Raha macht ein Praktikum bei der Berlinale und gibt die berühmten Berlinale-Taschen aus. (Quelle: rbb | Jakob Bauer)
Audio: Inforadio | 14.02.2017 | Jakob Bauer

Raha hospitiert auf der Berlinale - "Im Iran gibt es so ein Festival nicht"

Die Berlinale ist auch immer eine Gelegenheit für politische Botschaften. So engagiert sich das Festival selbst, indem seit vergangenem Jahr Geflüchtete ein Praktikum absolvieren können. Jakob Bauer hat Hospitantin Raha aus dem Iran bei der Arbeit begleitet.

Im pumpenden Herzen der Berlinale, direkt am Potsdamer Platz, liegt der Forum Tower. Das Hochhaus ist das große Informationszentrum des Filmfestivals und erster Anlaufpunkt für alle geladenen Gäste.

Im dritten Stock des Towers arbeitet Raha aus dem Iran in der "Pick Up Station". Sie macht ein Praktikum bei der Berlinale. Heute gibt sie die beliebten Berlinale-Taschen an die Gäste aus. Große Hoffnungen auf den Praktikumsplatz hatte sich Raha aber zuvor nicht gemacht: "Ich dachte, dass bestimmt nur Deutsche genommen werden. Aber dann haben sie mich angerufen und gesagt: 'Frau Shegeft, sie dürfen bei der Berlinale ein Praktikum machen' – das hat mich sehr gefreut."

19 Geflüchtete als Hospitanten auf der Berlinale

Raha ist 20 Jahre alt und seit 2015 in Deutschland. Sie ist eine der 19 Geflüchteten, die bei der Berlinale als Hospitanten arbeiten. Die jungen Männer und Frauen sind auf dem ganzen Festival im Einsatz: Manche helfen beim Nachwuchsprogramm "Berlinale Talents", andere unterstützen die Saalmanager der verschiedenen Kinos, wieder andere sind im "Berlinale Goes Kiez"-Programm eingebunden. Raha mag ihren Job – Taschen ausgeben, das klingt vielleicht unspektakulär, ist es bei einem Event wie der Berlinale aber überhaupt nicht. "Wir sehen jeden Tag verschiedene Leute, auch Stars", erzählt Raha. Auch wenn sie die nicht unbedingt erkennt. "Gestern war eine deutsche Schauspielerin hier. Ich habe ihr einfach die Tasche gegeben. Meine Kollegin hat mich dann gefragt: Wolltest du nicht ein Foto mit ihr machen? Aber ich hatte sie gar nicht erkannt."

Raha: "Im Iran gibt es so etwas wie die Berlinale nicht"

Eine Berlinale-Schicht dauert für Raha fünf Stunden. Nach der Arbeit trifft sie sich mit den anderen Hospitanten, geht mit ihnen etwas essen oder trinken. Vor allem mit den deutschen Studenten versteht sie sich gut. Manchmal geht Raha aber auch ins Kino. Wie alle Mitarbeiter kann sie mit ihrem Ausweis kostenlos die Vorführungen besuchen, in denen noch Plätze frei sind. Besonders interessiert sie das Kino ihrer Heimat. "Ich habe hier den iranischen Film 'Nema-ye nazdik' von Abbas Kiarostami gesehen. Das war toll. Im Iran gibt es leider kein Filmfestival wie die Berlinale. Es gibt nur ein ganz kleines Filmfestival für Filme, die im Iran produziert wurden und die typisch iranisch sind. Dort werden aber leider keine Filme aus anderen Ländern gezeigt."

Auf der Berlinale hat Raha auch Mani Haghighi, den Star-Regisseur des iranischen Kinos, getroffen. "Es hat mich so gefreut, dass jemand aus meinem Land nach Deutschland gekommen ist, der tolle Filme macht und dann auch noch sehr gut Englisch spricht."

Der iranische Regisseur Mani Hagighi auf der Berlinale 2016. (Quelle: imago | stock&people)
Regisseur Mani Haghighi lief im vergangenen Jahr im Berlinale-Wettbewerb.

Im Tower leeren sich langsam die Regale mit den Berlinale-Taschen. Sobald alle verteilt sind, geht es für Raha im Fundbüro weiter. Auch darauf freut sie sich.

Später einmal in diesem Bereich zu arbeiten kann sich Raha zwar nicht vorstellen - sie beginnt bald eine Ausbildung als Zahntechnikerin – für den Moment aber ist die Berlinale ein guter Ort, um Menschen kennenzulernen, Filme zu schauen und einfach Teil des Festivals zu sein.

Beitrag von Jakob Bauer

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