67. Internationale Filmfestspiele in Berlin, 09.02.2017, Eröffnungsgala und Filmpremiere «Django»: Toni Garrn (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)
Video: Berlinale Studio

Eröffnung der Filmfestspiele - Der rote Teppich für die 67. Berlinale ist ausgerollt

Mit der Weltpremiere "Django" hat am Donnerstagabend die Berlinale eröffnet. Der Film ist ein Biopic über den Jazz-Musiker Django Reinhardt. Auf dem roten Teppich vor der Eröffnungsgala drängelten sich zuvor vor allem deutsche Stars.

Die entscheidenden Worte sprach Festival-Chef Dieter Kosslick: "Hiermit ist die Berlinale eröffnet", rief er bei der Eröffnungsgala am Donnerstagabend in Berlin. Jury-Präsident Paul Verhoeven übersetzte das Ganze gleich auch noch ins Niederländische. Knapp 400 Filme werden in den kommenden zehn Tagen zu sehen sein. Davon konkurrieren 18 Beiträge um den Goldenen und die Silbernen Bären, die am 18. Februar vergeben werden.

Traditionell sind auf dem roten Teppich vor der Eröffnungsgala die deutschen Stars in der Überzahl, so auch in diesem Jahr. Darunter waren die Schauspieler Heike Makatsch, Fritzi Haberland, Jasmin Tabatabai, Hannah Herzsprung, Iris Berben, Jella Haase, Bjarne Mädel, Christiane Paul, Sandra Hüller und Wotan Wilke Möhring, sowie die Regisseure Volker Schlöndorff, Wim Wenders, Tom Tykwer und Rosa von Praunheim.

Grünen-Politikerin Claudia Roth zu 67. Internationale Filmfestspiele in Berlin, 09.02.2017, Eröffnungsgala und Filmpremiere "Django" (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)
Grünen-Politikerin Claudia Roth auf dem roten Teppich.

Statement gegen Trump

Grünen-Politikerin Claudia Roth trug auf dem roten Teppich ein Oberteil mit dem Aufdruck "Unpresidented". Die Vermutung liegt nahe, dass dies als klares politisches Statement in Richtung des US-Präsidenten Donald Trump gemeint ist.

Roth hatte sich bereits am Mittwoch mit Schauspieler Richard Gere getroffen. Am Donnerstagvormittag folgte ein Treffen zwischen Gere und Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Inhalt  beider Treffen war den Teilnehmern zufolge die Lage in Tibet. Gere ist Vorsitzender der International Campaign for Tibet.

Auch zur Eröffnungsgala kam der US-Schauspieler, eigentlich gehört der Teppich an diesem Abend aber dem Team des Eröffnungsfilms. Regisseur Etienne Comar brachte seinen "Django"-Darsteller Reda Kateb ("Zero Dark Thirty", "Die schönen Tage von Aranjuez") und Schauspielerin Cécile de France mit nach Berlin.

Die ersten Stars laufen über den roten Teppich

Gala moderiert von Anke Engelke

Die Gala moderierte auch in diesem Jahr Comedystar Anke Engelke - und gab dabei zu, etwas nervös zu sein. Der Grund: Sie sei gerade an Richard Gere vorbeigelaufen.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) richtete sich in ihrer Rede direkt an den Festival-Chef: "Wieder einmal deckt die Berlinale mit ihrem Programm politische Haltungen ab, dafür vielen Dank an Dieter Kosslick." Auch Berlins Regierender Bürgermeister, Michael Müller, sprach bei der Eröffnungsgala. "Nie wieder sollen Mauern Menschen trennen", sagte der SPD-Politiker - und spielte damit auf die Pläne des US-Präsidenten an, eine Mauer zwischen Mexiko und den USA zur errichten.

rbb|24 war live am roten Teppich

Eröffnungsfilm fällt beim rbb|24-Kritiker durch

Der Eröffnungsfilm "Django" ist das Regiedebüt von Comar. In dem französischen Film erzählt Comar von der Flucht des weltberühmten Gitarristen und Komponisten Django Reinhardt während des Zweiten Weltkriegs. Reinhardt entstammte einer Sinti-Familie aus dem Elsass. Zahlreiche seiner Verwandten wurden von den Nazis verfolgt und ermordet.

"Django" ist im Rennen um die Berlinale-Trophäen. Bei den rbb-Kritikern schnitt der Film allerdings eher schwach ab. "Etienne Comar zeigt einen Ausschnitt aus dem Leben des Jazz-Gitarristen Django Reinhardt", so rbb|24-Filmkritiker Fabian Wallmeier. "Wer dieser Django Reinhardt ist und was ihn umtreibt, bleibt dabei aber weitgehend unklar." Der Film sei ein uninspiriertes Regiedebüt, das als Eröffnungsfilm der Berlinale keine gute Figur mache, so sein Fazit.

Bislang hat sich der 52-jährige Comar sowohl als Drehbuchautor und Produzent ("Von Menschen und Göttern") als auch als Co-Produzent ("The Woman on the 6th Floor", "Timbuktu") einen Namen gemacht. Eigens für den Film wurde die Musik Django Reinhardts von der berühmten niederländischen Jazzband Rosenberg Trio neu eingespielt.  

Berlinale-Jury will sich über "zornige und mutige" Filme streiten

Am Vormittag des Eröffnungstages hatte sich zuvor die Festival-Jury in Berlin vorgestellt. Trotz der angespannten Weltlage will sich das Gremium nicht "politisieren" lassen. "Ich hoffe, dass die Jury-Mitglieder erstmal auf die Qualität der Filme achten - ohne politische Vorurteile", sagte der diesjährige Jury-Präsident Paul Verhoeven ("Elle") vor Beginn des elftägigen Festivals.

Er setze darauf, möglichst viele unterschiedliche, zornige und mutige Filme zu sehen, über die die Jury in vollem gegenseitigem Respekt streiten könne. Verhoeven stellte klar: "Ich weiß nicht, ob das ein politisches Festival ist – ich bin hier, um Filme zu schauen."

Die sieben Mitglieder des internationalen Gremiums müssen in den kommenden zehn Tagen über die Vergabe des Goldenen und mehrerer Silberner Bären entscheiden. Insgesamt 18 Filme unter anderem aus Deutschland, Frankreich, Finnland, Japan, Rumänien, Portugal, Chile, Südkorea und Polen bewerben sich um die renommierten Auszeichnungen.

"Wir sind nicht dazu da, Botschaften zu senden"

Auch der mexikanische Schauspieler und Produzent Diego Luna ist Mitglied der Jury und ergänzt: "Wir sind nicht dazu da, Botschaften zu senden. Wir sind dazu da, Botschaften zu empfangen." Allerdings werde er sich im einst geteilten Berlin auch darüber informieren, wie man Mauern einreißt, sagte Luna in Anspielung auf den von US-Präsident Donald Trump geplanten Schutzwall an der Grenze zu Mexiko.

Auch US-Schauspielerin Maggie Gyllenhaal verzichtete nicht auf einen Seitenhieb auf den amerikanischen Präsidenten. "Bitte, bitte, Sie sollen alle wissen, dass es bei uns sehr viele gibt, die Widerstand leisten", sagte sie vor Vertretern der internationalen Medien.

Der chinesische Regisseur Wang Quan'an, der 2007 mit seinem poetischen Drama "Tuyas Hochzeit" den Goldenen Bären gewonnen hatte, bedankte sich bei der Berlinale für die nachhaltige Unterstützung des chinesischen Films.

Offenheit und Vielfalt zeichneten das Festival seit jeher in besonderer Weise aus, sagte der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson. "Das ist für mich große Kunst - dass sie es dem Zuschauer erlaubt, das Gefühl zu haben: Ich bin Teil der Welt, ich gehöre dazu."

Weitere Mitglieder der Jury sind die deutsche Schauspielerin Julia Jentsch ("24 Wochen") und die tunesische Produzentin Dora Bouchoucha Fourati ("Hedi").

Die großen Namen fehlen zum Auftakt

Insgesamt versprechen die diesjährigen Filmfestspiele im Gegensatz zu den vergangenen Jahren weniger Hollywood-Glamour. Für die kommenden Tage haben sich Penélope Cruz, Robert Pattinson, Hugh Jackman und Catherine Deneuve zum Festival angekündigt.

Tagesübersicht Wettbewerb

  • Donnerstag, den 9. Februar

  • Freitag, den 10. Februar

  • Samstag, den 11. Februar

  • Sonntag, den 12. Februar

  • Montag, den 13. Februar

  • Dienstag, den 14. Februar

  • Mittwoch, den 15. Februar

  • Donnerstag, den 16. Februar

  • Freitag, den 17. Februar

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