
Gesellschafterstreit - Suhrkamp-Verlag zieht Berufung gegen Barlach zurück
Im Streit um den Suhrkamp Verlag gibt es eine juristische Wende: Der Verlag hat seine Berufung gegen ein Frankfurter Urteil vom März zurückgenommen, demzufolge er dem Minderheitsgesellschafter Hans Barlach für 2010 einen Gewinnanteil von 2,2 Millionen Euro auszahlen müsste. Verlagssprecherin Tanja Postpischil bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung".
Demnach hatte Barlach, der mit 39 Prozent an dem Traditionshaus beteiligt ist, zuvor einen sogenannten Rangrücktritt für seine Forderung erklärt. Postpischil sagte, die Suhrkamp-Geschäftsführung habe daraufhin keine Veranlassung mehr für das Berufungsverfahren gesehen, weil die Gefahr einer sofortigen Ausschüttung des Geldes nicht mehr bestehe.
Zugleich stellte die Familienstiftung von Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz, die 61 Prozent der Anteile hält, ihre eigenen Gewinnforderungen für 2010 und 2011 fällig, wie die Verlagssprecherin ebenfalls bestätigte. Jedoch habe die Stiftung ihre Bereitschaft signalisiert, dass die Forderungen den Verlag wirtschaftlich nicht belasten sollten, wenn gleichzeitig eine Situation zur langfristigen Fortführung der Verlagsgruppe ermöglicht werde, so Postpischil.

Verlagsgruppe soll sich "nachhaltig" entwickeln
Dem Zeitungsbericht zufolge könnte die Unseld-Familienstiftung mit dem "Fälligstellen" ihrer Gewinnforderung von mehr als fünf Millionen Euro den Verlag tatsächlich zahlungsunfähig machen. Das stelle das laufende Schutzschirmverfahren auf eine stabile Grundlage und eröffnedie Möglichkeit, einen Insolvenzplan mit seinen enormen Gestaltungsrechten zu verabschieden, so das Blatt.
Postpischil sagte, die Familienstiftung halte es für erforderlich, dass es künftig keinen Automatismus für die Ausschüttung von Gewinnen an die Gesellschafter gebe. Dies sei für die nachhaltige Entwicklung der Verlagsgruppe wichtig. Anfang Juli hatte auch die renommierte Verlagstochter Insel Insolvenz angemeldet.
Chronologie eines Machtkampfes
2006 hatte dessen Medienholding AG gegen den Willen der Verlagschefin 29 Prozent der Anteile erworben, 2009 zusätzliche 10 Prozent. 61 Prozent des Verlags liegen bei der Familienstiftung des Verlages, die Unseld-Berkéwitz leitet.
Seit Ende 2012 versuchen die Gesellschafter sich gegenseitig gerichtlich auszuschließen. So wurde Ulla Unseld Berkéwicz, die seit 2003 die Geschäftsführung innehat nach Klagen Barlachs per Gerichtsbeschluss als Geschäftsführerin abberufen, wogegen sie Berufung einlegte.
In der Zwischenzeit gibt es Versuche, außergerichtlich im Streit der Gesellschafter zu vermitteln. Autoren des Verlagshauses wünschen sich eine gütliche Lösung, im Januar 2013 ergreifen 70 renommierte Schriftsteller für die Verlegerin Partei, die sich weigert, zurückzutreten.
Im März dieses Jahres verurteilte das Landgericht Frankfurt die Familienstiftung zur Zahlung von 2,2 Millionen Euro an Barlach - es ging um den Bilanzgewinn von 2010 und Erlöse aus den Verkäufen des Frankfurter Verlagsgebäudes und des Archivs. Diese Ausschüttung soll nun mit dem Schutzschirmverfahren ausgesetzt werden.
