Die Schauspieler Bruno Ganz (l-r), Hildegard Schmahl, Regisseur Matti Geschonneck und die Schauspieler Evgenia Dodina und Sylvester Groth lassen sich am 16.02.2017 beim Photocall anlässlich der Premiere ihres Filmes "In Zeiten abnehmenden Lichts" fotografieren (Quelle: dpa/ Jörg Carstensen)
Video: Berlinale Studio | 16.02.2017 | Julia Riedhammer

Achter Tag der Berlinale - "Wolfgang Kohlhaase ist ein Meister der Auslassung"

Abseits des Bären-Wettbewerbs hat die Verfilmung von Eugen Ruges Roman "In Zeiten des abnehmenden Lichts" bei der Berlinale ihre Weltpremiere gefeiert. Das Drehbuch schrieb der legendäre Wolfgang Kohlhaase, der bei der Pressekonferenz Einblicke in seine Arbeitsweise gab.

Mit "In Zeiten des abnehmenden Lichts" hat Matti Geschonneck am Donnerstag seinen neuen Film auf der Berlinale vorgestellt. Es ist die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Eugen Ruge, der 2011 unter anderem mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde.

Für die Filmfassung konnte Geschonneck das "Who is Who" des deutschsprachigen Films versammeln: Die Hauptrollen sind mit Bruno Ganz und Sylvester Groth besetzt, in weiteren Rollen sind beispielsweise Hildegard Schmahl und Andreas Fehling zu sehen.  

Der Film ist bei den Berliner Filmfestspielen allerdings nicht im Bären-Rennen, er läuft in der Sektion "Berlinale Special".

Eine Familie im Umbruch

Der Film beleuchtet drei Generationen in der DDR. Im Frühherbst 1989 feiert Wilhelm Powileit (Bruno Ganz), der einst als Held der Arbeiterklasse ausgezeichnet wurde, seinen 90. Geburtstag. Neben seiner Familie sind deshalb auch Funktionäre eingeladen. Es gibt aber ein Problem, von dem die Familie noch nichts ahnt: Sascha (Alexander Fehling), der Enkel von Wilhelm, hat das Land verlassen und ist in den Westen geflüchtet. Nur Kurt (Sylvester Groth), Sohn von Wilhelm und Vater von Sascha, ahnt, dass ein Umbruch kurz bevor steht und dass sich damit auch die Familie mit sich selbst auseinandersetzen werden muss.

In Zeiten des abnehmenden Lichts

Kohlhaase: "Man muss weg von dem Buch, um zu ihm zurückzukommen."

Das Drehbuch hat der der vielfach ausgezeichnete Autor Wolfgang Kohlhaase geschrieben.  Mit Blick auf die Zusammenarbeit mit dem 85-Jährigen erklärte Regisseur Geschonneck am Donnerstag bei der Pressekonferenz zum Film: "Wolfgang Kohlhaase ist ein Meister der Auslassung, aber auch ein Meister darin, dem Regisseur die Aufgabe zu überlassen, diese Auslassung zu beleben. Das war auch für mich eine große Herausforderung."

Kohlhaase selbst erklärte zur seiner Arbeit an der Romanverfilmung: "Man muss eine Sache, die ihre Form als Prosa schon gefunden hat, zurückversetzen zum Material. Man muss weg von dem Buch, um zu ihm zurückzukommen." Es gebe Prosa, die sei so schön, dass man sie nicht durch Zusätze zerstören dürfe.

Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase bei der Filmpremiere von "In Zeiten abnehmenden Lichts" (Quelle: dpa/Britta Petersen)
Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase bei der Premiere.

Der 85-Jährige fing in der DDR als Drehbuchschreiber an und verfasste unter anderem das Buch für "Solo Sunny" (1980). Auch nach dem Ende der DDR blieb Kohlhaase einer der wichtigsten Filmemacher des deutschen Nachkriegskinos ("Die Rote Armee Fraktion(RAF)", "Sommer vorm Balkon"). Zuletzt war er 2015 als Drehbuchautor von Andreas Dresens Film "Als wir träumten" bei der Berlinale.

Bruno Ganz aus dem Hut gezaubert

Für Regisseur Geschonneck ist es ein Zeichen von großer Wertschätzung, dass der Streifen im Berliner Zoopalast Uraufführung hat. "Ich hoffe, dass der 100-minütige Film beim Publikum ankommt", so Geschonneck vor der Premiere.  "Ich hätte Wilhelm gerne von meinem Vater Erwin spielen lassen. Der lebt aber leider nicht mehr", erklärte der Regisseur. Erwin Geschonneck war einer der beliebtesten ostdeutschen Schauspieler.

Die Produktionsfirma habe sich dann die "Augen gerieben", "als ich den Schweizer Bruno Ganz aus dem Hut gezaubert habe".

Goldener Ehrenbär für Milena Canonero

Während die Berlinale auf die große Bären-Gala am Samstag zusteuert, wird am Donnerstag ein erster Bär verliehen: Die italienische Kostümbildnerin Milena Canonero wird mit dem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Die mehrfache Oscarpreisträgerin zählt seit Jahrzehnten zu einer der prägenden Kostümbildnerinnen des Internationalen Films.

Im Wettbewerb sind am Donnerstag Filme aus Südkorea und Brasilien an den Start gegangen.

Tagesübersicht Wettbewerb

  • Donnerstag, den 16. Februar

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