Die Vorder- und Rückseite der Berlinale-Tasche 2017 (Quelle: rbb/Fabian Wallmeier)

Erkennungszeichen - Der heimliche Star der Berlinale: die Tasche

Sie ist das Erkennungszeichen der Filmfestspiele schlechthin: Die Berlinale-Tasche. Hundertfach gesichtet, heiß begehrt – und oft als erstes Berlinale-Souvenir ausverkauft. Die Tasche ist weit mehr als ein Tragebeutel.

Wer sich einmal einen Tag lang an den roten Teppich der Berlinale gestellt hat, der weiß, dass die Bezeichnung als "heimlicher Star" nicht zu hoch gegriffen ist: Kaum jemand anderes hat den Teppich so oft überquert. Hundertfach baumelt sie an Handgelenken, hängt lässig über der Schulter oder locker über den Rücken geworfen – und signalisiert: Der Träger der Tasche gehört dazu, ist Teil des Berlinale-Zirkusses. An den Premierenstars wurden sie zwar nicht gesichtet, aber das mag daran liegen, dass sich Schultertaschen einfach nicht gut zu Abendroben und feinen Anzügen machen.

Eine Tragetasche der 64. Berlinale steht in einer Telefonzelle. (Quelle: rbb)

Obwohl die Berlinale-Tasche natürlich etwas von ihrer Exklusivität eingebüßt hat: Seit 2006 wird sie nämlich nicht nur an die akkreditierten Teilnehmer der Filmfestspiele wie Journalisten oder Filmteams ausgegeben, sondern auch im Merchandising-Shop verkauft – und das anscheinend mit Erfolg, denn das gute Stück ist oft als erstes Souvenir ausverkauft. 2009 war das bereits fünf Tage vor Ende der Filmfestspiele der Fall. "Die Tasche war einfach der Renner", so die nette Verkäuferin des Shops. Ganz Verzweifelte versuchten ihr Glück im Internet - tatsächlich gab es zu diesem Zeitpunkt schon die ersten Exemplare bei Ebay.

Unterscheidungsmerkmal Tasche

Doch was macht die Tasche eigentlich so begehrenswert? Die Farbe vielleicht? Wohl kaum, die Tasche wechselt jedes Jahr ihr Outfit. In den vergangenen Jahren war zumeist Rot total in. 2009 zeigte sie sich nicht ganz so feuerwehrrot wie im Jahr davor, sondern mehr ins Bläulich-Rote changierend. Das machte man 2012 wieder wett mit einem stechenden Knallrot. 

Die Taschendiskussion mag belanglos klingen, doch man ist erstaunt, wie viele Gespräche sich um die Gestaltung der Tasche drehen. "Dieses Jahr finde ich sie ganz schick." "Erinnert ihr euch an 2006? Als die Tasche aus Plastik war und so bestialisch gestunken hat?" "Die von 2011 war blau, sah ganz ok aus, war aber von minderwertiger Qualität". 2014 schien die Mehrheit der Taschenträger - obwohl die Tasche mehr zum Beutel mutiert war - mit der Qualität und Optik des Accesoires zufrieden. Die Grundfarbe der Tasche war ein helles Blaugrau - den Berlinale-Aufdruck gab es in verschiedenen Farben. 2015 hielt die Jutetasche erstmals Einzug. Im letzten Jahr gab es sie aus grauem Filz. 2017 ist die Tasche zwar so grau wie der Berliner Winter, aber dafür anpassungsfähig. So kann sie entweder als Umhängetasche - oder wenn man sie umdreht - als Rucksack genutzt werden.

Wer es lieber bunt mag, kann auf Berlinale-Taschen zugreifen, die aus alten Bannern gefertigt wurden. Wer so einSchmuckstück haben will, muss wohl aber schnell zugreifen, denn es handelt sich um limitierte Unikate.

Das Stück Stoff bietet Gesprächsstoff und die Gelegenheit, zu zeigen, dass man ja schon seit Jahren die Berlinale und damit ihre Taschen verfolgt. Höhere Weihen erreicht, wer nicht nur über die Taschen der Vergangenheit spricht, sondern solche Relikte sein Eigen nennt: Denn eine Tasche der aktuellen Berlinale kaufen kann jeder (so sie denn nicht ausverkauft ist), eine Tasche aus dem Vorjahr, dem Vorvorjahr oder noch besser dem Vorvorvorvorvorjahr kennzeichnet dagegen den wahren Experten.

Doch nicht nur der Jahrgang entscheidet, auch die Füllung spricht Bände: Hüpft die Tasche leichtfüßig auf und ab, ist sie wahrscheinlich nicht wirklich bepackt – ein schlechtes Zeichen, denn der wahre Berlinale-Fan und Kenner hat sich die Tasche mit Trinkflasche, kleinen Snacks und natürlich den unzähligen Programmankündigungen und Prospekten vollgeladen. Solche Experten erkennt man am schleppenden Gang, den das Bleigewicht um die Schulter verursacht.

Nicht nur Fans

Trotzdem man die Berlinale-Tasche während der Filmfestspiele ständig sieht, hat sie nicht nur Fans – ganz im Gegenteil. Gerade im Internet wurde immer wieder heiß diskutiert, ob es nicht sogar total uncool ist, solch eine Tasche sein eigen nennen zu dürfen. "Die tragen doch nur Möchtegern-Cineasten!" "Viel zu überteuert" und "Einfach nur peinlich, damit rumzulaufen" lauten etwa Kommentare in entsprechenden Foren. Die Kritiker gehören wahrscheinlich zu den Menschen, die sich bei einem Konzert auch nie ein Bandshirt kaufen würden. Schade eigentlich – denn die Tasche ist ja nicht nur praktisch, sondern auch eine bleibende Erinnerung an elf Tage voller Filme, Stars und eben Berlinale-Atmosphäre.

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