Hauptdarsteller des ZDF-Dreiteilers "Der gleiche Himmel" (Quelle: ZDF/Erik Lee Steingroever)

Mehr Raum und Zeit fürs Komaglotzen - Berlinale umarmt die Konkurrenz der Serienmacher

Bingewatching heißt auf deutsch Komaglotzen. Der Begriff beschreibt, wie es ist, eine Serien-Episode nach der anderen zu gucken - schon ist der Fernsehabend fünf Stunden lang. Die Berlinale zollte der Entwicklung auch in diesem Jahr Tribut. Von Susanne Bruha

Premiere der Serie "Der gleiche Himmel" unter der Regie von "Der Untergang"-Regisseur Oliver Hirschbiegel. Das Ensemble ist ein 'who is who" des deutschen Films: Ben Becker, Tom Schilling, Anja Kling und Jörg Schüttauf werden vom deutschen Publikum im Haus der Berliner Festspiele enthusiastisch begrüßt. In "Der gleiche Himmel" geht Tom Schilling im Jahr 1974 als Stasi-Romeo-Agent von Ost- nach Westberlin, um eine NSA-Mitarbeiterin zu verführen. Die Serie beginnt mit Unterricht an der Stasischule.  

Zwei von drei Episoden gezeigt

Die Stasidarstellung - graublau vor braunen Vorhängen und überzogen dumm - ist allerdings holzschnittartig und enttäuscht. Der Blick auf West-Berlin und die NSA ist überzeugender und in Sachen Tempo, historischer Ausstattung und Dramaturgie reicht die Serie an US-Vorbilder heran. Die ersten zwei von insgesamt drei Episoden von  "Der gleiche Himmel" wurden auf der Berlinale gezeigt. Zu sehen sind sie Ende März im ZDF. Mit dem Komaglotzen wird es so allerdings nichts.

Drei Tage "Drama Series Days" - mehr als sonst

In diesem Jahr hat der European Filmmarket den Drama Series Days auf der Berlinale noch mehr Raum gegeben: drei Tage Screenings und Panels im Zoopalast. Ein Panel hieß:  "How to make binge-watch-worthy Television?" Es ist die Frage der Stunde. 19 fertige und noch fertig zu produzierende Serienstaffeln auf dem Markt versuchen sie zu beantworten: Sechs weitere im Festivalprogramm. Darunter "4Blocks" über einen Neuköllner Familienclan. In Berlin produziert für den amerikanischen Sender TNT.

Berlin als Kulisse immer angesagter

Deutschland ist auf Aufholjagd, was die Serie angeht. Laut Michael Scheel kommt sowieso niemand mehr am Format vorbei. Scheel, der Filme wie "Inglorius Bastards" mitproduziert hat, hatte die Herstellungsleitung für die ebenfalls amerikanisch-deutsche Produktion "Berlin Station". Sie zeigt CIA-Ermittler bei ihrer Arbeit in Berlin und als Privatpersonen mit Sorgen und Nöten. Das Erfolgsgeheimnis amerikanischer Serien liegt für Michael Scheel neben guten Drehbüchern in den Produktionsbedingungen.

In Deutschland fehle noch die Wertschätzung für die Arbeit der Drehbuchautoren, während Berlin als Schauplatz für amerikanische Serienformate gefragter sei denn je.

Beitrag von Susanne Bruha

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