Jan Ole Gerster freut sich über die Lola(Bild:dpa)

Deutscher Filmpreis 2013 - Berliner Low-Budget-Film macht das Rennen

Ein melancholischer Schwarz-Weiß-Film aus Berlin hat sich gegen eine üppige Hollywood-Produktion durchgesetzt: Jan-Ole Gerster holte die "Goldene Lola" für seinen Debütfilm "Oh Boy". Ein "Glanzlicht für die Filmstadt Berlin", sagte der Regierende Bürgermeister.

Jan-Ole Gerster kann es nicht fassen: Bester Spielfilm, bestes Drehbuch (von ihm) und beste Regie für seinen Film "Oh Boy". Außerdem noch Tom Schilling bester männlicher Hauptdarsteller, den besten männlichen Nebendarsteller (nämlich Michael Gwisdek) und die beste Filmmusik (von The Major Minors, Cherilyn MacMeil) hatte "Oh Boy auch - meint die Jury. Das Publikum im Berliner Friedrichstadtpalast jubelt.

Da fällt "Cloud" Atlas fast ein bisschen hinten runter, aber immerhin: fünf "Lolas", vor allem für Gestaltung und Produktion. Das knapp dreistündige Epos, das der deutsche Regisseur Tom Tykwer ("Drei", "Lola rennt") zusammen mit den amerikanischen Wachowski-Geschwistern ("The Matrix") drehte, wurde zu großen Teilen in den Filmstudios Babelsberg in Potsdam gedreht.

Jury-Präsident Wong Kar Wai (2.v.l.) mit seiner Ehefrau Esther (l.), Kulturstaatsminister Bernd Neumann und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (Quelle: dpa)
Freute sich über die Erfolgsmeldungen: Klaus Wowereit (r).

"Berlin ist Filmstandort Nummer eins"

Hocherfreut zeigte sich selbstverständlich auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Die Verleihung der Deutschen Filmpreise war ein "Glanzlicht für den Filmstandort Berlin", sagte Wowereit am Samstag.

Zwölf "Lolas" für Produktionen aus Berlin und Brandenburg seien der Beweis, dass die Hauptstadt inzwischen Deutschlands "Filmstandort Nummer eins" sei, erklärte Wowereit am Samstag in Berlin.

Insbesondere mit den Produktionen "Oh Boy" und "Cloud Atlas" sei es perfekt gelungen, künstlerische Top-Qualität zu erreichen, die zugleich auf ein "großes Kinopublikum hoffen kann."
Deutscher Filmpreis 2013: Filmstill aus "Hannah Arendt" (Quelle: dpa)
Filmstill aus "Hannah Arendt"

Silberne Lola für "Hannah Arendt"

Die silberne "Lola" geht an "Hannah Arendt" von Margarethe von Trotta, die bronzene an die Australierin Cate Shortland für "Lore".

Christine Schorn wurde für ihre Darstellung in der Tragikomödie "Das Leben ist nichts für Feiglinge" mit der Goldenen Lola für die beste weibliche Nebenrolle ausgezeichnet. Die 69-jährige Theater- und Filmschauspielerin spielt in der Tragikomödie von André Erkau unter anderem an der Seite von Wotan Wilke Möhring.

Die Schauspielerin Barbara Sukowa wurde in der Kategorie "Beste darstellerische Leistung - weibliche Hauptrolle" für ihre Verkörperung der streibaren Denkerin Hannah Arendt ausgezeichnet.
Oh Boy (Quelle: X Verleih)
Michael Gwisdek und Tom Schilling in "Oh Boy"

Sechs Filme waren für den Hauptpreis nominiert

Im Rennen um den besten Film setzte sich der schwarz-weiße Berlin-Film "Oh Boy" dann doch durch. Tom Schilling spielt in dem Low-Budget-Debütfilm einen jungen Mann, der auf der Suche nach sich selbst durch Berlin streuert.

Insgesamt sechs Filme konkurrierten um den Hauptpreis für den Besten Film. Neben "Cloud Atlas", "Oh Boy" und "Hannah Arendt"war in dieser Sparte auch Oskar Roehlers Familiensaga "Quellen des Lebens" nominiert. Ebenfalls im Rennen waren Julian Roman Pölslers Roman-Verfilmung "Die Wand" mit Martina Gedeck (dafür gab es den Preis für die beste Tongestaltung) und Cate Shortlands Kriegsdrama "Lore", in dem Berlinale-Shooting-Star Saskia Rosendahl die Hauptrolle spielt.
Mehr als 1.800 Prominente aus der Filmbranche werden zur Filmpreisverleihung erwartet. Die Gala wird von Mirjam Weichselbraun moderiert und am selben Abend um 22.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.
Steffi Kühnert mit Milan Peschel in "Halt auf freier Strecke", Quelle: dpa
Steffi Kühnert und Milan Peschel in "Halt auf freier Strecke"

Andreas Dresens "Halt auf freier Strecke" räumte 2012 ab

Beim Deutschen Filmpreis im vergangenen Jahr hieß der große Gewinner Andreas Dresen. Sein Film "Halt auf freier Strecke", eine rbb-Koproduktion, wurde als bester Film ausgezeichnet. Dresen erhielt außerdem die Lola für die Beste Regie. Als bester Schauspieler wurde Dresens Hauptdarsteller Milan Peschel geehrt. Er spielt einen Familienvater, der an einem unheilbaren Hirntumor erkrankt.