Schauspielerin Daniela Vega freut sich beim Teddy Award 2017 in Abwesenheit des Regisseurs Sebastian Lelio über die Auszeichnung "Bester Spielfilm" für den Film "Una Mujer Fantastica" (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)

Queere Berlinale-Filme ausgezeichnet - Teddy Award geht an Wettbewerbsfilm "Una mujer fantástica"

Der Teddy für den besten queeren Spielfilm der diesjährigen Berlinale geht an das Drama "Una mujer fantástica". Der Film von Sebastián Lélio ist auch im Bären-Rennen. Die Teddy Awards gehen an Berlinale-Filme mit schwul-lesbischem und Transgender-Hintergrund.

Der schwul-lesbische Filmpreis "Teddy Award" hat am Freitagabend den Wettbewerbsbeitrag "Una mujer fantástica" (A Fantastic Woman) von Sebastián Lélio als besten Spielfilm ausgezeichnet. In dem Film muss sich eine Transgender-Frau nach dem plötzlichen Tod ihres Freundes gegenüber dessen Familie ihr Recht auf Trauer erkämpfen. In der Begründung der Jury heißt es, "A Fantastic Woman" ist ein handwerklich perfekter Film mit einem großartigen filmischen Ansatz, der eine intime, aber wenig beachtete Geschichte erzählt. Sebastián Lélio habe die Geschichte mit Verständnis und Mitgefühl ausgestattet, das die anhaltende Diskriminierung und die Marginalisierung von Transgender-Menschen auf der ganzen Welt beleuchtet.

Die Teddys wurden zum 31. Mal verliehen

Mit den Teddy Awards werden seit 31 Jahren Berlinale-Filme mit schwul-lesbischem beziehungsweise Transgender-Hintergrund ausgezeichnet. Der Film von Sebastián Lélio ist auch im Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären, die erst am Samstag vergeben werden. Der Chilene, der inzwischen in Berlin lebt, war bereits 2013 mit dem Film "Gloria" auf der Berlinale. Damals gewann seine Hauptdarstellerin Paulina García einen Silbernen Bären.

Den Spezialpreis der Teddy-Jury hat der Film "Close-Knit" von Naoko Ogigami gewonnen. Die Japanerin erzählt darin die Geschichte eines elfjährigen Mädchens, das von ihrem Onkel und dessen Freundin aufgenommen wird, nachdem ihre Mutter sie verlassen hat. Bei der ersten Begegnung mit der Freundin des Onkels stellt sich heraus, dass diese eine Transfrau ist. Die Jury lobte in ihre Begründung Ogigamis natürliche Dialoge und ihr Sinn für Humor. "Ogigami legt besonderen Wert auf einzigartige Details wie die gestrickten Objekte, die schöne Kinematographie und die universelle Anziehungskraft einer erbaulichen, aber realistischen Geschichte."

Doku-Film über die eigene Mutter ausgezeichet

Der Preis für den besten Dokumentarfilm geht an "Ri Chang Dui Hua" (Small Talk) von Hui-chen Huang. Die Taiwanesin hat einen sehr persönlichen Film über ihre Mutter gedreht. Diese wurde - wie im Taiwan der 1970er-Jahre üblich - früh verheiratet und bekam zwei Kinder. Doch bald ließ sie sich von ihrem gewalttätigen Mann scheiden und zog die Töchter alleine auf. Seitdem hatte sie ausschließlich Beziehungen zu Frauen, die wie sie ihren Lebensunterhalt als Seelenbegleiterinnen bei Beerdigungen verdienen. In der Begründung der Jury heißt es, die Regisseurin stelle mutig ihre eigene Familiengeschichte dar, die dem Publikum einen Einblick in eine Kultur gibt, die uns vielleicht nicht vertraut ist. "Dieser kraftvolle Dokumentarfilm schafft es gleichermaßen bedeutungsvoll und äußerst intim zu sein."

Als besten Kurzfilm kürte die Jury "Min Homosyster" (My Gay Sister) von Regisseurin Lia Hietala. Der Film sei "eine süße Geschichte eines jungen Mädchens, das mit Hilfe seiner großen Schwester und deren Freundin etwas über die Liebe lernt", so die Begründung der Jury.

Regisseurin Monika Treut am Rande der Berlinale im Interview mit Radioeins (Quelle: imago/Seeliger)
Regisseurin Monika Treut am Rande der Berlinale im Interview mit Radioeins

Special Teddy Award für Monika Treut

Mit einem Special Award würdigte der schwul-lesbische Filmpreis außerdem die deutsche Regisseurin, Produzentin und Autorin Monika Treut. Wie die Teddy-Veranstalter mitteilten, hat Treut nicht nur das feministische und lesbische Kino seit den 80er Jahren geprägt, sondern auch die unabhängige Filmszene.

Ihr legendärer Film "Die Jungfrauen Maschine" aus dem Jahr 1989 ist bei der Berlinale in einer restaurierten Fassung gelaufen. Sie selber sagt darüber, es sei ein Vintage-Feministinnen-Punk-Film. Der Film handelt von Frauen, die sich Stripshows ansehen und selbst "noch Schamhaare hatten", die auch zu sehen sind, so die 62-jährige Filmemacherin. Der Film bilde alles ab, was sie toll fand, als sie das erste Mal in San Francisco war, so Treut im Gespräch mit der rbb-Hörfunkwelle Radioeins. Strip-Shows für Frauen und Drag-Shows seien für sie völlig neu gewesen. "Und dann habe ich das eben einfach nachgestellt", so Treut.

Lustfeindliches Deutschland in den 80ern

Die Story handelt von einer Journalistin, die auf dem Weg nach San Francisco ist und rauskriegen will, wie man nicht an der romantischen Liebe erkrankt. Dabei findet sie Frauen, die ihr Dildos zeigen und sieht Drag-Kings strippen. Sie befreit sich von den gesellschaftlichen Zwängen und findet eine neue Identität.

Die männlich dominierte Filmkritik der 80er Jahre tat den Film als Trash ab und beleidigte die Hauptdarstellerin, die fette Beine und einen dicken Hintern habe. Aber auch die Feministinnen haben den Film kritisiert. Laut Treut hatte damals Alice Schwarzer das feministische Zepter in der Hand und argumentierte immer damit, dass Pornografie schlecht ist. "Es war sehr lustfeindlich in Deutschland damals für Frauen", so die Filmemacherin. Deswegen ist Treut in die USA gegangen und dort für ihre Filme gefeiert worden. Treut sagt, sie wolle Filmemacherinnen ermutigen, ihre eigenen Fantasien umzusetzen, auch wenn die Kritiken schlecht sind.

67. Internationale Filmfestspiele in Berlin, 17.02.2017, Teddy Award im Haus der Berliner Festspiele: Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD, l) und Sängerin Conchita. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Ministerin Nahles mit der Sängerin Conchita beim Teddy 2017.

Nominiert waren fast 40 Filme

Insgesamt waren in den unterschiedlichen Sektionen der Berlinale fast 40 Filme und Dokumentationen für den Teddy nominiert. Zur Eröffnung der 31. Teddy-Awards sprach Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD). Gefeiert wurde im Haus der Berliner Festspiele, zum Bühnenprogramm gehörte auch Sängerin Kerstin Ott ("Die immer lacht").

Mit Informationen von Julia Vismann

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