen kommt: Kuscheltiere, so viele, man könnte eine beachtliche Anzahl Berliner Krippen damit versorgen. Ein Käsekuchen – wieso auch immer – und ein alberner Hut, den sie sich sofort auf ihre hellblonden Locken setzt. Jetzt ist sie bereit für ihre kleine Akustik-Session.

In der spielt sie vor allem Cover-Songs. Darunter ihr Lieblingslied, wie sie sagt: Den Country-Klassiker "Me And Bobby McGee". Aber auch "Babe I’m Gonna Leave You" von Joan Baez. Stimmlich und emotional ist das wohl einer der Höhepunkte des Abends. Pinks Stimme trieft vor Soul und Trauer und als dann aus dem Nichts die Band wieder einsetzt, macht das schon Gänsehaut.

Pink bricht Bühnen-Konventionen

Pink war mit ihrer offensiven Art, ihrem Auftreten und der Rock-Attitüde vor allem Anfang der 2000er eine Art Gegenentwurf zu Popsternchen wie Britney Spears oder Christina Aguilera. Es ist schön zu sehen, dass sie immer noch vorne dabei ist, wenn es darum geht, Pop-Konventionen zu brechen. Ihre Band ist halb weiblich, halb männlich: Es gibt einen Keyboarder und eine Keyboarderin, eine Bassistin, einen Gitarristen und einen Schlagzeuger. Eine solche Diversität ist vor allem auf den großen Bühnen immer noch nicht selbstverständlich. Für Pink scheinbar schon. Chapeau.

Im Publikum schaut’s ähnlich aus. Obwohl Pink am Anfang ihrer Karriere ja eher als weibliche Identifikationsfigur in den Kinderzimmern der damals 15-Jährigen hing, sind heute auch viele Männer da – und die sind offensichtlich keine Anhängsel. Alle Zuschauer stehen ab der ersten Sekunde, jubeln, klatschen, schreien und tanzen.

Außerdem wären da noch: ein Ritt in einem runden Plastikball über die Köpfe der Zuschauer, die makellose Stimmperformance, auch nach 20 Jahren Live-Marathon, Feuerfontänen in den Himmel, zwei etwas unheimliche, 25 Meter hohe Voodoo-Puppen auf der Bühne und – angeblich – die Live-Premiere der ersten Single ihres neuen Albums. Alles ist leicht übertrieben, die Musik geht da manchmal etwas unter. Sie ist eher ein Show-Element von vielen. Aber um es mit Pinks Worten zu sagen: Wenn die Show stimmt - "So What?“

Beitrag von Jakob Bauer

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Der pinken Schwimmreifen war wohl eher ein pinkes Nadelkissen;-)

  2. 1.

    Ich habe da eher Janis Joplin und Led Zeppelin gehört -ansonsten trftts die Stimmung schon1 war ein tolles Erlebnis!!

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