Geoffrey Rush wird auf der 67. Berlinale mit der Berlinale Kamera geehrt (Quelle: dpa/Jens Kalaene)

Dritter Berlinale Tag - Geoffrey Rush in Eile

Der Berlinale-Samstag war der Tag von Geoffrey Rush: In "Final Portrait" trat der Oscar-Preisträger als Giacometti auf - und kam gerade noch rechtzeitig zu seiner Ehrung mit der Berlinale Kamera. Im Wettbewerb sorgte der Kabarettist Josef Hader für Lacher.

Der australische Schauspieler Geoffrey Rush ist am Samstag mit der Berlinale-Kamera für seine langjährige Verbundenheit mit dem Festival geehrt worden. Dabei war lange unklar, ob er es rechtzeitig zur Preisverleihung schaffen würde. Denn laut einem Bericht der Berliner Morgenpost reiste Rush kurz vor knapp von Prag aus mit dem Auto an. Dort steht der Oscar-Preisträger gerade als Albert Einstein für eine Serie vor der Kamera - und trug sein Haar bei der Preisverleihung dann auch nach Manier des Physikers: lang und etwas zerzaust.

Rush hatte 1997 den Oscar für seine Darstellung des psychisch kranken Pianisten David Helfgott in "Shine" erhalten. Bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin war er bisher insgesamt mit acht Filmen vertreten, unter anderem 2011 in Tom Hoopers bewegendem Drama "The King's Speech".

Der Regisseur Stanley Tucci. Der Film «Final Portrait» läuft auf der Berlinale im Wettbewerb. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Regisseur Tucci bei der Pressekonferenz zu "Final Portrait".

Porträt des Künstlers Alberto Giacometti

Diesmal ist er in Stanley Tuccis "Final Portrait" als Künstler Alberto Giacometti zu sehen. Zu dessen Pressekonferenz schaffte Rush es allerdings nicht rechtzeitig. Der Film läuft im Berlinale Wettbewerb außer Konkurrenz. Es ist ein Blick in die Werkstatt und Persönlichkeit des berühmten Surrealisten und Existenzialisten zwei Jahre vor seinem Tod.

Der Film sei beinahe ein "New-Wave-Film", so Regisseur Tucci in der Pressekonferenz. Gedreht hat er mit zwei Handkameras, die immer simultan liefen. "Ich wollte so naturalistisch wie möglich drehen", so der Regisseur. "Und keine romantischen in Sepia getauchten Bilder von Paris."

Giacometti schert sich nicht um morgen

Den Hauptdarsteller Rush lobte Tucci in Abwesenheit. Der 65-Jährige sei nicht nur deswegen eine Idealbesetzung für den Film, weil er ein brillianter Schauspieler sei, so Tucci, sondern auch, weil er einen sehr ausgeprägten Sinn für Humor habe - genau wie Giacometti.

"The Final Portrait" ist Stanley Tuccis fünfte Regiearbeit fürs Kino. Bislang kennt man den 56-jährigen Italo-Amerikaner vor allem durch seine Auftritte vor der Kamera ("Spotlight", "Der Teufel trägt Prada", "Road to Perdition"). Tucci hat unzählige Nebenrollen in Hollywood-Filmen gespielt.

Der Film, der nicht im Rennen um die Bären ist, ist nach Einschätzung der rbb|24- Kritikerin Ula Brunner "ein weitgehend unterhaltsamer Film mit zwei herausragenden Schauspielern - aber auch mit einigen Längen".

Haders typischer Trotz beim Scheitern

Der österreichische Schauspieler und Kabarettist Josef Hader hat am Samstag sein Regiedebüt "Wilde Maus" auf der Berlinale vorgestellt. In der Gesellschaftssatire geht es um einen entlassenen Wiener Musikkritiker, der sich an seinem Chef rächen will. Damit hat er es sogar in den Wettbewerb geschafft, konkurriert also um die Bären. Hader bezeichnete das als große Freude, aber gleichzeitig auch als "unwirklich".

Bisher kennt man den begnadeten Knautschgucker nur vor der Kamera - besonders seine Rolle als hinreißend durchs Unglück stolpernden Privatdetektiv Simon Brenner ("Silentium", "Der Knochenmann") hat den Österreicher berühmt gemacht. Zuletzt verkörperte er den Schriftsteller Stefan Zweig in "Vor der Morgenröte".

Haders Arbeit als Drehbuchautor und Regisseur hat rbb|24-Kritiker Fabian Wallmeier allerdings nicht überzeugt. "Einige Gags mit Wiener Schmäh machen Spaß. Doch als Film ist Josef Haders Regiedebüt gescheitert", so sein Fazit.

Streifzug durch Kinshasa

Außerdem ist im Wettbewerb der Beitrag "Félicité" von Alain Gomis (Frankreich) gezeigt worden. Félicité ist eine stolze, unabhängige Frau, die als Sängerin in einer Bar in Kinshasa arbeitet. Als ihr Sohn nach einem schweren Unfall im Krankenhaus liegt, versucht sie verzweifelt, das Geld für eine Operation aufzutreiben. Ein atemloser Streifzug durch die kongolesische Hauptstadt beginnt. Tabu, einer der Stammgäste der Bar, der in jeder Hinsicht gern über die Stränge schlägt, will ihr helfen. Nur widerwillig nimmt sie das Angebot an.

Nach Einschätzung der rbb|24-Kritikerin Ula Brunner gibt "Félicité" spannende Einblicke in das Leben einer Frau in Kinshasa "und bürstet mit seiner ruhigen Erzählweise unsere Sehgewohnheiten auch ein wenig gegen den Strich".

Das erste Berlinale-Wochenende ist das härteste

Am ersten Berlinale-Wochenende sollten die Festivalbesucher mit ihren Kräften haushalten, denn es hat traditionell die längsten Party-Nächte. Am Freitag legten die prominenten und nicht zuletzt die halb- bis viertelprominenten Partygäste schon gut vor.

Der Berliner Schauspieler Lars Eidinger legte mit Plüschäffchen auf der Schulter für die Gäste der "Festival Night" am Gendarmenmarkt auf, um Mitternacht machte er aber brav Schluss. Besonders trendiger Einfall der Veranstalter: Die Besucher holten sich die erdige Hausmannskost (Wiener Schnitzel, Kartoffelsalat, Buletten) wie auf einer WG-Party in der Küche ab.

Auf der "Blue Hour" der ARD tat man erst gar nicht so bodenständig, sondern ließ sich Champagner und Erbsencreme mit Fisch schmecken. Neben dem Showgeschäft-Nachwuchs wie Jonas Ney ("Deutschland 83") und Lea van Acken waren auch rüstige Granden wie Dieter Hallervorden, Henry Hübchen oder Wolfgang Stumph zu besichtigen. Fatih Akin, Iris Berben, Veronica Ferres und Heiner Lauterbach schwirrten ebenfalls durch die nächtlichen Berlinale-Reviere.

Ein Mann in Eile und ein Kabarettist

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