Der Verhüllungkünstler Christo bei den Berlinale Talents (Quelle: dpa/Jens Kalaene)
Video: Abendschau | 12.02.2017 | Christian Titze

Vierter Berlinale Tag - Christo gibt dem Filmnachwuchs Durchhaltetipps

Der Verhüllungskünstler Christo hat seine Projekte teilweise über Jahrzehnte verfolgt. In der Reihe "Berlinale Talents" sprach er vor jungen Filmschaffenden über den Mut beim Erschaffen von Kunst und darüber, warum er nicht mehr über Politik redet - eigentlich.

Der Verhüllungskünstler Christo war am Sonntag bei den "Berlinale Talents" im Hebbel am Ufer (HAU) zu Gast. Das Programm bringt junge Filmemacher aus aller Welt mit erfahrenen Profis zusammen. Das Motto ist diesmal: "Courage: Against All Odds" (Mut: Trotz aller Widrigkeiten).

Christo, der seit seiner spektakulären Reichstagsverhüllung im Jahr 1995 eine besondere Beziehung zu Berlin hat, sprach über viele seiner Projekte, die er mit seiner 2009 verstorbenen Frau Jeanne-Claude realisiert hat. "Wir machen niemals zweimal das gleiche Kunstwerk", so Christo am Sonntag. "Wir werden niemals wieder ein Parlament einwickeln, keine fortlaufenden Zäune und keine Tore mehr wie in New York."

Kunst auf Zeit

23 Projekte hat Christo in seiner Schaffensphase mit Jeanne-Claude realisiert. Sein jüngstes war im vergangenen Sommer die begehbare Installation "Floating Piers" auf dem Iseo-See in Norditalien. Das Projekt bestand aus drei Kilometer langen Stegen bei Brescia. 1,2 Millionen Menschen hatten das Kunstwerk im Sommer besucht. Hier, wie bei seinen anderen Werken, etwa den safrangelben Toren im New Yorker Central Park 2005, dem verhüllten Berliner Reichstag 1995 und der verhüllte Pont Neuf in Paris 1985, hatte Christo die Kosten komplett selbst aufgebracht. "Mit dem Verkauf unserer Kunstwerke realisieren wir jedes neue Projekt", so Christo am Sonntag bei den Berlinale Talents. "Ohne fremde Unterstützung."

Menschen laufen auf den floating piers von Christo auf dem See Iseo in Norditalien (Quelle: ANSA/Filippo Venezia)
Menschen laufen auf den floating piers von Christo auf dem See Iseo in Norditalien

Christo bläst Projekt nach der Wahl Trumps ab

Viel Aufsehen hat auch eine Installation erregt, die noch gar nicht realisiert ist - und wohl auch nicht mehr realisiert wird. Sein Projekt "Over the River" hat Christo nach dem Wahlsieg Trumps zum US-Präsidenten abgebrochen. 20 Jahre hatte er das Kunstwerk vorangetrieben und wollte den Arkansas River im US-Bundesstaat Colorado auf zehn Kilometern Länge abdecken.

Bei den Berlinale Talents am Sonntag betonte er: "Ich werde keine Fragen zu Religion, Politik und zu anderen Künstlern beantworten." Doch gleich die erste Frage zielte auf das im Januar eingestellte Projekt. Und dann sagte er doch noch was dazu: Seine Frau habe immer gesagt, alles was sie machen, müßten sie zuerst nur für sich selbst machen. Wenn es dem Publikum gefalle, komme das als Bonus obendrauf. Aber zuerst müssten die Künstler ihr Projekt wollen, das sei das Entscheidende. Und dann sagte er noch abschließend - eher beiläufig - zu dem Projekt: "Wir haben das Interesse daran verloren."

Das plötzliche Aus für die Installation, in die der 81-Jährige noch mit seiner Frau Jeanne-Claude rund 15 Millionen Dollar (14 Mio Euro) gesteckt hatte, wird als deutlicher Protest gegen den neuen Präsidenten interpretiert. "Hier ist die US-Bundesregierung unser Vermieter. Sie besitzt das Land. Ich kann kein Projekt machen, das diesem Vermieter zugute kommt", hatte Christo zuvor der "New York Times" gesagt.  Auf die damalige Nachfrage, ob er seine Meinung zu Trump weiter ausführen könne, sagte der Künstler: "Die Entscheidung spricht für sich. Mein Entscheidungsprozess war, dass ich wie viele andere nie glaubte, dass Trump gewählt werden würde."

Alle Energie fließt jetzt in das Projekt "Mastaba"

Die Idee zu "Over the River" hatte Christo, der in Bulgarien geboren wurde und seit 1973 die US-Staatsbürgerschaft besitzt, im Jahr 1992. Der Künstler bereitet seine Projekte teilweise jahrzehntelang vor. Zu sehen sind sie dann aber meist nur für ein paar Wochen.

Ideen wie die Verhüllung des Reichstags zu realisieren, sei harte politische Arbeit, so Christo: "Alle unsere Projekte haben eine politische Dimension. Wir durften den Reichstag verhüllen, weil wir Helmut Kohl besiegt haben. Welcher Künstler kann das von sich sagen?"

Nun will Christo all seine Energie, Zeit und Mittel in sein Lebensprojekt "Mastaba" stecken, an dem er seit 1977 arbeitet. Dabei soll in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine 150 Meter hohe Skulptur aus mehr als 400.000 Ölfässern errichtet werden.

Mit Informationen von Katja Weber (Radioeins) und Christian Titze (rbb Abendschau).

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

Das könnte Sie auch interessieren