Schauspieler Louis Hofmann zu Gast im RadioEins-Bus am Rande der 67. Berlinale (Quelle: imago/
Video: Berlinale Studio | 13.02.2017 | Anna Tschöpe

Berlinale Shooting Star Louis Hofmann - Nach der Berlinale geht's zur Oscar-Verleihung

Nacktszenen als frisch verliebter Schwuler - Louis Hofmann ist süchtig nach solchen Rollen, die ihm eigentlich Angst machen. Der 19-Jährige ist einer der Shooting Stars der Berlinale - und hat gleich nach dem Festival einen Termin in Los Angeles. Von Anna Wollner

"Ich kann eigentlich nichts Anderes sagen, als dass es eine extrem große Ehre ist, nun mit denen in einer Kategorie genannt zu werden", sagt Louis Hofmann mit einem verschmitzten Grinsen. Zu wissen, dass die früheren "European Shooting Stars", wie zum Beispiel Moritz Bleibtreu, Daniel Brühl oder Hannah Herzsprung, mal am gleichen Punkt standen wie er, und jetzt ihm dieses Potential zugerechnet wird, erfüllt den Schauspieler sichtlich mit Stolz.

Die Auszeichnung als Shooting Star kam für den 19-jährigen Wahlberliner überraschend, hat er doch eigentlich mit einer weiblichen Kollegin gerechnet. Aber die Auszeichnung kommt auch nicht von ungefähr. Denn die Schauspielerei stand schon früh auf seiner Berufswunschliste ganz oben. "Schauspielerei war schon immer mein Traumberuf. Nur mit sechs oder sieben, da wollte ich Fußballer werden. Aber den Traum hat wohl jeder Junge."

Nie in die Kinderstar-Falle getappt

Den einen Traum - den richtigen - konnte er umsetzen. Mit zwölf Jahren begann er seine Kinokarriere als Tom Sawyer in "Die Abenteuer des Huck Finn". Dabei ist er nie in die Falle des Kinderstars getappt. Zu schnell kamen die ersten ernsten Rollenangebote. Für seine Darstellung eines rebellischen Jungen in "Freistatt" bekam er unter anderem den Bayrischen Filmpreis. Es war eine erwachsene Rolle, in der er genug Raum hatte, sich zu entfalten, die ihm den Mut gab, sich auch nach außen hin als ernstzunehmenden Schauspieler zu präsentieren.

Sucht nach respekteinflößenden Rollen

Hofmanns Spiel wirkt nie aufgesetzt, nie gewollt oder übertrieben. Er zögert, hat Zweifel, überlegt, bevor er Rollen zusagt. Wie bei "Die Mitte der Welt", einer sensiblen und mutigen Romanverfilmung von Jakob M. Erwa. "Ich hatte enormen Respekt vor der Rolle. Aber Phil ist eine Figur, an der man wachsen kann. Danach suche ich - nach Rollen, vor denen ich Angst habe."

Phil ist ein ganz normaler schwuler Jugendlicher, der sich das erste Mal verliebt. Hofmanns bisher größte Herausforderung. "Weil Phil sehr weit von mir selber entfernt ist und ich dafür mit Jakob M. Erwa eine vollkommen neue Körperlichkeit und einen Sprachduktus entwickelt habe", sagt Hofmann rückblickend. Es sei ein sehr weiter Weg gewesen, bis er natürlich spielen konnte, ohne darüber nachzudenken und nicht mehr aktiv handeln zu müssen.  

Vertrauen für Sexszenen aufgebaut

Damit meint er vor allem die vielen Nacktszenen, intime Momente, die ihn Überwindung gekostet haben. Zusammen sind Hofmann, Regisseur Erwa und sein Schauspielkollege Jannik Schümann für ein paar Tage weggefahren, haben Vertrauen aufgebaut, sich kennengelernt. "Dann haben wir irgendwann den Schritt gewagt und standen nackt voreinander. Wir haben uns abgetastet, ganz behutsam, haben uns gegenseitig erklärt, was wir fühlen, was wir machen. Natürlich rutscht bei Sexszenen die Hand auch mal an den Arsch. Da darf man sich nicht erschrecken, das muss selbstverständlich sein, dass das passieren kann."

Schauspieler in Oscar-nominiertem Film

Sich nackt machen, körperlich, aber vor allem emotional - das sind die Hürden, die er nehmen muss, auch auf internationaler Ebene. In dem dänischen Drama "Unter dem Sand" spielt er einen jungen deutschen Soldaten, der nach Ende des Zweiten Weltkrieges als menschlicher Spürhund deutsche Landminen entschärfen muss. Es ist die Hauptrolle in einem Film, der in diesem Jahr für den Oscar als bester nicht englischsprachiger Film nominiert ist.

Hofmann wird nach der Berlinale nach Los Angeles zur Oscar-Verleihung fahren. Aber seine bisher wichtigste Auszeichnung hat er schon: "European Shooting Star 2017". "Explizit bedeutet mir diese Auszeichnung, dass ich die Möglichkeit habem vom europäischen Markt noch mal anders wahrgenommen zu werden beziehungsweise überhaupt wahrgenommen zu werden. Das ist das, wonach wir Schauspieler immer streben: wahrgenommen zu werden."

Rollen in "You Are Wanted", "Lammbock 2" und "Dark"

Eine für ihn vollkommen unbegründete Sorge. Denn Hofmann hat seine nächsten Engagements schon sicher. Im März spielt er in der Amazon Prime Serie "You Are Wanted" an der Seite von Matthias Schweighöfer, in der Kifferkomödienfortsetzung "Lammbock 2" und "1.000 Arten, den Regen zu beschreiben". Aktuell steht er für die Netflix-Serie "Dark" vor der Kamera. Alles andere lässt er auf sich zukommen. "Ich habe keinen Masterplan für die nächsten fünf Jahre. Weil es einfach nicht planbar ist. Es kann sich so schnell ändern bei einem so unstetigen Beruf. Deswegen kann man nur hoffen."

Die deutschen Shooting Stars der Berlinale

Beitrag von Anna Wollner

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

Das könnte Sie auch interessieren